Aurich  Das Große Meer für Kinder, Senioren und Familien im Test: Insider-Tipps und Preise

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 07.07.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Sarah-Lee Fischer und Levin Busch nutzen die ersten warmen Tage, um ihren Stellplatz auf dem Campingplatz am Großen Meer auf Vordermann zu bringen. Foto: Sophie Wehmeyer
Sarah-Lee Fischer und Levin Busch nutzen die ersten warmen Tage, um ihren Stellplatz auf dem Campingplatz am Großen Meer auf Vordermann zu bringen. Foto: Sophie Wehmeyer
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Ist das Große Meer der schönste Urlaubsort für Kinder, Familien und Senioren im Norden? Wir testen. Sie entscheiden, wo man im Norden am besten Urlaub machen kann. Wer abstimmt, kann tolle Preise gewinnen.

Im Rahmen unseres großen Sommerspezials „Urlaub mal anders“ suchen wir den schönsten Urlaubsort im Norden. Unsere Reporter stellen zehn Urlaubsorte vor. Los geht es heute mit dem Großen Meer in Ostfriesland. Unter den Teilnehmern verlosen wir tolle Reisen. Drei glückliche Gewinner dürfen sich über eine Reise für zwei Personen im Wert von bis zu 1200 Euro freuen. Die Auswahl und Buchung erfolgt über noz Reisen, sh:z Reisen oder dk Reisen. Alle Informationen zum Gewinnspiel finden Sie hier.

Die Sonne glitzert auf dem Wasser, kleine Wellen schwappen an den Rand des Stegs und in weiter Ferne ziehen bunte Segelboote ihre Kreise über das Große Meer. „Ich lebe hier im Paradies“, sagt Surflehrer Jens Radde, der gedankenverloren auf den See hinaus blickt.

Seit 36 Jahren lebt der 61-Jährige nun schon im Südbrookmerland als Besitzer der Surf- und Segelschule Großes Meer. „Als ich 1988 hier ankam, dachte ich mir: Was ist das denn? Ich hätte mir niemals vorstellen können, hier zu bleiben.“ Es war das erste Mal, dass Radde ein Binnengewässer sah – vorher war er oft mit einem großen Segelschiff auf dem Meer unterwegs.

Mit der Zeit hat Radde das Große Meer, Ostfrieslands größten Binnensee, aber lieben gelernt: „Jetzt finde ich, das ist das beste Gewässer, was es gibt. Ich will hier nicht mehr weg.“ Es sind die Lebensart der Ostfriesen, der Job und die Natur, die Radde zum Bleiben veranlasst haben. „Ich gehe nicht arbeiten – das ist einfach mein Leben“, sagt Radde.

Das Alleinstellungsmerkmal des Großen Meers im Vergleich zu anderen Gewässern, sieht Radde in der Tiefe des rund drei Quadratkilometer großen Sees, der am Rande der ostfriesischen Geest zwischen Emden und Aurich liegt. „An der tiefsten Stelle ist er etwa 1,20 Meter tief. Das ist perfekt für Wassersport-Anfänger.“

Doch auch die Ruhe und die teils unberührte Natur in den umliegenden Naturschutzgebieten schätzt der Surflehrer. Der südliche Teil des Sees ist als reines Naturschutzgebiet ausgewiesen und darf nicht befahren werden. Der Nordteil hingegen gilt als Freizeit- und Erholungsgebiet, doch auch hier sind Motorboote untersagt. Lediglich in den Kanälen, die den See umgeben und die umliegenden Siedlungen durchziehen, sind langsam fahrende Motorboote erlaubt.

Einen Sandstrand, der vor allem Familien mit Kindern anlockt, hat das Große Meer auch zu bieten, aber Tipp des Fachmanns ist der 3-Meere-Weg: eine 15 Kilometer lange Rundtour um das Große Meer, das Kleine Meer und das Loppersummer Meer. Entlang der Strecke bieten mehrere Aussichtsplattformen einen einzigartigen Blick auf die ostfriesische Landschaft. Höhepunkte der Strecke sind die „Pünten“, Kurbelfähren, auf denen sich die Radfahrer und Wanderer selbst über das Wasser kurbeln müssen.

Neben den Pünten verbirgt sich noch ein weiterer Geheimtipp auf der Route, wie die jungen Dauercamper Levin Busch und Sarah-Lee Fischer verraten. „Am Kleinen Meer kann man viel besser schwimmen gehen, da ist es an der tiefsten Stelle bis zu 24 Meter tief“, erklärt Busch. „Und rundherum gibt es kleine, versteckte Buchten“, ergänzt Fischer.

Levin Busch kennt das Große Meer in- und auswendig, da seine Familie bereits in der vierten Generation Dauerstellplätze auf dem Campingplatz hat. Deshalb weiß er auch von einem weiteren unbekannten Ort, den Feriengäste auf keiner vorgezeichneten Wanderroute finden. Westlich des Campingplatzes führt ein zugewachsener Weg entlang der Kanäle zu der alten Wasserschöpfmühle Agnes, die 1988 erbaut wurde.

