Shop im Internet Rechtsextreme Mode aus der Krummhörn – was steckt dahinter?
Pullover mit „Heil Hitler“-Code, Wehrmacht-Glorifizierung und Hass gegen Grüne: Für einen Krummhörner alles nur Meinungsfreiheit. Dazu stehen will er dennoch nicht.
Krummhörn - Es ist ein kleiner Internetshop aus der Krummhörn. Hier werden Shirts und Pullover mit „Hand in Hand Mittelstand“-Aufschrift verkauft. Das Design hat sich Shop-Inhaber „Ben B.“, wie er sich im Impressum der Seite nennt, sogar „sichern“ lassen. Aber Solidarität mit denen, die Anfang des Jahres auf die Straße gehen, ist nicht das einzige, was der Shop ver- und den Betreiber umtreibt. In der Kategorie „Politisch/National“ zeigt „Ben B.“, was er vor allem verkaufen will: Klamotten mit Aufschriften wie „Ruhm und Ehre der Wehrmacht“, „Deutsches Afrikacorps“ (mit Eisernem statt Hakenkreuz), „Good night left side“ („Gute Nacht, linke Seite“) oder „Landser - Deutsche Wut“ stehen da zum Verkauf. Der Kapuzenpullover für 34 Euro, das T-Shirt für 25 Euro. Alt ist der Shop noch nicht, laut Logo wurde er in diesem Jahr ins Leben gerufen.
„Ich bin nicht der Einzige, der sowas vertreibt“, sagt „Ben B.“ als unsere Redaktion ihn anruft. „Das ist nichts Verbotenes“, sagt er, und auch: „Das fällt unter Meinungsfreiheit.“
Bekenntnis zur Wehrmacht
Dennoch will „Ben B.“ nicht namentlich in der Zeitung genannt werden, droht gleich mit einem Anwalt. Den Anwalt habe der Krummhörner übrigens schon, weil er seine Motive anwaltlich prüfen lasse. „Der Shop soll sich eh ändern“, sagt der Krummhörner noch – und nimmt diesen kurz nach dem Telefonat offline. Auch wenn der Krummhörner noch sagt, dass er keine Lust habe, sich mit der Presse über seine politischen Ansichten zu unterhalten: Eindeutig sind diese allemal.
„Die im Shop gelisteten Kleidungsstücke mit Wehrmachtmotiven sind als rechtsextrem zu klassifizieren“, so die Einschätzung von Kevin Schreiber von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie“ aus Oldenburg. Die Wehrmacht werde „unverhohlen heroisiert, deren Gräueltaten glorifiziert und damit an gängige geschichtsrevisionistische Argumentationslinien der extremen Rechten angeknüpft“, so die Einschätzung. Aufschriften wie „Ruhm und Ehre der Wehrmacht“ seien ein Bekenntnis, „was in der Konsequenz auch eine Billigung und Glorifizierung der zahllosen Verbrechen der Wehrmacht – die Führung eines Vernichtungskrieges, Massenmord an angeblichen Partisanen, die Beteiligung an der Shoah, ... – beinhaltet“.
Granaten und Stricke für Kinderschänder
Neben Darstellungen von Wehrmachtssoldaten verkaufte der Krummhörner auch ein T-Shirt, auf dem gegeneinander gekreuzt Stielhandgranate und Schwert im Lorbeerkranz zu sehen sind. Eine ähnliche Symbolik wurde beim Sturmabzeichen des Heeres im Zweiten Weltkrieg genutzt. Ein anderes Motiv zeigt die „88“ im Lorbeerkranz. Die Acht steht für den achten Buchstaben im Alphabet, das H, die 88 entsprechend für „HH“: Statt „Hansestadt Hamburg“ ist in diesem Fall aber „Heil Hitler“ mit dem Code gemeint. Auf anderen Kleidungsstücken steht „Ein Baum, ein Strick, ein Schändergenick“ oder „Todesstrafe für Kinderschänder“ – eine seit Jahren von Rechtsextremen genutzte Parole.
Eine andere Darstellung zeigte wiederum einen stilisierten Wehrmachtssoldaten und eine „traditionell“ gekleidete Frau. Der Titel: „Ewig treu“. Die Mobile Beratung dazu: „Hier wird vermutlich einerseits die Treue der Wehrmacht zum NS-Regime verherrlicht und andererseits greift die Darstellung der weiblichen Person mit langem, geflochtenen Zopf und Blumenkranz im Haar eindeutig auf die Ästhetik der ‚traditionellen‘ Frau zurück.“ Dies erinnere an die amerikanische Bewegung der „Tradwives“, übersetzt soviel wie „traditionelle Ehefrauen“, ein antifeministisches Internetphänomen, so Schreiber. Hier werde ein „Weltbild propagiert, in dem Frauen nicht mehr berufstätig sind, sondern als Hausfrauen und Mütter ihren Männern dienen sollen“. Ähnliche Ästhetiken finden sich beispielsweise auch bei der Jugendorganisation der AfD, der „jungen Alternative“ wieder.
Nicht verboten, aber eindeutig
Womit „Ben B.“ Recht hat: Verboten ist wohl keines der Motive. Dafür sorgen nicht zuletzt die strategisch ersetzten Hakenkreuze, zum Beispiel beim „Afrikakorps“-Motiv. „Der Pullover mit der Aufschrift ‚Deutsches Afrikakorps‘ ist ebenfalls ein gängiges Motiv in der rechtsextremen Szene“, so Schreiber. Angespielt werde dabei auf den Großverband der Wehrmacht, welcher unter anderem in Tunesien und Ägypten im Zweiten Weltkrieg kämpfte. „Aufgrund anfänglicher militärischer Erfolge spielte das ‚Afrikakorps‘ eine wichtige Rolle in der Propaganda des NS-Regimes.“
Aber das Angebot des Krummhörners, wie es bis zu unserem Anruf bestand, geht über die eindeutig rechtsextremen Angebote hinaus. Inmitten von Wehrmacht und 88 fand sich nicht nur ein „FCK Antifa“ (übersetzt soviel wie: Fick(t) die Antifa“) sondern auch „FCK GRN“, übersetzt soviel wie „Fick(t) die Grünen“. Eine Aufforderung, die gerade im Zuge der sogenannten Mittelstands-Proteste häufiger aufkam. Schreiber dazu: „Der Diskurs rund um die Grünen geht in Teilen weit über demokratische Gepflogenheiten hinaus.“ Es sei zu verhinderten Parteiveranstaltungen der Grünen gekommen, zudem zu „misogynem Hass und Beleidigungen beispielsweise gegen die Bundesvorsitzende Ricarda Lang oder gar körperliche Übergriffe“. Die Angriffe und auch solche Motive wie vom Krummhörner angeboten seien aber auch als „Kulturkampf-Rhetorik“ aus dem rechtsextremen Kontext zu verstehen. „Abgerundet“ wurde das Shopangebot dann noch durch nordisch-mythologisch anmutende Motive.
Wie es mit dem Shop weitergeht, ist derweil noch offen. Auf der Internetseite steht aktuell nur „Umbauarbeiten – Der Shop wird gerade umgebaut!! Wir sind in kürze wieder für euch online, im neuen Glanze und mit erweitertem Sortiment!“