Hannes-Flesner-Padd eröffnet  Tribut an plattdeutschen Musikphilosophen aus Aurich

Werner Jürgens
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Von Werner Jürgens
| 15.07.2024 07:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Wi fragen nich na Wind un Weer“: Ortsbürgermeister Martin Jürgens (Westerende, von links), Antje Harms (Rahe) sowie die Bürgermeister Horst Feddermann (Stadt Aurich) und Arno Ulrichs (Gemeinde Ihlow) bei der Enthüllung des Straßenschildes. Foto: Werner Jürgens
„Wi fragen nich na Wind un Weer“: Ortsbürgermeister Martin Jürgens (Westerende, von links), Antje Harms (Rahe) sowie die Bürgermeister Horst Feddermann (Stadt Aurich) und Arno Ulrichs (Gemeinde Ihlow) bei der Enthüllung des Straßenschildes. Foto: Werner Jürgens
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Mit einen Festakt ist am Freitag in Aurich der „Hannes-Flesner-Padd“ eröffnet worden. Nicht die einzige Würdigung des verstorbenen Auricher Musikphilosophen an diesem Tag.

Aurich - In seiner Boßelhymne „Lüch up un fleu herut!“ singt Hannes Flesner über seine ostfriesischen Landsleute: „Wi fragen nich na Wind und Weer.“ Eindrucksvoll bestätigt haben diese „These“ die trotz strömenden Regens zahlreich erschienenen Gäste, die sich am Freitag in Rahe am Kukelorum versammelten. Anlässlich des 40. Todestages des legendären plattdeutschen „Schgangsongjees“ wurde zu dessen Ehren der bisher namenlose Weg entlang des Ems-Jade-Kanals nach Fahne als Hannes-Flesner-Padd eingeweiht.

„Hannes hat in seinen Liedern das ausgedrückt, was Ostfriesland ausmacht“, meinte Staatssekretär Johann Saathoff (SPD), der seine Rede am Freitag mit markanten Flesner-Zitaten schmückte und diese nach eigenem Bekunden durchaus gern mal in die ein oder andere Bundestagsrede einflechtet. „Er war nicht nur Liedermacher und Journalist, sondern auch ein Philosoph und ein Ostfriese, der die Art wie wir leben und denken, uns immer wieder nahe gebracht hat.“ Deswegen sei die Einweihung eines „Padds“ nach Hannes Flesner „dringend notwendig, und eigentlich müsste noch viel mehr nach ihm eingeweiht werden“, so der Staatssekretär weiter.

„Hannes hat in seinen Liedern das ausgedrückt, was Ostfriesland ausmacht“, meinte Staatssekretär Johann Saathoff (SPD, mit Handy), der für den Einweihungstermin seinen Urlaub unterbrochen hatte. Foto: Werner Jürgens
„Hannes hat in seinen Liedern das ausgedrückt, was Ostfriesland ausmacht“, meinte Staatssekretär Johann Saathoff (SPD, mit Handy), der für den Einweihungstermin seinen Urlaub unterbrochen hatte. Foto: Werner Jürgens

Ein fester Bestandteil des von Enno Jakobs und Nico Weers bestrittenen musikalischen Rahmenprogramms war fast erwartungsgemäß das Lied „Bi ‚t Kukelorum, bi’t Rahester Verlaat“, in dem Hannes Flesner sich an seine Kindheit erinnert. Obwohl die Eltern in Norden wohnten, wurde er tatsächlich in der Nähe der Schleuse geboren. Die Niederkunft der hochschwangeren Mutter geschah, als sie am 8. Dezember 1928 gerade auf Besuch bei Verwandten war. Das wusste die Vorsitzende vom Dörpverein Rahe Margret Aden aus Erzählungen ihrer Großeltern zu berichten. Wegen des kalten Winterwetters hingen die Mama und ihr Neugeborenes demnach erst einmal fest. Später pflegte Flesner seine Geburtstage regelmäßig in der Kukelorum-Gaststätte zu feiern. Daran anknüpfend bildete sich zu Beginn der 2000er Jahre ein Freundeskreis, der diese Tradition bis heute fortführt.

Aus diesem Zirkel war auch wiederholt der Vorschlag geäußert worden, den Treckweg nach Hannes Flesner zu benennen. Dass die Idee nun in die Tat umgesetzt wurde, ist vor allem der Stadt Aurich und der Initiative von Claudia Endelmann von der Stabsstelle des Bürgermeisters zu verdanken. Ursprünglich war lediglich geplant eine Gedenktafel für Flesner am Kukelorum aufstellen zu lassen. Der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann und seine Verwaltung fanden jedoch schnell Gefallen an der Idee der Wegbenennung und beschlossen, sie ebenfalls in Angriff zu nehmen.

Auch Flesners langjähriger Weggefährte Lübbo „Patent“ Kuske war unter den Ehrengästen. Foto: Werner Jürgens
Auch Flesners langjähriger Weggefährte Lübbo „Patent“ Kuske war unter den Ehrengästen. Foto: Werner Jürgens

Damit der „Padd“ seinen Namen durchgängig bis Fahne tragen darf, mussten noch diverse weitere Gremien dem Vorhaben zustimmen. Eine davon war die Gemeinde Ihlow, dessen Bürgermeister Arno Ulrichs allerdings nicht lange zu überlegen brauchte. Immerhin ist er einer der Initiatoren des Flesner Freundeskreises. Aber auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der am Freitag von Axel Daubenspeck vertreten wurde, sowie die Ortsbürgermeisterin Antje Harms aus Rahe und ihr Westerender Kollege Martin Jürgens waren sofort begeistert und zogen mit. Die finale politische Entscheidung zugunsten des Hannes-Flesner-Padds fiel in beiden Ortsräten jeweils einstimmig aus.

In der Auricher Gaststätte „Kukelorum“, dem Lieblingslokal Flesners, wärmten sich die Teilnehmer des Festaktes nach dem Regen mit heißem Tee auf und stärkten sich mit „Krintstuut mit Botter“. Foto: Werner Jürgens
In der Auricher Gaststätte „Kukelorum“, dem Lieblingslokal Flesners, wärmten sich die Teilnehmer des Festaktes nach dem Regen mit heißem Tee auf und stärkten sich mit „Krintstuut mit Botter“. Foto: Werner Jürgens

Angesichts der Vielzahl der Leute und der Bedeutung von Hannes Flesner für Ostfriesland, hätte die Enthüllung des Straßenschildes und der Gedenktafel sicherlich besseres Wetter verdient gehabt. Dafür erwartete die durchnässten Gäste anschließend im Kukelorum heißer Tee zum Aufwärmen und „Krintstuut mit Botter“ als kleine Stärkung. Am Freitagabend erfuhr Flesner dann noch eine zusätzliche besondere Ehrung im Rahmen der Gezeitenkonzerte. Der Hamburger Knabenchor hatte für seinen Auftritt in der Auricher Lambertikirche anlässlich des 40. Todestag des „Schgangsongjees“ dessen „Tee-Walzer“ und seine Boßelhymne „Lüch up un fleu herut!“ einstudiert.

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