Hamburg  Großbrand bei Abschleppdienst in Osnabrück: Welche Rolle spielten Clan-Kriminelle?

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 26.07.2024 11:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Foto: Festim Beqiri
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Die Täter kamen in der Dunkelheit, legten auf dem Gelände eines Abschleppdienstes Brände und verschwanden wieder in die Nacht. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ist sicher: An der mutmaßlichen Brandstiftung waren zwei polizeibekannte Clan-Kriminelle aus Ostercappeln beteiligt. Aber warum wurde gezündelt?

Als die Feuerwehr im Mai 2020 auf dem Gelände des Abschleppdienstes in Osnabrück eintraf, schlugen die Flammen schon meterhoch aus den Autos. 13 Fahrzeuge, so lautete später die Bilanz der Polizei, wurden durch das Feuer beschädigt. Die Schadenssumme bezifferten die Ermittler mit 200.000 Euro. Der wohl teuerste Wagen, der zerstört wurde, war ein Mercedes AMG.

Das Feuer war nicht Ergebnis einer Nachlässigkeit oder eines Unfalls, es wurde absichtlich gelegt. Darauf deuteten die zwei Brandherde hin, die beim Löschen entdeckt wurden. Aber auch die Aufzeichnungen Überwachungskameras: Sie hatten gefilmt, wie mehrere zunächst Unbekannte längere Zeit das Gelände offenbar ausspähten, um dann zu nachtschlafender Stunde eine Mauer zu überwinden und zu zündeln.

Für die Ermittler stand schnell fest, wer die Verdächtigen sind. Bereits im November 2021 erhob die Staatsanwaltschaft Osnabrück Anklage gegen vier Männer. Doch die liegt nach wie vor beim Landgericht. Über eine Zulassung ist nicht entschieden. Ein Gerichtssprecher teilt mit, es fänden Nachermittlungen statt, es gebe noch offene Fragen an den Brandsachverständigen. Offenbar genügten den Richtern die bislang vorgelegten Beweise noch nicht, um das Verfahren zu eröffnen.

Ein Prozessauftakt ist deswegen einstweilen weiterhin nicht in Sicht. Sollte es so weit kommen, dürfte das Verfahren für das Landgericht indes mit einigem Aufwand verbunden sein. Denn bei zweien der insgesamt vier durch die Staatsanwaltschaft angeklagten Personen handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion um Osman und Hadi Z..

Die Sicherheitsbehörden in Niedersachsen ordnen die Brüder dem Bereich der Clan-Kriminalität zu. Beide waren bereits 2022 vor dem Landgericht Osnabrück nach einem Prozess unter hohen Sicherheitsauflagen zu Haftstrafen wegen einer Einbruchsserie verurteilt worden.

Damals nicht Teil der umfangreichen Liste der angeklagten Straftaten: der Brand beim Abschleppdienst. Doch auch bei dem hatte das Duo nach Auffassung der Staatsanwaltschaft seine Finger im Spiel. Hadi Z.s Anwalt Jan van Lengerich erklärt, man weise die Vorwürfe zurück. Ein Anwalt von Osman Z. reagierte zunächst nicht.

Nach Informationen unserer Redaktion gehen die Ermittler davon aus, dass mit dem Feuer Beweise für einen mutmaßlichen Versicherungsbetrug vernichtet werden sollten. Auf dem Gelände waren entsprechend Fahrzeuge abgestellt, die die Polizei zuvor beschlagnahmt hatte.

Ein Zeuge hatte demnach einen Unfall beobachtet, der ihm, aber auch der Polizei, arg seltsam vorgekommen sein soll. Der Hintergrund der Kollision soll ein versuchter Versicherungsbetrug gewesen sein. Die Polizei stellte die involvierten Fahrzeuge sicher.

Genau diese PKW – unter anderem der Mercedes AMG – sollen später absichtlich in Brand gesteckt worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat deswegen drei der insgesamt vier Beschuldigten unter anderem wegen gemeinschaftlicher vorsätzlicher Brandstiftung sowie versuchter besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Dem vierten Beschuldigten wird Beihilfe vorgeworfen. Ob und welche Vorwürfe dann tatsächlich vor Gericht verhandelt werden, bleibt abzuwarten.

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