Osnabrück Fußball-EM: Deutschland ist nicht perfekt - und gerade deshalb ein guter Gastgeber
Fußballfans wurden in den vergangenen Jahren nicht verwöhnt: Die WM 2018 in Russland, dann eine Corona-EM 2021 und die WM 2022 in Katar waren für Fans alles andere als Highlights. Denn alles steht und fällt mit dem Gastgeber - und Deutschland war für die EM in diesem Jahr ein guter, trotz so manchem Fehler.
Die Erwartungen an Deutschland als Gastgeber der Fußball-EM waren hoch. Das lag zum einen am - vor allem im Ausland vorherrschenden - Klischee des so perfekt organisierten Landes im Herzen von Europa. Zum anderen an der Erinnerung an die WM 2006, als fantastisches Wetter und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein Sommermärchen produzierten, das nicht nur hierzulande als solches wahrgenommen wurde.
Zu Beginn war deshalb auch die Enttäuschung groß. Das lag weniger am Sport selbst: Die DFB-Elf startete stark und entfachte eine Euphorie. Die Gruppenphase insgesamt war herausragend anzusehen, spannend, torreich und hochklassig. Die Gäste aus dem europäischen Ausland zogen vielmehr über Deutschland an sich her: Über eine schlechte Organisation, eine katastrophale Infrastruktur und daraus resultierend große Probleme in Sachen Verkehr. Was ist bloß aus diesem Land geworden, das sonst wie ein Uhrwerk zu funktionieren schien?
Nun, Deutschland hat unbestritten seine Probleme - und die sind zu Beginn des Turniers auch offen zutage getreten. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass nicht Deutschland diese EM organisiert, sondern die UEFA, die es mit all ihren Regularien, Sonderwünschen und Einschränkungen so sehr übertreibt, dass ein völlig reibungsloser Turnierablauf, gerade in so einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland, quasi unmöglich ist. Dennoch ging auch die Idee des Verbandes, voll auf das nachhaltige Reisen per Zug zu setzen, mit einzelnen Ausnahmen gut auf.
Denn während dieser vier Wochen gab es eine steile Lernkurve: Mit jedem Turniertag liefen die Dinge besser zusammen. Vom Verkehrschaos der Gruppenphase ist inzwischen keine Rede mehr. Ausschreitungen und Gewalt waren ohnehin kaum ein Thema. Es war ein sicheres, friedliches Turnier - mit zwei großen Makeln: Rechte Tendenzen in diversen Fankurven, etwa bei Ungarn, Österreich oder der Türkei, und der Wolfsgruß des türkischen Spielers Merih Demiral.
Was bleibt also von diesem Turnier? Hoffentlich ist es für die Verbände die Erkenntnis, dass Fußballturniere in Länder gehören, in denen eine echte Fußballkultur existiert. Schotten, die älteren Menschen die Regenschirme halten, Verbrüderungen zwischen Italienern und Albanern, deutsche Fanmärsche oder holländische Partys in Hamburg und Berlin: Es sind Szenen, die hängenbleiben - und 2018 in Russland oder 2022 in Katar völlig undenkbar waren, weil dort eben alles gekünstelt und politisch gelenkt wirkt.
Deutschland hat dagegen etwas Echtes. Dazu gehört so mancher Fehler. Über die kann man sich ärgern und die Probleme dann lösen. Das ändert aber nichts daran, dass dieses Land ein guter Gastgeber ist, in dem sich jeder wohlfühlen kann. Vielleicht trägt dieses Turnier dazu bei, dass sich diese Erkenntnis auch bei den Deutschen wieder mehr durchsetzt.