Juist  Juist für Kinder, Senioren, Familien im Test: Insider-Tipps und Preise

Anika Sterna
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Von Anika Sterna
| 22.07.2024 12:00 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Juist lockt mit seiner idyllischen Ruhe die Gäste an. Foto: Anika Sterna
Juist lockt mit seiner idyllischen Ruhe die Gäste an. Foto: Anika Sterna
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Ist Juist der schönste Urlaubsort für Kinder, Familien und Senioren im Norden? Wir testen. Sie entscheiden, wo man im Norden am besten Urlaub machen kann. Wer abstimmt, kann tolle Preise gewinnen.

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„Die Natur hier ändert mehrmals täglich ihr Gesicht. Das Licht, das Wasser, das Watt... es sieht hier immer anders aus“, erklärt Pilot Marcus Schacht. Seit sieben Jahren bringt er die Gäste vom Festland mit seinem kleinen Propellerflugzeug auf die ostfriesischen Inseln und zurück.

„Hier lebt man mit der Natur zusammen“, findet auch Anna-Maria Deperto. Durch den Rhythmus von Ebbe und Flut müsse man sich der Natur und dem Wetter anpassen. Man sei von den Gezeiten, den Tiden, abhängig.

Im Gegensatz zu ihren Nachbarinseln bedeutet das, dass die Fähre die Insel meist nur einmal am Tag anfährt. Immer dann, wenn ausreichend Hochwasser herrscht. Nur dann wird auch die Post zugestellt oder werden Lebensmittel geliefert.

Bereits bei der Anreise zeigt sich, was die Bewohner und Gäste schätzen: Auf Juist erlebt man Entschleunigung. Autos fahren hier keine. Stattdessen gibt es Pferde, Hufgetrappel und Fahrräder. Selbst die Müllabfuhr fährt hier Kutsche. Leere Flaschen werden nicht zum Pfandautomaten gebracht, sondern vor die Haustür gestellt, wo sie eingesammelt werden.

Die Ruhe und Natur machen für Anna – auf der Insel kennt und duzt man sich – den Zauber Juists aus. Nicht ohne Grund wird Juist auch Töwerland, also Zauberland, genannt. Denn um Juist ranken sich viele Sagen und Märchen. Natürlich sind auch Hexen im Spiel, erzählt Anna. Denn ursprünglich bedeutete der Name „Töwer“ Hexe. 1651 wurde die Insel in einer schweren Sturmflut entzwei geteilt – die Tat von Hexen? Drei Juister Frauen habe man im Zuge der Hexenverfolgung hier verbrannt, erzählt Anna.

Erst 1932 wurden die Inselteile durch einen Dünendeich wieder miteinander verbunden. Die durch den Sturm entstandene Bucht wurde durch weitere Verlandung zum See – dem Hammersee. Während er ursprünglich noch mit Meereswasser gefüllt war, wurde das Wasser inzwischen komplett durch Regenwasser ausgetauscht. So wurde der Hammersee zum größten Süßwassersee der ostfriesischen Inseln.

Heute wird „Töwe“ mit Zauber übersetzt. Und den, sagt Anna, spüre man an jeder Ecke. Schließlich sei Juist „zauberhaft schön”. Wer einmal da war, der käme immer wieder, behauptet sie.

Das bestätigt Stefan Danzer. Ihm gehört das Hotel und Restaurant Achterdiek. Vor knapp 30 Jahren kam er mit seiner Frau nach Juist. Es war die „Sehnsucht Richtung Wasser“, erzählt er. Jede der ostfriesischen Inseln sei besonders und jede habe ihre Stammgäste, erklärt er. Auch einige Saisonarbeiter kämen jedes Jahr wieder.

Die größte Sehenswürdigkeit auf Juist ist die Natur. Die Dünen, das Watt, der Sandstrand und das Meer. Auch einen kleinen Wald – liebevoll Zauberwäldchen genannt – und den Hammersee findet man hier. „Wenn man im Wald steht, denkt man, man sei überall, aber nicht auf einer ostfriesischen Insel“, sagt Stefan. „Kein Baum wächst da gerade“, sagt er weiter. Der Effekt der Nordsee-Luft. Die krummen Bäume und das Moos gäben dem Ort etwas Mystisches, findet er.

Für alle, die vom Watt fasziniert sind, werden verschiedene Wattwanderungen angeboten. Für Kinder gibt es Touren mit einfachen Erklärungen – aber es gibt auch vierstündige Intensiv-Wanderungen; je nach Wetter auch barfuß. Wer im Herbst zu Besuch ist, kann zudem bei geführten Wanderungen die Zugvögel beobachten.

Im Westen treffen an der sogenannten „Bill“ Nordsee und Wattenmeer aufeinander. Mit viel Glück lassen sich hier auch Seehunde beobachten. Zurück geht es von hier zum Ausflugslokal Domäne Bill, das den – wie es auf der Insel heißt – besten Rosinenstuten macht. Zurück im Ortskern empfiehlt sich ein Besuch im Lütje Teehuus, das ebenso zu den Sehenswürdigkeiten gehört wie der Wasserturm, der Leuchtturm oder das Wahrzeichen Juists im Hafen, das an ein Segel erinnern soll. Wer sich für Geschichte interessiert, kann das Inselmuseum besuchen.

