Nachruf auf ein Norderneyer Unikat Mickie Krause singt für verstorbenen Freund Tante Jens
Tante Jens alias Jens Langner hat als Entertainer und Bar-Betreiber das Nachtleben auf Norderney bereichert. Doch es gab nicht nur den fröhlichen Künstler. Der 53-Jährige hatte auch andere Seiten.
Norderney - Er war Tante Jens. Ein Unikat, ein Entertainer. Eine Ikone der Insel Norderney. So feiern ihn seine Fans. Sie sind voller Trauer, weil der Künstler Sonntagnacht, 21. Juli 2024, in einem Bistro auf der Insel tot zusammengebrochen ist. Das hat eine Freundin des 53-Jährigen bestätigt. Er war die Tante, die ein Onkel war, wie er sich selbst charakterisierte. Das Schillernde, das Oszillieren zwischen den Geschlechtern, hat ihn ausgemacht. Und sein impulsiver Wunsch, die Menschen zu unterhalten. Sie aus dem tristen Alltag herauszureißen. Damit hatte der 53-Jährige schon auf seiner Heimatinsel Sylt Erfolg. Er betrieb dort mit einem Freund einen Club. 2009 tauchte Tante Jens auf Norderney auf − zunächst als Schuhverkäufer in der Poststraße.
Dort betrieb ein Händler einen Pop-up-Store für Damenschuhe. Während der Neu-Insulaner den Kundinnen Sandalen und Pumps heraussuchte, berichtete er beiläufig davon, dass er bald an der Kirchstraße seine „Wunderbar“ eröffnen würde. Im Juni war es dann so weit. In einem Raum mit zehn Sitzplätzen am Tresen und 40 an Tischen betrieb Tante Jens ein Cabaret. Er sang selbst Broadway-Lieder und Schlager aus den 50er- und 60er Jahren. In der Saison holte er mit Künstlern wie Marion von Richly, Coa Forst oder Corinna May ein wenig Glamour auf die Insel.
Feier zum Zehnjährigen
Unter der gelben Tiffany-Lampe und der klassischen Disco-Kugel ging an unzähligen Abenden die Post ab. Schon nach kurzer Zeit gab es Ärger. Das Übliche: lärmende Gäste in der Nacht, Beschwerden von Anwohnern. Jens Langner ließ sich nicht unterkriegen. Er fand neue Räume an der Winterstraße und eröffnete seinen „Kings Club“. Dort feierte er 2019 mit einer rauschenden Party sein zehnjähriges Bestehen. Damals wusste er noch nicht, dass er ein drittes Mal mit seinem Lokal würde umziehen müssen. Vor etwas mehr als einem Jahr hat er einen Club an der Poststraße eröffnet. Und der hieß dann auch „Tante Jens“.
Doch im Leben von Jens Langner gab es nicht nur wilde Feten. Mehrmals im Jahr flog der Norderneyer nach Ghana, um in den Slums von Accra eine Schule zu besuchen, die er mit seinem Lebenspartner für einheimische Kinder aufgebaut hatte. Dieses Engagement hat er nie an die große Glocke gehängt. Für wen auch? An seinem Image musste er nicht arbeiten. Die Menschen mochten ihn und er mochte Menschen. Das zog auch Stars an. Der Partyschlagersänger Mickie Krause war oft bei ihm zu Gast. Am Montagnachmittag bekundete er auf seinem Instagram-Account seine Trauer über den Verlust des verstorbenen Norderney-Star. Dazu schreibt er: „Tante Jens! Ich habe fest mit dir beim Summertime-Festival auf Norderney gerechnet! Jetzt erreicht mich die Nachricht, dass du nicht mehr unter uns bist! Du warst ein Paradiesvogel, ein Unikat auf der Insel! Ich werde für dich singen!“