Menslage Auf den Spuren ihrer Familie: Warum Taylor Swift Menslage und Bersenbrück besuchen sollte
Sie ist ein Superstar: Taylor Swift kommt für einige Konzerte nach Deutschland – und hat dort sogar familiäre Wurzeln, genauer gesagt in Menslage und Talge. Wie das kommt und was eine Fernsehsendung damit zu tun hat.
Sarah Niemeyer ist großer Taylor-Swift-Fan. Die 29-Jährige gehört zu den Glücklichen, die den US-Superstar bei ihrem Konzert in Hamburg live sehen darf – und wie sie jetzt auch erfahren hat, ist sie sogar ihre Cousine achten Grades. „Das ist schon etwas sehr Besonderes“, sagt sie, auch wenn die Verwandtschaft nur über einige Ecken besteht und Taylor Swift das wohl nie erfahren wird.
Dass Sarah Niemeyer davon weiß, verdankt sie wiederum der Verwandtschaft. Denn Jürgen Schwietert (54) hat mit seiner Ahnenforschung überhaupt erst herausgefunden, dass es entfernte verwandtschaftliche Verhältnisse gibt.
Eigentlich wollte der im Menslager Ortsteil Wasserhausen aufgewachsene Schwietert nur mehr über die Personen erfahren, die im Giebel seines Elternhauses verewigt sind, und begab sich auf Spurensuche – unter anderem auf der Ahnenforschungsseite Ancestry. Dort trug er seinen Stammbaum ein.
Eines Tages kontaktierte ihn die Historikerin Swantje Heuten, die in seiner Familiengeschichte eine spannende Entdeckung gemacht hatte und ihn deshalb in die ZDF-Sendung „Du ahnst es nicht“ mit Thomas Anders einladen wollte.
Natürlich war Jürgen Schwietert, der mittlerweile in Ibbenbüren lebt, neugierig und nahm die Einladung an. Dort erfuhr er dann, dass er entfernt mit Taylor Swift verwandt sei. Gehört hatte er von ihr, war aber weit davon entfernt, sich als Fan zu bezeichnen – anders als Sarah Niemeyer. Spannend fand es Jürgen Schwietert aber allemal. Das war 2019.
Damals erfuhren auch Sarah Niemeyer und ihr Vater Christian Niemeyer (65), die mittlerweile in Walsrode leben, von dieser Verwandtschaft. Christian Niemeyer, der aus dem Menslager Ortsteil Hahlen stammt, und Jürgen Schwietert haben gemeinsame Urgroßeltern, deshalb sind sie in gleicher Weise mit Taylor Swift verwandt.
Weil die Niemeyers die Geschichte so spannend fanden, setzte sich Jürgen Schwietert daran und erstellte ihnen einen Stammbaum. Als er den im Heimathaus in Menslage ausbreitet, ist der Tisch bedeckt. Handelsübliche Stammbäume haben nicht ausgereicht, um die Familiengeschichte zu rekonstruieren, die zum Teil 300 Jahre zurückreicht. Deshalb hat Jürgen Schwietert einige Blätter angeklebt, um so zeigen zu können, wie die Verwandtschaftsverhältnisse aussehen.
Der Mann, der die entscheidende Verbindung zwischen Taylor Swift und den Familien Schwietert sowie Niemeyer ist, ist übrigens Johann Hermann Möhlenkamp. Der wurde in Talge geboren und wanderte 1836 mit seiner Familie in die USA aus. Nach einem Zwischenstopp in New Orleans ließ er sich in Missouri nieder.
Johann Hermann Möhlenkamp ist ein dreifacher Urgroßonkel dritten Grades sowohl von Jürgen Schwietert als auch Christian Niemeyer, der aus Talge stammt. Sein Sohn, Johann Wilhelm Möhlenkamp, wurde noch in Andorf geboren. Er gründete später in den USA eine Familie. Aus diesem Familienzweig ging am Ende Taylor Swift hervor.
Noch ihre Oma trug den Mädchennamen Marjorie Moehlenkamp, als sie heiratete, ging dieser Name jedoch verloren. Der Auswanderer Johann Hermann Möhlenkamp ist demnach der Urururgroßvater von Taylor Swift. Und Sarah Niemeyer ist ihre Cousine achten Grades. Das Haus, in dem Taylor Swifts Urururgroßvater aufgewachsen ist, gibt es außerdem noch.
Über ihre Großmutter hat Taylor Swift sogar schon einen Song geschrieben. In dem Video dazu hat sie Fotos ihrer Oma verwendet:
Übrigens könnte es sich lohnen, wenn die ein oder andere Familie in Menslage sich ihren Stammbaum genauer anschauen würde. Denn nicht nur der Auswanderer Johann Hermann Möhlenkamp hatte eine Frau aus Menslage (Helena Bockbrede aus Hahlen) geheiratet, auch in den nachfolgenden Generationen heirateten die Kinder andere Kinder aus Auswandererfamilien. Johann Wilhelm Möhlenkamp vermählte sich beispielsweise mit Anna Kartin Catharina Kruse aus Herbergen und sein Sohn Henry John Moehlenkamp nahm Emma Bruns, deren Familie aus Hahlen kam, zur Frau. „Nachfahren dieser Familien könnten noch näher mit Taylor Swift verwandt sein“, sagt Jürgen Schwietert.
Für Sarah Niemeyer ist es jedenfalls eine witzige, aber auch schöne Begebenheit, dass sich in ihrem Stammbaum eine Verwandtschaft mit Taylor Swift nachweisen lässt. Als sie damals die Sendung im Fernsehen gesehen hat, hatte sie mit dem Ergebnis nicht gerechnet. „Ich fand es richtig cool.“
Hätte nicht Jürgen Schwietert, sondern sie das damals in der Fernsehsendung erfahren, „ich glaube, ich hätte angefangen zu weinen“, sagt sie mit einem Lachen. Jetzt freut sie sich besonders aufs Konzert – und wer weiß, vielleicht trifft sie ihre Cousine achten Grades ja doch irgendwann einmal persönlich. Mal sollte schließlich nie „Nie“ sagen.