Hannover Ausländerfeindliche Parolen zu Partysong „L’amour toujours“: Mehrere Fälle an Schulen
Junge Menschen grölen an Pfingsten auf Sylt zum Partysong „L’amour toujours“ von Gigi D‘Agostino scheinbar völlig ungeniert und ausgelassen „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“. Auch an Schulen in Niedersachsen und in anderen Bundesländern gab es solche Fälle, wie eine Abfrage unserer Redaktion zeigt.
Lehrer in Niedersachsen und weiteren Bundesländern sehen sich damit konfrontiert, dass an ihren Schulen in jüngster Zeit immer wieder ausländerfeindliche Parolen zum Partyhit „L‘amour toujours“ gesungen wurden. Das hat eine Länder-Abfrage unserer Redaktion ergeben.
In Niedersachsen seien Fälle bekannt, „in denen Schülerinnen oder Schüler sich über den genannten ausländerfeindlichen Gesang öffentlich verfassungsfeindlich verhalten haben“, heißt es aus dem Kultusministerium. Die Taten hätten sich sowohl in als auch in der Umgebung von Schulen ereignet. In einigen Fällen sind laut Ministerium Mitschüler eingeschritten, haben Lehrkräfte informiert und versucht, den ausländerfeindlichen Gesang zu unterbinden.
„Auch wenn es bisher nur wenige Fälle sind, so ist doch jeder Fall einer zu viel“, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Schulleitungen, Lehrkräften und weiteren Mitarbeitern sei es ein wichtiges Anliegen, allen Schülern klarzumachen, dass es kein Spaß sei, rassistische und menschenfeindliche Parolen zu skandieren.
„Wir fahren hier eine absolute Null-Toleranz-Politik und lassen weder den Wunsch nach Provokation, noch den Konsum von Alkohol oder enthemmende Veranstaltungen als Ausrede gelten“, fügte die Sprecherin hinzu. Ziel sei es, „einem radikalen und menschenverachtenden Klima“ an Niedersachsens Schulen deutlich Einhalt zu gebieten.
In ähnlicher Weise äußerte sich Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien. „Allen Schülerinnen und Schülern muss klar sein, dass es kein Scherz ist, solche Parolen zu singen. Jugendlicher Überschwang oder auch Alkohol sind keine Rechtfertigung für ausländerfeindliche Gesänge“, sagte die CDU-Politikerin unserer Redaktion und fügte hinzu: „Jugendliche haben schon immer bewusst gesellschaftliche Tabus gebrochen. Es ist daher eine Aufgabe für uns alle, mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen, um ihnen zu verdeutlichen, welche Tragweite solche Gesänge haben.“
Einzelne Vorfälle sind dem Ministerium in Schleswig-Holstein den Worten eines Sprechers zufolge nicht bekannt. Schulen behandelten solche Vorkommnisse in eigener Zuständigkeit und sanktionierten gemäß Schulgesetz. Ähnliches war aus Nordrhein-Westfalen zu hören: „Das Schulministerium erhebt keine systematischen Daten über extremistische Vorfälle an Schulen“, hieß es.
Konkrete Fälle im Zusammenhang mit ausländerfeindlichem Gesang zur Melodie von „L‘amour toujours“ meldeten neben Niedersachsen indes die Bildungsbehörden aus Sachsen-Anhalt, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern.
„Auch von hessischen Schulen wurden in den letzten Wochen Vorfälle gemeldet, bei denen das Lied L‘amour toujours ausländerfeindlich beziehungsweise rechtsextrem gesungen wurde“, hieß es aus der Behörde von Kultusminister Armin Schwarz.
Der CDU-Politiker erklärte dazu gegenüber unserer Redaktion: „Demokratie und ihre Werte müssen verteidigt, antidemokratische Haltungen und Menschenfeindlichkeit wie beim Antisemitismus entgegengewirkt werden.“
Schulen hätten an dieser Stelle einen maßgeblichen Bildungs- und Erziehungsauftrag. „Lehrerinnen und Lehrern kommt in unserer Demokratie eine Schlüsselfunktion zu: Neben der Vermittlung von Fachwissen und Kompetenzen haben sie die Chance, Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu unterstützen. Die gegenwärtige Lage in unserem Land zeigt, dass wir uns dafür noch stärker einsetzen müssen“, mahnte der Minister.
Sachsen-Anhalt verwies auf einen Fall aus einer Förderschule in Landsberg bei Halle. „Dort sang ein Schüler das besagte Lied nebst ausländerfeindlichem Text auf dem Schulflur. Erziehungsberechtigte, Jugendamt und Polizei wurden involviert“, erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums.
Dem Ministerium für Bildung in Mecklenburg-Vorpommern seien ebenfalls „Vorfälle im Zusammenhang mit dem Lied L‘amour toujours“ bekannt, hieß es.