Infrastruktur in Ostfriesland Trotz Verkehrswende hat Minister „keinen Zweifel“ am Bau der B 210 n
Für Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) ist die B 210 n im Kreis Aurich ein Lückenschluss in der Ost-West-Verbindung Deutschlands – und als solcher „elementar“.
Aurich - Die „Verkehrswende“ hat sich die SPD auf die Fahnen geschrieben. Vor allem der Schienenverkehr soll dabei ausgebaut werden. Weg vom klimaschädlichen Individualverkehr, hin zu umweltfreundlichen Alternativen, ist das Motto. Aber auch vor diesem Hintergrund wollen die Sozialdemokraten an beschlossenen Straßenbauprojekten festhalten. Dazu gehört die Bundesstraße 210 n mit der Ortsumgehung Aurich und der Autobahnzubringer nach Riepe. „Es gibt überhaupt keinen Zweifel an der Realisierung der B 210 n“, betonte der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) im Gespräch mit den ON. „Für uns hat die B 210 n hohe Priorität.“
Zusammenhang mit der „Küstenautobahn“
Für den Minister steht der Neubau im Landkreis Aurich in direktem Zusammenhang mit der geplanten sogenannten Küstenautobahn A20/A26. Gemeinsam mit dieser bilde die B 210 n einen Lückenschluss für eine Ost-West-Verbindung Deutschlands – von der niederländischen bis zur polnischen Grenze, so der Minister gegenüber den ON. Die neue Bundesstraße sei damit nicht nur Teil einer lokalen oder regionalen Infrastruktur. In dieser Rolle sei eine Realisierung der B 210 n „elementar“.
Die Verkehrswende beinhalte ausdrücklich auch den Neubau von Straßen, so Lies. „Nur mit einer gut ausgebauten Infrastruktur schaffen wir es, Wachstum und Wohlstand in diesem Land zu halten.“ Ohne diese gebe es zudem keine Akzeptanz in der Gesellschaft für den Klimaschutz.
Geplant wird seit mehr als drei Jahrzehnten
Die B 210 n wird im „Bundesverkehrswegeplan 2030“ gelistet und dort als „vordringlicher Bedarf“ bewertet. Soll heißen: Der Bund hält den Bau für besonders wichtig – auch, wenn sich die Grünen als Regierungspartei gegen den Bau ausgesprochen haben. Auch die meisten hiesigen Fraktionen sind für die Straße. Nur Grüne und Linke haben sich dagegen ausgesprochen.
Die Idee für den Neubau ist gut 40 Jahre alt. Konkret wurde das Vorhaben 1992, also vor mehr als drei Jahrzehnten. Der erste Spatenstich ist dennoch nicht in Sicht. Darauf angesprochen, sagte Lies: „Große Infrastrukturprojekte dauern in Deutschland relativ lange. Das ärgert uns alle. Da ist die B 210 n leider keine Ausnahme.“ Es handele sich um aufwendige Verfahren. „Das hängt damit zusammen, dass wir in ganz neue Räume damit gehen, wo wir natürlich langwierige und auch notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung und technische Untersuchungen, Genehmigungen und Planungen machen müssen. Das ist alles nicht ohne.“
263 Millionen Euro für 33,6 Kilometer
Das Projekt wird von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit Sitz in Aurich geplant. Die letzte Baukostenschätzung stammt aus dem Jahr 2020. Da beliefen sich die Gesamtkosten der 33,6 Kilometer langen Strecke auf 263 Millionen Euro. 117 Millionen waren für die Ortsumfahrung Aurichs vorgesehen, 114 Millionen für den Autobahnzubringer und 32 Millionen für den Abzweig nach Georgsheil.
Für den Bau setzt sich der Verein „Pro B 210 n“ mit 229 Mitgliedern ein. Dazu gehören 153 Privatpersonen, 61 Unternehmen und 15 Gebietskörperschaften. Vorsitzender ist Hinrich Tjaden. Den Bau verhindern will die Bürgerinitiative Bilanz, die sich unter anderem aus Anwohnern und Betroffenen der geplanten Trasse sowie Umwelt- und Naturschützern zusammensetzt. Vorsitzender ist Joachim Böttcher.
Hinweise auf seltene Wiesenvögel
Zuletzt wies die „Bilanz“ auf mögliche Probleme bei der Umsetzung des Projekts hin: eine deutliche Steigerung der Baukosten und das Vorkommen seltener Wiesenvögel. Laut der Landesbehörde wird die Schätzung derzeit aktualisiert. Hinweise auf den Triel, Regenbrachvogel, Seeadler und Löffler, die unter anderem von der Bürgerinitiative vorgebracht wurden, seien der Behörde bekannt und würden bei der weiteren Planung berücksichtigt, so die Behörde auf Nachfrage der ON im Mai.