Auricher Geschichten Zwischen Bier und Bratwurst schnell einen Schlenderschluck
Auf dem Stadtfest 1983 gab es einige „Bierstandprobleme“, die zu Veränderungen führten. Doch wie verlief das Fest 1984 und welche kuriosen Begebenheiten ereigneten sich?
Aurich - Der Begriff der „Bierstandprobleme“ machte mit Blick auf das Stadtfest 1983 die Runde. In den ON mahnte Heinz-Werner Theesfeld, die Bier- und Schnapsinseln zu reduzieren. „Diesmal waren es mehr als je zuvor. Einige haben 35 Anlaufstationen dieser Art gezählt, andere fast 50!", konstatierte der damalige stellvertretende Chefredakteur in seinem Nachbericht. Seine Worte fanden Gehör, denn für die Neuauflage 1984 schrieben sich die Chef-Organisatoren Theodor Koll (Stadt Aurich) und Wolfgang Dieks (Verkehrsverein) auf die Fahnen, das Getränkeangebot deutlich zu reduzieren.
„Natürlich ging das Spektakel nicht trocken über die Bühne. Trotz aller Reduzierung gab es Bier und Schnaps satt, aber nicht mehr so aufdringlich wie in den früheren Jahren“, bilanzierte Jörg E. Fröhner am 9. Juli 1984 in seinem ON-Nachbericht. „Wer es unbedingt wollte, konnte auf seine Kosten kommen. Unter dem Strich: Das Familienfest wurde nicht zu einem Sauffest.“
@ostfriesischenachrichten Beim Auricher Stadtfest im Jahr 1984 machte der Begriff „Schlenderschluck“ die Runde. Was damit gemeint war, erklärt euch ON-Verlagsleiter Udo Hippen. #Throwback #Stadtgeschichte #Stadtfest ♬ Originalton - ONsnacks
Mit spezieller Speisereihenfolge durch das Stadtfest 1984
Dennoch gab der damalige ON-Redakteur zu: Verhungern war nicht möglich. „An allen Ecken und Enden ließen ostfriesische Spezialitäten und Leckereien der in Aurich heimisch gewordenen ausländischen Köche das Wasser im Munde zusammenlaufen“, beschrieb Fröhner seine Eindrücke und stellte eine potenzielle Speisereihenfolge auf, die nicht selten gewesen sein soll: Berliner am Vormittag, Bratwurst gegen Mittag, zwischendurch ein Aal – ein Verdauungsschnäpschen – in der Nacht ein Tellerchen Gyros – Schlenderschluck – und zwischendurch das eine oder andere Bier. Klingt nach einem Plan.
Tatsächlich sprach dies 1984er Stadtfestmenü nicht gegen das von den Organisatoren erstellte Motto, das Bürgermeister Werner Stöhr (SPD) während seiner Eröffnungsrede noch einmal betonte: „Zeit haben – miteinander reden – zuhören.“ Das Stadtoberhaupt formulierte darüber hinaus einen Wunsch: „Erleben sie unsere kleine, liebenswerte Stadt als Kulisse für vielfältige Zusammentreffen mit Leuten, die man lange nicht mehr gesehen hat, oder mit denen zu reden man in der Hektik des Alltags oft keine Zeit hat.“
Anders als bei den Stadtfesten in den 2000ern wurde in den 1980er-Jahren das Programm in der Hauptsache von Auricher Vereinen und Verbänden bestritten. „Ihre Darbietungen spiegelten das vielschichtige kulturelle Bild dieser Stadt wider und stellten unter Beweis, dass Unterhaltung nicht teuer eingekauft werden muss. Originalität war Trumpf – bis zum frühen Sonntagmorgen“, bilanzierte der ON-Redakteur und ergänzte: „Die für eine Anerkennungsgebühr verpflichteten Gruppen boten ein schillerndes Programm, das zum Mitmachen anregte.“
Die ON stellen ihren Nachbericht über das Stadtfest vor 40 Jahren unter die Schlagzeile „Ein Tag voller Jubel, Trubel und Heiterkeit“ und schrieben, dass man gerade mit den heimischen Gruppen großartig feiern konnte. „Es waren Mitglieder aus über 52 Vereinen und Verbänden, die die Stadt und ihre Bürger vorzüglich unterhielten. Misstöne waren kaum zu vernehmen.“ Dennoch fand der damalige Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins, Johann Schmidt, das sogenannte „Haar in der Suppe“. Ihm missfiel, dass zur offiziellen Eröffnung die Mitglieder des Stadtrats nur sehr schwach vertreten waren.
Kurioses gab es dagegen von der als Nachschau angesetzten Pressekonferenz zu berichten, die dank des guten Wetters am Sonntag um 9.30 Uhr vor der Marktschänke von Wirt Heinz Trost abgehalten wurde. Während die Veranstalter mit den Pressevertretern gemeinsam bei Tee und Kaffee am Tisch saßen, schlenderte Hein Buß, Chef des legendären Auricher Shantychores vorbei. Sein wohlgemeinter Rat damals: „Ihr müsst nun langsam gehen, das Stadtfest ist vorbei.“
Auricher Stadtfest-Historie
Die Entstehung des Auricher Stadtfestes geht zurück in das Jahr 1975 und hat mit den heutigen Festen – außer der Bezeichnung – nichts mehr gemein. Als im Spätsommer 1975 der erste Bauabschnitt der Auricher Fußgängerzone fertiggestellt wurde, beschloss man seitens des Auricher Verkehrsvereins, eine große Feier auszurichten. Es handelte sich um die 200. Fußgängerzone in Deutschland und so organisierte der damals junge Verkehrsverein um Geschäftsführer Heinz Rudkowski und den Vorsitzenden Hilmar Dunkmann dieses Fest. Ein Fest „von Aurichern für Auricher“ lautete das Motto der ersten Stadtfeste, die nur am Sonnabend stattfanden und einem Innenstadt-Markt glichen.