Berlin  Mögliche Staatsknete für die Meyer Werft: Rettung ja – aber zu welchem Preis?

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 26.07.2024 16:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Betrieb bei der Meyer Werft ist nur noch bis Mitte September gesichert. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
Der Betrieb bei der Meyer Werft ist nur noch bis Mitte September gesichert. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
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Die Papenburger Meyer Werft ist in höchster Not und die Zeit rennt davon. Es gibt gute Gründe dafür, dass der Staat den Kreuzfahrtschiff-Hersteller stützt. Die Politik sollte aber nicht übereifrig handeln.

Die Zahlen und Gründe sind in den vergangenen Wochen rauf und runter geschrieben worden. Doch helfen sie, die Dimensionen der Notlage bei der Meyer Werft halbwegs greifbar zu machen. Also: Fast 2,8 Milliarden fehlen dem Papenburger Traditionsunternehmen bis 2027. Das Eigenkapital muss um 400 Millionen Euro erhöht werden. Nur so bekommt die Werft überhaupt noch Kredite, die sie zur Finanzierung der Schiffe benötigt. Die Zeit rennt davon, der Weiterbetrieb ist bloß bis September gesichert. Ach ja, und 340 Mitarbeiter sollen entlassen werden.

Die Meyer-Misere hat unterschiedliche Gründe. Da sind die Folgen der Corona-Pandemie, die explodierenden Materialkosten, die sonderbaren Spielregeln der Branche, wonach die Reedereien 80 Prozent des Kaufpreises erst bei Übergabe an die Werft zahlen. Doch auch das Management muss sich berechtigte Vorwürfe gefallen lassen.

Wie kann es etwa sein, dass die Werft wegen eines veralteten IT-Systems offenbar keine monatlichen Abschlüsse vorlegen kann? Dabei ist das Unternehmen sehr groß, an den Standorten in Papenburg, Rostock und Turku, Finnland, arbeiten rund 7.000 Menschen. Warum hat die Eigentümerfamilie die Werft in ein intransparentes Konstrukt aus zahlreichen Tochterfirmen zerstückelt? Die finanzierenden Banken dürften auch deshalb zurückhaltender bei der Kreditvergabe sein.

Es gibt gute Gründe, die Meyer Werft zu retten. In Papenburg wissen sie, wie man die größten Luxusliner der Welt baut. Das Unternehmen erhält weiterhin Aufträge und hat einen enormen Einfluss auf die Wirtschaft im gesamten Nordwesten des Landes, das frühere Armenhaus der Nation.

Das Land Niedersachsen will helfen. Will für Kredite bürgern, will vielleicht sogar ins Unternehmen einsteigen. Doch der Bund ziert sich, es geht um Milliarden. Und der Staat muss sich gut überlegen, wie viel Knete er in die Werft stecken möchte. Sind Steuergelder für ein Unternehmen gerechtfertigt, das seinen Sitz nach Luxemburg verlagert hat, um einen mitbestimmenden Aufsichtsrat zu verhindern?

Äußerst fragwürdig ist auch das Verhalten der Familie Meyer. Wie groß ist ihr Vermögen? Wird sie sich an einer Rettung beteiligen? Wäre sie bereit, Anteile am Unternehmen abzugeben? Dazu schweigen die Eigentümer um den Patriarchen Bernhard Meyer.

Allerdings hat die Werft so viele Schwierigkeiten, dass eine Geldspritze allein nicht reichen wird. Es braucht eine große Neustrukturierung, denn es ist längst nicht ausgemacht, dass die Krise nicht doch zum dauerhaften Problemfall wird. In Berlin gibt es Bundestagsabgeordnete, die hinter vorgehaltener Hand daran zweifeln, dass die Meyer Werft überhaupt noch überlebensfähig ist. Die Zweifel sind nicht unberechtigt.

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