Neben Faulenzen am Sandstrand hat das Große Meer viele sportliche Freizeitbeschäftigungen zu bieten. Einsteiger können sich Stand-Up-Paddling-Boards, Kajaks, Kanadier und Tretboote mieten, fortgeschrittene Wassersportler segeln oder windsurfen.

Wer trockenen Fußes Sport treiben will, kann sich dort ein Fahrrad oder E-Bike leihen. Preise können auf der Homepage der Touristinformation Südbrookmerland eingesehen werden.

Die Möglichkeiten in der Umgebung shoppen oder abends auszugehen, sind im Südbrookmerland begrenzt, aber die nächstgrößeren Städte Emden und Aurich sind in 30 Minuten mit dem Auto zu erreichen.

In der Saison bietet das Touristikzentrum außerdem jeden Dienstag ab 18 Uhr einen „Sundowner“ an. „Dann gibt es Cocktails und Bratwürstchen mit Live-Musik an der Paddel- und Pedalstation“, sagt Simon Willms, Geschäftsführer der Südbrookmerland Touristikinformation.

Für Familien hat das Große Meer einiges zu bieten, wissen Martin und Maike Busch, die wie ihr Cousin Levin einen Dauerstellplatz am Großen Meer haben. Mit ihren drei Kindern suchen sie vor Ort regelmäßig nach geeignetem Kinderprogramm.

Die älteste Tochter (4) liebt vor allem das Muschelsammeln am Strand. „Als Eltern muss man hier keine großen Bedenken haben, weil der See sehr flach ist“, sagt Maike Busch. Das hat auch noch einen anderen Vorteil, weiß die 32-Jährige: „Das Große Meer ist so flach, dass es im Winter schneller zufriert als andere Seen.“ Dann könne man mit Schlittschuhen auf den See. In der Nähe des Campingplatzes gibt es außerdem mehrere große Spielplätze.

An der Nordsee, die nur etwa 30 Minuten mit dem Auto entfernt liegt, gibt es in der Stadt Norden eine Seehundstation und knapp 20 Minuten entfernt in Rechtsupweg liegt der Streichelzoo Birgits Tiergarten. In den umliegenden Dörfern bieten zwei Museen Einblicke in die Vergangenheit: Das Dörpmuseum Münkeboe zeigt das Dorfleben, wie es früher aussah, und im Moormuseum Moordorf können die Gäste eine ehemalige Moorkolonie besichtigen.

Wer einen Abstecher zum Großen Meer machen möchte, reist am besten mit dem Auto an. Lediglich ab Emden fährt ein Linienbus in Richtung Aurich, der Besucher in 30 Minuten für 5 Euro pro Strecke in die Nähe des Großen Meers bringt. Vor Ort bestehen Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, wie das Bistro am Meer neben der Touristikinformation. Der nächste größere Supermarkt liegt zehn Kilometer entfernt in der Gemeinde Südbrookmerland.

Restaurants gibt es hingegen direkt am See, wie das Landhaus Großes Meer, in dem ein Fischgericht etwa 20 Euro kostet, oder die Pizzeria Al-Mare, in der eine Pizza etwa 11 Euro kostet. Ein Geheimtipp von Willms ist außerdem das Bootshaus, das direkt vom Wasser aus mit den Booten erreichbar ist.

Wer gerne mehr als einen Tag am Großen Meer verbringen möchte, kann sich sowohl ein Zimmer für etwa 50 bis 100 Euro die Nacht mieten, oder eine gesamte Ferienwohnung, die bei 100 Euro bis 500 Euro liegt. Ein Zelt für zwei erwachsene Personen kostet auf dem Campingplatz 15 Euro die Nacht und ein Wohnmobil liegt bei 29 Euro.

Auch Senioren kommen am Großen Meer auf ihre Kosten. Vom Parkplatz des Campingplatzes aus gibt es überwiegend ebene, gepflasterte Wege, sodass sowohl Rollstuhlfahrer als auch Personen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, einen Blick auf den See werfen können. Das Landhaus Großes Meer liegt etwa 200 Meter vom Parkplatz entfernt und bietet eine Terrasse mit Blick auf das Große Meer. Der 3-Meere-Weg ist ebenfalls überwiegend flach und eignet sich für Spaziergänge.

Das Große Meer bietet eine idyllische und familienfreundliche Alternative zu den überfüllten Stränden der Nordseeküste. Das flache Gewässer eignet sich ideal für Wassersportler und sorgt auch bei Familien mit kleineren Kindern für unbeschwerte Badefreude. Aktivitäten wie Windsurfen, Segeln und Stand-Up-Paddling sowie Radrouten durch die ostfriesische Landschaft machen das Große Meer zu einem vielseitigen Urlaubsziel. Die Nähe zu den Städten Emden und Aurich sowie der Nordsee rundet das Angebot ab. Wer auf der Suche nach mehr Trubel, Party und Ausgehmöglichkeiten ist, ist hier jedoch falsch.

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