Hamburg  Lincoln, Kennedy, Reagan: Das waren die Attentate auf (ehemalige) US-Präsidenten

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 14.07.2024 18:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Attentat auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump erschüttert die Welt. Es ist das siebte Mal, dass ein Präsident durch Attentäter verletzt oder getötet wird. Foto: Evan Vucci/dpa
Ein Attentat auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump erschüttert die Welt. Es ist das siebte Mal, dass ein Präsident durch Attentäter verletzt oder getötet wird. Foto: Evan Vucci/dpa
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Mit Donald Trump ist bereits der siebte (ehemalige) Präsident bei einem Anschlag verletzt oder getötet worden. Einige Attentäter sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Das Amt des US-Präsidenten sucht bei seiner Mystifizierung weltweit seinesgleichen. Als „Anführer der freien Welt“ werden die mächtigen Männer im Weißen Haus gerne bezeichnet. Attentate erschüttern zumeist nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern die halbe Welt. Knapp zwei Dutzend Anschläge auf US-Präsidenten sind bekannt, vier Mal wurden sie dabei getötet. Täter und Tat sind seither fest im kulturellen Gedächtnis verankert.

Abraham Lincoln: Der erste republikanische US-Präsident der Geschichte war zugleich auch der erste, der einem Attentat zum Opfer fiel. Schon bei seiner Amtseinführung 1861 wurde es versucht, 1865 in einer Theater-Loge in Washington hatte Schauspieler John Wilkes Booth „Erfolg“. Lincoln wurde von ihm hinterrücks erschossen. Booth galt als fanatischer Sympathisant der Südstaaten, gegen die Sklaverei-Gegner Lincoln zu dem Zeitpunkt seit Jahren einen Bürgerkrieg führte. Den Sieg und die Verabschiedung des 13. Zusatzartikels, mit dem die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde, erlebte Abraham Lincoln nicht mehr.

James A. Garfield: Der 20. Präsident der USA wurde Opfer der Selbstüberschätzung seines Mörders und der medizinischen Hygiene seiner Zeit. Charles J. Guiteau, ein ehemaliger Wahlkampfmitarbeiter schoss zwei Mal auf Garfield in einem Bahnhof in Washington: Guiteau galt als überzeugt, entscheidend zum Wahlsieg beigetragen zu haben, doch eine Ernennung zum Botschafter durch Garfield folgte nie. Rund zwei Monate kämpften die Ärzte um Garfields Leben, doch antiseptische Maßnahmen, etwa mit Desinfektionsmitteln, waren in den USA noch kaum verbreitet, wurden teilweise sogar abgelehnt. Am 15. September starb Garfield, infolge der Schüsse und wohl auch einer Blutvergiftung.

William McKinley Jr.: Der Anarchist Leon Czolgosz soll beeindruckt von der Ermordung des italienischen Königs Umberto I. gewesen sein – und wollte es dem italienischen Täter nachtun. Auf der Weltausstellung in Buffalo schoss er auf den Präsidenten. Acht Tage später starb McKinley, auch weil die Ärzte eine Kugel hinter den Rippen nicht finden konnten. Ein Röntgengerät, wie es gerade auf jener Weltausstellung vorgestellt wurde, kam nicht zum Einsatz. Dem Tod des 25. US-Präsidenten verdanken seine Nachfolger bis heute, dass sie vom Secret Service geschützt werden. Sein populärer Nachfolger Theodore Roosevelt ließ den verbesserten Schutz für den Präsidenten festschreiben.

John F. Kennedy: Kennedy ist bislang der einzige demokratische Präsident, der bei einem Attentat ums Leben kam. Als mutmaßlicher Mörder gilt Lee Harvey Oswald, der zwei Tage darauf selbst erschossen wurde. Ein plausibles Motiv wurde nie genannt. Der populäre Präsident Kennedy, der wegen seiner „Ich bin ein Berliner“-Rede auch in Deutschland hohes Ansehen genoss, war am 22. November 1963 auf dem Weg zu einer Veranstaltung in Dallas im offenen Wagen unterwegs. Dann trafen ihn die tödlichen Schüsse. Der schnelle Tod von Oswald und die Pannen bei der Aufklärungsarbeit sorgen in den USA bis heute für weit verbreitete Verschwörungstheorien.

Theodore Roosevelt: Wie auch Donald Trump 112 Jahre später, war Theodore Roosevelt 1912 gar nicht mehr Präsident, kandidierte aber für eine zweite Amtszeit. Als er in einer Bar Milwaukee angeschossen wurde, sollen ein zusammengefaltetes Manuskript und ein metallenes Brillenetui den Schuss abgedämpft haben. Die Kugel wurde nie entfernt.

Ronald Reagan: 1981 war Reagan auf dem Weg von einer Gewerkschaftsversammlung zur Präsidentenlimousine. Dort schoss John Hinckley auf ihn und drei weitere Männer, die das Attentat allesamt teilweise schwer verletzt überlebten. Hinckley wollte mit der Tat die von ihm verehrte Schauspielerin Jodie Foster (Taxi Driver) beeindrucken, er wurde wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen und kam in Sicherheitsverwahrung, die er vor einigen Jahren wieder verlassen durfte.

Die US-Geschichte kennt noch rund zwei Handvoll weiterer Anschläge auf US-Präsidenten, bei denen die Täter aus unterschiedlichen Gründen scheiterten. Beim allerersten Präsidenten-Attentat 1835 soll das feuchte Wetter Schuld gewesen, das Andrew Jackson unverletzt blieb. Die Pistolen seines Attentäters zündeten nicht, angeblich habe Jackson ihn daraufhin mit seinem Spezialstock verprügelt.

140 Jahre später wurde Gerald Ford gleich mehrfach zu Zielscheibe von Attentäterinnen. In Sacramento versuchte es die Charles Manson-Anhängerin Lynette Fromme, doch die Kammer der Waffe war leer. Keine drei Wochen später in San Francisco versuchte es Sara Jane Moore, ehemalige US-Soldatin. Ihr Schuss verfehlt Ford, weil der US-Veteran Oliver Sipple sie überwältigte. Sie wurde 2009 aus dem Gefängnis entlassen.

Häufig begegneten sich Attentäter und Präsident jedoch gar nicht. 1994, 2001 und 2012 wurde vor allem das Weiße Haus im wortwörtlichen Sinn beschädigt: 1994 zur Zeit Bill Clintons, flog ein Attentäter zunächst eine Cessna in das Gebäude, später gab es Schüsse durch einen anderen Attentäter. Auch unter George Bush Jr. 2001 und Barack Obama 2011 wurde auf das Weiße Hause gefeuert, jeweils in der Hoffnung, den Präsidenten zu treffen.

 

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