Es empfiehlt sich, auf Juist ein Fahrrad zu leihen. Außer zur Brutzeit kommt man so bequem von einer Spitze der Insel bis zur anderen. Denn Juist ist schlank. Bei 17 Kilometern Länge und circa 500 Metern Breite ist man nie mehr als 300 Meter vom Strand entfernt. Einer der schönsten Strände der Welt, ist sich Anna sicher. Nachvollziehbar, möchte man beim Anblick des federweichen, weißen Sandes denken.

Ein Vater baut hier mit seinem jugendlichen Sohn eine große Sandburg, während junge Frauen wenige Meter weiter in der Sonne liegen und lesen, eine andere Gruppe sich rennend in die kalten Wogen wirft und Kinder am Strand entlang laufen und Muscheln sammeln. Einige Spielgeräte aus Holz sowie einen Beachvolleyballplatz findet man am Strand. Auch Kite- und Windsurfen sind auf Juist möglich.

Juist sei eine „Drei-Generationen-Insel“, findet Stefan. Wer als Kind schon hier gewesen sei, der käme später mit seinen eigenen Kindern und Enkelkindern wieder. So würden Inseln über Generationen „vererbt“. Die Kinder müssten nur wissen, dass sie nicht ins Watt dürfen, ansonsten könnten sie sich auf der Insel frei bewegen, denn Juist gilt als sehr sicher und übersichtlich.

Wenn die Kinder doch mehr Abenteuer suchen, gibt es diverse Angebote. Auf der Pferde-Insel lässt sich Pony-Reiten oder Kicken im Fußball-Camp mit dem ehemaligen VfL-Profi Thomas Reichenberger. Wer sich kreativ auslassen möchte, kann zum Beispiel einen Tape-Art-Workshop machen, in dem man lernt, aus Klebebändern Kunst zu machen.

Da Juist tideabhängig ist, ist Tagestourismus kaum möglich. Wer dennoch nur einen Tag auf der Insel verbringen möchte, reist am besten mit dem Flieger an. Ein Weg kostet 50 Euro pro Person. Keine zehn Minuten später ist man mit Blick übers Wattenmeer auf der Insel angekommen. Mit den Schnellbooten dauert die Anfahrt ungefähr 45 Minuten. Je nach Anbieter variieren die Preise zwischen 40 und 50 Euro pro Weg. Günstiger ist mit 20 Euro die Inselfähre. Die Reisedauer beträgt ungefähr 90 Minuten.

Hotelzimmer gibt es ab circa 120 Euro die Nacht. Ferienhäuser und -wohnungen kann man ab circa 80 Euro die Nacht finden. Allerdings sollte man bei den meisten Unterkünften mehr einplanen. Die Kurtaxe beträgt 4,80 Euro pro Tag und wird mit dem Fähr- und Flugticket abgerechnet.

Eine Kanne Ostfriesentee kostet im Lütje Teehuus 8,25 Euro. Einen Apfelstrudel mit Eiscreme und Vanillesoße gibt es für 13,50 Euro dazu. Etwas günstiger sieht es im Hotelrestaurant Achterdiek aus. Hier kosten Waffeln mit heißen Kirschen und selbstgemachtem Vanilleeis 7,50 Euro. Das Glas Ostfriesentee kostet 2,60 Euro.

Die Anreise nach Juist kann barrierearm erfolgen, sowohl mit der Fähre als auch mit dem Flugzeug. Allerdings empfiehlt sich hier eine Überfahrt mit der Fähre, da die Flugzeuge sehr klein und eng sind und große Gepäckstücke wie Rollstühle oder Rollatoren nicht unbedingt mitgenommen werden können.

Vom Flugplatz oder vom Hafen aus geht es mit der Kutsche oder dem Pferde-Taxi weiter zu den Unterkünften. Beim Einstieg in die Kutsche müssen zwei bis drei Stufen überwunden werden. Nicht alle, jedoch viele Hotels und Ferienwohnungen sind barrierearm.

Am Strand gibt es barrierefreie Abschnitte, um den Zugang zum Meer zu gewährleisten. Vor Ort können solarbetriebene Strandrollstühle gemietet werden. So können auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Juister Strand erkunden.

Juist überzeugt mit seinem kilometerlangen weißen Strand und der vielfältigen Natur, die es hier zu entdecken gibt. Die Dünen sehen an jeder Ecke anders aus. Die Pflanzen wehen im Wind und Möwen kreischen. Vögel singen und Pferde grasen, während man im Hintergrund das Hufgetrappel anderer Rösser hört. Juists stärkstes Argument ist die Idylle. Wer so richtig entschleunigen und die Seele baumeln lassen möchte, für den ist Juist der richtige Urlaubsort.

Auch für Familien eignet sich Juist gut, da Kinder hier frei und sicher spielen und an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen können. Abenteuerurlaub wird man hier dagegen nicht finden. Zudem ist Juist auch relativ teuer, sodass es sich preislich eher für Familien in der Ferienwohnung anbietet als für sparsame Singles im Hotelzimmer.

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