Leidenschaft Tennis Harte Aufschläge und viel Talent
Die neunjährige Jenna Saathoff gehört zu den besten Tennisspielerinnen in Niedersachsen. Sie träumt vom grünen Rasen.
Aurich - Auf der Tennisanlage des TCAW Aurich-West ist am Freitagvormittag nicht viel los. Auf Platz zwei allerdings ist eine Neunjährige auch in den Sommerferien fleißig. Immer wieder schnappt sich Jenna Saathoff einen Ball aus dem großen Eimer und schlägt einen Aufschlag nach dem nächsten in das gegenüberliegende Feld. Fast alle Bälle erreichen ihr Ziel, Vater Stephan nickt zufrieden. „Der Aufschlag ist eine ihrer großen Stärken.“
Die Schlagstärke, ihr unbändiger Wille auf dem roten Sandplatz und ihr Trainingsfleiß haben die Auricherin bis auf Platz drei in Niedersachsen geführt. Anfang August steht sie vor ihrer nächsten Herausforderung. In Lippe/Westfalen nimmt sie in ihrer Altersklasse an den Deutschen Jugendmannschaften teil. Über 90 Sandplätze stehen für die Titelkämpfe zur Verfügung. Auf die Frage, ob sie denn schon nervös sei, antwortet sie trocken: „Nö!“
Abwarten liegt nicht in ihrem Naturell
Jenna Saathoff muss noch nicht über das ganze Feld Bälle schlagen. Beim sogenannten Orange Cup wird das Feld verkleinert und auch die Bälle sind leichter. „So gibt es bei den Turnieren mehr Ballwechsel und der Verschleiß ist noch nicht so groß“, sagt Vater Stephan Saathoff. Bei diesen Turnieren dürfen die Trainer nicht eingreifen oder coachen, Streitigkeiten um Punkte müssen die Mädchen selber lösen. „Da kullern manchmal auch die Tränen“, sagt Saathoff. Zweimal hat Jenna bereits ein Turnier der Serie gewonnen, für die besten Vier der Rangliste wartet ein besonderes Turnier mit Talenten aus anderen Tennisverbänden.
Die Viertklässlerin der Auricher Finkenburgschule liebt das druckvolle Spiel, Abwarten liegt nicht in ihrem Naturell. Ihre Lieblingsspielerin bevorzugt eine ähnliche Herangehensweise auf dem Tennisplatz. Der belarussische Star Aryna Sabalenka ist ebenfalls eine kampfstarke und druckvolle Spielerin. Jenna Saathoff hofft, dass es auch in Deutschland mal wieder eine Weltklassespielerin gibt. Zurzeit schaut sie mit ihrem Vater den Profis beim ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum zu. Mit dem Weltklassespieler Holger Rune aus Dänemark hat sie ein Foto machen lassen.
Die Neunjährige träumt vom grünen Rasen in Wimbledon
Die ersten Bälle schlug die Grundschülerin mit zarten vier Jahren. Die Familie Saathoff machte Urlaub auf der Insel Wangerooge und Vater Stephan spielte ein Match mit dem Hausmeister der Kurverwaltung. „Da hat sie gleich die Bälle getroffen“, staunt er noch heute. Die Leidenschaft für den Sport wuchs schnell, bald war die Auricherin nur noch auf dem Tennisplatz zu finden. Dreimal in der Woche wird sie von einem Trainer angeleitet, ein bis zweimal geht es mit dem Vater auf die Tennisanlage in Extum. Dort fühlen sich Vater und Tochter sehr wohl. „Hier ist alles locker und entspannt“, sagt Stephan Saathoff.
Jenna hat mittlerweile die Bälle eingesammelt und bekommt die Bälle nun auf die Rückhand gespielt. Wie ein Uhrwerk schlägt sie die Filzkugel mal cross und mal longline über das Netz. Sie brennt für den Tennissport, da wird dann auch mal ein Urlaub unterbrochen, um beim Orange-Cup Ranglistenpunkte zu sammeln. Da kommt es dann vor, dass es von Wangerooge aus mit dem Flieger zurück auf das Festland geht. Der Aufwand lohnte sich, Jenna Saathoff gewann ein Turnier in Wardenburg – gegen ihre Angstgegnerin.
Wie alle Tennismädchen hat die Neunjährige einen großen Traum. „Ich will einmal in Wimbledon spielen“, sagt sie und klatscht mit ihrem Vater ab. Für dieses weit entfernte Ziel hat sie sogar ein Buch mit dem Titel „Ich will nach Wimbledon“ durchgelesen. Dort gibt der ehemalige Trainer von Steffi Graf und Rafael Nadal Einblicke in den Profisport. Auch wenn es mit dem grünen Rasen nicht klappt, eines weiß Vater Stephan Saathoff bereits jetzt: „In zwei bis drei Jahren habe ich keine Chance mehr gegen sie.“