Auricher Geschichten  Zwischen Bier und Bratwurst schnell einen Schlenderschluck

Udo Hippen
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Von Udo Hippen
| 05.07.2024 08:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Publikumsmagnet für die ganze Region: Das Stadtfest 1984 sorgte am Sonnabend, 7. Juli, für eine rappelvolle Innenstadt. Mehrere zehntausend Besucher pilgerten an einem Tag durch die Fußgängerzone und über den Marktplatz, um unter dem Motto „Zeit haben – miteinander reden – zuhören“ ein von Aurichern für Auricher organisiertes Bürgerfest zu feiern. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Publikumsmagnet für die ganze Region: Das Stadtfest 1984 sorgte am Sonnabend, 7. Juli, für eine rappelvolle Innenstadt. Mehrere zehntausend Besucher pilgerten an einem Tag durch die Fußgängerzone und über den Marktplatz, um unter dem Motto „Zeit haben – miteinander reden – zuhören“ ein von Aurichern für Auricher organisiertes Bürgerfest zu feiern. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
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Auf dem Stadtfest 1983 gab es einige „Bierstandprobleme“, die zu Veränderungen führten. Doch wie verlief das Fest 1984 und welche kuriosen Begebenheiten ereigneten sich?

Aurich - Der Begriff der „Bierstandprobleme“ machte mit Blick auf das Stadtfest 1983 die Runde. In den ON mahnte Heinz-Werner Theesfeld, die Bier- und Schnapsinseln zu reduzieren. „Diesmal waren es mehr als je zuvor. Einige haben 35 Anlaufstationen dieser Art gezählt, andere fast 50!", konstatierte der damalige stellvertretende Chefredakteur in seinem Nachbericht. Seine Worte fanden Gehör, denn für die Neuauflage 1984 schrieben sich die Chef-Organisatoren Theodor Koll (Stadt Aurich) und Wolfgang Dieks (Verkehrsverein) auf die Fahnen, das Getränkeangebot deutlich zu reduzieren.

Mit dem 1984 kultigen Stadtfesthut beim Rundgang: Der damalige Auricher Bürgermeister Werner Stöhr (links) und der inzwischen verstorbene Kaufmann Wolfgang Mönkemeier. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Mit dem 1984 kultigen Stadtfesthut beim Rundgang: Der damalige Auricher Bürgermeister Werner Stöhr (links) und der inzwischen verstorbene Kaufmann Wolfgang Mönkemeier. Foto: ON-Archiv/Theesfeld

„Natürlich ging das Spektakel nicht trocken über die Bühne. Trotz aller Reduzierung gab es Bier und Schnaps satt, aber nicht mehr so aufdringlich wie in den früheren Jahren“, bilanzierte Jörg E. Fröhner am 9. Juli 1984 in seinem ON-Nachbericht. „Wer es unbedingt wollte, konnte auf seine Kosten kommen. Unter dem Strich: Das Familienfest wurde nicht zu einem Sauffest.“

@ostfriesischenachrichten Beim Auricher Stadtfest im Jahr 1984 machte der Begriff „Schlenderschluck“ die Runde. Was damit gemeint war, erklärt euch ON-Verlagsleiter Udo Hippen. #Throwback #Stadtgeschichte #Stadtfest ♬ Originalton - ONsnacks

Mit spezieller Speisereihenfolge durch das Stadtfest 1984

Dennoch gab der damalige ON-Redakteur zu: Verhungern war nicht möglich. „An allen Ecken und Enden ließen ostfriesische Spezialitäten und Leckereien der in Aurich heimisch gewordenen ausländischen Köche das Wasser im Munde zusammenlaufen“, beschrieb Fröhner seine Eindrücke und stellte eine potenzielle Speisereihenfolge auf, die nicht selten gewesen sein soll: Berliner am Vormittag, Bratwurst gegen Mittag, zwischendurch ein Aal – ein Verdauungsschnäpschen – in der Nacht ein Tellerchen Gyros – Schlenderschluck – und zwischendurch das eine oder andere Bier. Klingt nach einem Plan.

Auricher Innenstadtgesichter im Stadtfestgespräch: Wirt Julius Lindner, Kaufmannschaftsvorsitzender Johann „Joki Ei“ Schmidt, Wirt Heinz Trost und Stadtrat Manfred Neitzel (von links). Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Auricher Innenstadtgesichter im Stadtfestgespräch: Wirt Julius Lindner, Kaufmannschaftsvorsitzender Johann „Joki Ei“ Schmidt, Wirt Heinz Trost und Stadtrat Manfred Neitzel (von links). Foto: ON-Archiv/Theesfeld

