Umstrukturierung im Norder RGZ Trägergesellschaft schweigt zur Entlassung der leitenden Ärztin
Offenbar steht erneut ein Führungswechsel im RGZ Norden an. Die Trägergesellschaft bestätigte zwar Umstrukturierungen, blieb aber unkonkret. Gleichzeitig lobte sie die Auslastung des RGZ.
Norden - Nach nur einem halben Jahr ist nach Informationen dieser Zeitung die Leiterin des Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) in Norden, Dr. Nicole Gerlach, entlassen worden. Mehrere Anfragen dazu bei der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden wurden nur ausweichend beantwortet. Die Trägergesellschaft bestätigte allerdings „Umstrukturierungsprozesse“. Erst wenn diese abgeschlossen seien, könne eine Pressemitteilung, „die sich auf die künftige Leitungsstruktur im RGZ bezieht“, veröffentlicht werden, heißt es.
Die Trägergesellschaft ging demnach davon aus, dass die Verhandlungen in der vergangenen Woche abgeschlossen werden. „Auf arbeitnehmerseitigen Wunsch setzen sich die Verhandlungen allerdings noch fort“, teilte die Trägergesellschaft mit. Statt einer klaren Antwort warnte die Trägergesellschaft vor einer Veröffentlichung, bevor eine endgültige Entscheidungsfindung im Haus stattgefunden habe, da diese zu Verwirrung und Verunsicherung führen könne. Darüber hinaus wies die Trägergesellschaft darauf hin, dass sich die strukturellen Maßnahmen im Hintergrund nicht auf die Leistungserbringung des RGZ auswirke.
Trägergesellschaft lobt steigende Auslastung
In diesem Zusammenhang spricht die Trägergesellschaft in einer Pressemitteilung von einer steigenden Auslastung und einem erfolgreichen Start des Programms „Statamed“ im RGZ. Projektleiterin von Statamed war übrigens auch Dr. Nicole Gerlach. Von der offenbar anstehenden Umstrukturierung steht auch in dieser Pressemitteilung kein Wort. Stattdessen teilte der Transformationsbeauftragte des RGZ Norden, Dr. Hans-Joachim Winterling, mit: „Das Regionale Gesundheitszentrum (RGZ) in Norden verzeichnet eine steigende Auslastung und erfreut sich zunehmender Akzeptanz und Unterstützung durch die niedergelassenen Ärzte der Region.“ Der gute Start des neuen Programms Statamed trage maßgeblich zu dieser positiven Entwicklung bei.
Seit der jüngsten Informationsveranstaltung der Stadt Norden, an der laut Stadtverwaltung elf niedergelassene Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen und vier Ärzte des RGZ teilgenommen haben, habe das Interesse und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter den Ärzten deutlich zugenommen. „Bei der Veranstaltung konnten sehr viele Fragen über das Leistungsspektrum geklärt und den Teilnehmern die Räumlichkeiten des RGZ gezeigt werden“, berichtete Winterling. Weil aufgrund der Urlaubszeit viele niedergelassene Ärzte abwesend gewesen seien, werde im August eine weitere Veranstaltung angeboten. Für Bürger werde es darüber hinaus im September einen „Tag der offenen Tür“ geben, kündigte Winterling an.
Norder Verwaltung will keine Kritik mehr am RGZ
Das ist auch auf Anraten der Stadt Norden hin geschehen, wie Bürgermeister Florian Eiben jüngst mitteilte. In der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien hatte es sowohl in der Politik als auch in der Verwaltung einen spürbaren Umschwung bezüglich des Norder RGZ gegeben. War bisher vor allem Kritik am fehlenden Angebot der geschlossenen Klinik thematisiert worden, schien die Stimmung nun komplett gewandelt.
Bürgermeister Florian Eiben wandte sich mit deutlichen Worten an die Fraktionen und die Bürger. Er warb dafür, die Entscheidung zur Umwandlung des Krankenhauses hin zum RGZ zu akzeptieren und „das Beste aus der Situation“ zu machen, statt es weiter zu bekämpfen. „Wir sehen das als Chance. Und ich finde, wir sollten, auch wenn das schwierig ist, die Diskussion um die Schließung des alten Krankenhauses in der Stadt Norden mal beenden und in die Zukunft schauen“, so Eiben. Er appellierte an die Bürger, das Angebot im RGZ stark zu nutzen und auch selber in Anspruch zu nehmen, „dann haben wir auch lange die Garantie dafür, dass es lange erhalten bleibt“.
SPD-Fraktion will keine negativen Berichte mehr
Ins gleiche Horn blies die SPD-Fraktion. Theo Wimberg (SPD) sieht das RGZ sogar als „einmalige Chance in Norden“. Eigentlich solle das RGZ nur für eine Übergangszeit bis zur Inbetriebnahme der Zentralklinik bleiben. „Wenn wir das aber ausweiten in Richtung Statamed und auch RVZ, haben wir ein Leuchtturmprojekt. Das wird es in Emden und Aurich nicht geben“, sagte Theo Wimberg (SPD). Die SPD-Fraktionsvorsitzende Dorothea van Gerpen gab der Presse sogar den Rat mit auf den Weg, die kritische Berichterstattung einzustellen. „Wir sollten nicht nur versuchen, das Negative oder das Haar in der Suppe finden zu wollen“, so van Gerpen. Ähnlich äußerte sich Jürgen Heckrodt (FDP): „Die Hetze von einigen Gruppen in Norden tut der Sache nicht gut“, meinte er. Aber auch die „extrem schlechte Kommunikation des Landkreises“ habe Misstrauen geschaffen.
Das Angebot des Regionalen Gesundheitszentrums
Das RGZ bietet laut Trägergesellschaft eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten, einschließlich Röntgen, CT und Ultraschall. In der Notfallambulanz können montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 Uhr bis 17:30 Uhr sowohl chirurgische als auch internistische Patienten behandelt werden. Die Station im RGZ verfügt über 25 Betten. Dort werden Kurzlieger sowie Patienten aus den Bereichen Palliativ- und Schmerzmedizin behandelt. Eine Einweisung in das RGZ ist für alle Patienten möglich, deren Erkrankung keine intensivmedizinische oder spezialisierte Behandlung, etwa bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen, erforderlich macht. Die Möglichkeit für niedergelassene Ärzte, an Statamed teilzunehmen, richtet sich nach Clustern, beginnend mit der Stadt Norden. Diese Vorgehensweise ist notwendig, weil es sich um ein Forschungsprojekt handelt und für die Forschungspartner, in diesem Fall das RGZ, die Verpflichtung besteht, die Vorgaben einzuhalten. Das Statamed-Team besucht derzeit alle Praxen und Pflegeeinrichtungen sowie -dienste in der Umgebung, um zu informieren.