Zwei Frauen vor Gericht Beziehungsdrama auf dem Auricher Stadtfest
Eine Affäre mit dem Ex-Freund, ein gemeinsames Kind, eine neue Liebe: Diese problematische Mischung hat auf dem Auricher Stadtfest 2023 zu einer Eskalation geführt, die nun die Justiz beschäftigt.
Aurich - Ein Mann betrügt seine schwangere Freundin mit der Ex. Die will auspacken und der Nachfolgerin ungeschönt darlegen, was für einen Partner diese sich geangelt hat. Die neue Freundin hat jedoch kein Interesse an einer solchen Unterredung. Eins führt zum anderen, die Situation eskaliert. Die Ex kratzt und beißt den Verflossenen, wird von einer Freundin unterstützt. Die Schwangere bekommt einen Schlag in den Bauch und einen Tritt. All das soll sich am 19. August 2023 auf dem Auricher Stadtfest abgespielt haben. Der Fall beschäftigt nun die Justiz. Noch ist nicht ganz klar, wer Täter und wer Opfer ist.
Zwei Auricherinnen im Alter von 35 und 43 Jahren sind wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Aurich haben die beiden Frauen Einspruch eingelegt. Daher wird der Fall seit Montag, 15. Juli 2024, vor dem Strafrichter verhandelt. Laut Anklageschrift schlugen, traten, bissen und kratzten die beiden Frauen ihre Opfer, einen 24-jährigen Auricher und dessen 28 Jahre alte Freundin.
Obszöne Whatsapp-Nachrichten
Bei dem attackierten Paar handelt es sich um den Ex-Freund der 35-Jährigen, mit dem diese ein dreijähriges Kind hat. Fünf Wochen nach der Geburt habe der Mann sie verlassen, erklärt die Angeklagte – nach zwei Jahren Beziehung. Während der Beziehung habe er sie geschlagen und gewürgt, sagt die 35-Jährige unter Tränen. Dennoch habe sie im Frühjahr 2024, als der 24-Jährige bereits neu liiert war, eine Affäre mit ihm angefangen. Die Angeklagte zitiert obszöne Whatsapp-Nachrichten mit sexuellen Anspielungen, die der Ex ihr geschickt habe. Bei Treffen zum Thema Sorgerecht habe er sich in den Schritt gefasst.
Kurz vor dem Stadtfest habe sie von einer Bekannten das Gerücht gehört, sie zwinge ihren Ex zum Sex, damit der seine Tochter sehen dürfe. Als sie dem Mann und der neuen Freundin dann auf dem Stadtfest begegnet sei, habe sie der neuen Frau an seiner Seite die Wahrheit über die Affäre sagen wollen und um ein Gespräch gebeten. Sie habe sie am Arm angefasst. „Es war schon kräftig“, räumt die Angeklagte auf Nachfrage von Strafrichter Meyer ein, „aber ich hab sie nicht geschubst.“
„Ich hatte nie eine Chance gegen ihn“
Daraufhin sei ihr Ex-Freund gekommen und habe sie gepackt. Er habe seine neue Freundin aufgefordert wegzulaufen. „Er wusste, dass ich das mit der Affäre erzählen wollte.“ Das habe er verhindern wollen. Er habe sie auf den Hinterkopf geschlagen. Ihre Freundin, die Mitangeklagte, sei ihr zu Hilfe gekommen. Sie habe sich geschworen, sich keine Gewalt mehr gefallen zu lassen, sei daher dem Ex hinterhergelaufen und habe ihm den Weg abgeschnitten. Daraufhin sei der Mann „komplett ausgetickt“. Er habe sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen. „Der war gar nicht mehr zu bändigen.“ Er habe sie an den Haaren festgehalten und nicht losgelassen, da habe sie ihn in den Bauch gebissen. „Ich hatte nie eine Chance gegen ihn.“
Die Mitangeklagte sagt: „Ich bin sprachlos, dass ich hier sitze und was mir vorgeworfen wird.“ Sie habe mit Gewalt „nichts am Hut“. Sie habe ihrer Freundin nur geholfen, als diese angegriffen worden sei. „Er hatte sie an den Haaren. Da musste ich doch einschreiten.“ In Panik habe sie den 24-Jährigen gekratzt. „Ich wollte ihn nicht verletzen, aber ich hab mich bedrängt gefühlt.“ Sie habe nun mal lange Fingernägel, erklärt die 43-Jährige. Als er sie auch an den Haaren festgehalten habe, habe sie sich durch Bisse zur Wehr gesetzt.
„Die haben nicht von uns abgelassen“
Der 24-Jährige und seine Freundin stellen es im Zeugenstand völlig anders dar. Die Ex sei vor einem Bierstand von der Seite gekommen und habe die Nachfolgerin geschubst, beinahe umgestoßen. Die 35-Jährige sei „eindeutig auf Krawall gebürstet“ gewesen. Freunde seien dazwischengegangen. „Sie haben uns nicht in Ruhe gelassen“, sagt der Ex-Freund der Angeklagten. Er und seine Freundin hätten nur nach Hause gehen wollen, doch die beiden Frauen hätten sie verfolgt. Auf dem Marktplatz, in Höhe des Taxistandes, sei er „komplett zugerichtet“ worden, behauptet der Zeuge. Die beiden Angeklagten hätten ihn gebissen, gekratzt und seine Klamotten zerrissen. Seine schwangere Freundin, die im Übrigen von der Affäre gewusst habe, habe einen Schlag in den Bauch bekommen.
Irgendwann habe er die Frauen an den Haaren festgehalten, weil sie nicht anders zu bändigen gewesen seien, so der Zeuge. „Die waren so in Rage, die beiden, dass ich einfach nur versucht habe, meine Freundin zu schützen.“ Er und seine Partnerin hätten keine Konfrontation gewollt. „Die haben überhaupt nicht von uns abgelassen.“ Während der Zeugenaussage des 24-Jährigen tauschen die beiden Angeklagten immer wieder Blicke aus, schütteln den Kopf oder lächeln verächtlich.
Die Verhandlung am Amtsgericht Aurich zieht sich derart in die Länge, dass das Verfahren aufgrund von Anschlussterminen ausgesetzt werden muss. Zwei weiteren Zeugen teilt der Richter nach stundenlangem Warten mit, dass sie heute nicht mehr aussagen müssen. Ein Urteil ist noch nicht gefallen. Wann die Verhandlung fortgesetzt wird, ist offen.