Tatsächlich sprach dies 1984er Stadtfestmenü nicht gegen das von den Organisatoren erstellte Motto, das Bürgermeister Werner Stöhr (SPD) während seiner Eröffnungsrede noch einmal betonte: „Zeit haben – miteinander reden – zuhören.“ Das Stadtoberhaupt formulierte darüber hinaus einen Wunsch: „Erleben sie unsere kleine, liebenswerte Stadt als Kulisse für vielfältige Zusammentreffen mit Leuten, die man lange nicht mehr gesehen hat, oder mit denen zu reden man in der Hektik des Alltags oft keine Zeit hat.“

Herzhaftes als Grundlage: Die Fleischerei von Lukas Backer war zum Stadtfest bekannt für seine deftigen Krustenbraten. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Herzhaftes als Grundlage: Die Fleischerei von Lukas Backer war zum Stadtfest bekannt für seine deftigen Krustenbraten. Foto: ON-Archiv/Theesfeld

Anders als bei den Stadtfesten in den 2000ern wurde in den 1980er-Jahren das Programm in der Hauptsache von Auricher Vereinen und Verbänden bestritten. „Ihre Darbietungen spiegelten das vielschichtige kulturelle Bild dieser Stadt wider und stellten unter Beweis, dass Unterhaltung nicht teuer eingekauft werden muss. Originalität war Trumpf – bis zum frühen Sonntagmorgen“, bilanzierte der ON-Redakteur und ergänzte: „Die für eine Anerkennungsgebühr verpflichteten Gruppen boten ein schillerndes Programm, das zum Mitmachen anregte.“

Typische Stadtfest-Szenerie der 1980er-Jahre: Während Marktschänken-Wirt Heinz Trost (links) die Erbsensuppe serviert, drängen sich die Besucher auf dem Marktplatz rund um die Bierpavillons. Die Bühne (rechts) ist eine Eigenkonstruktion des Bauhofes. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Typische Stadtfest-Szenerie der 1980er-Jahre: Während Marktschänken-Wirt Heinz Trost (links) die Erbsensuppe serviert, drängen sich die Besucher auf dem Marktplatz rund um die Bierpavillons. Die Bühne (rechts) ist eine Eigenkonstruktion des Bauhofes. Foto: ON-Archiv/Theesfeld

Die ON stellen ihren Nachbericht über das Stadtfest vor 40 Jahren unter die Schlagzeile „Ein Tag voller Jubel, Trubel und Heiterkeit“ und schrieben, dass man gerade mit den heimischen Gruppen großartig feiern konnte. „Es waren Mitglieder aus über 52 Vereinen und Verbänden, die die Stadt und ihre Bürger vorzüglich unterhielten. Misstöne waren kaum zu vernehmen.“ Dennoch fand der damalige Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins, Johann Schmidt, das sogenannte „Haar in der Suppe“. Ihm missfiel, dass zur offiziellen Eröffnung die Mitglieder des Stadtrats nur sehr schwach vertreten waren.

Unübertroffener Kult-Flohmarkt für Kinder: Zum Stadtfest gingen die Besucher auf dem Hohen Wall auf Schnäppchenjagd. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Unübertroffener Kult-Flohmarkt für Kinder: Zum Stadtfest gingen die Besucher auf dem Hohen Wall auf Schnäppchenjagd. Foto: ON-Archiv/Theesfeld

Kurioses gab es dagegen von der als Nachschau angesetzten Pressekonferenz zu berichten, die dank des guten Wetters am Sonntag um 9.30 Uhr vor der Marktschänke von Wirt Heinz Trost abgehalten wurde. Während die Veranstalter mit den Pressevertretern gemeinsam bei Tee und Kaffee am Tisch saßen, schlenderte Hein Buß, Chef des legendären Auricher Shantychores vorbei. Sein wohlgemeinter Rat damals: „Ihr müsst nun langsam gehen, das Stadtfest ist vorbei.“

Auricher Stadtfest-Historie

Die Entstehung des Auricher Stadtfestes geht zurück in das Jahr 1975 und hat mit den heutigen Festen – außer der Bezeichnung – nichts mehr gemein. Als im Spätsommer 1975 der erste Bauabschnitt der Auricher Fußgängerzone fertiggestellt wurde, beschloss man seitens des Auricher Verkehrsvereins, eine große Feier auszurichten.

Aus der Feder des Auricher Künstlers Karl Gramberg: Das offizielle Stadtfest-Plakat 1984 symbolisierte den Bürgerfest-Charakter. Foto: ON-Archiv/Theesfeld
Aus der Feder des Auricher Künstlers Karl Gramberg: Das offizielle Stadtfest-Plakat 1984 symbolisierte den Bürgerfest-Charakter. Foto: ON-Archiv/Theesfeld

Es handelte sich um die 200. Fußgängerzone in Deutschland und so organisierte der damals junge Verkehrsverein um Geschäftsführer Heinz Rudkowski und den Vorsitzenden Hilmar Dunkmann dieses Fest. Ein Fest „von Aurichern für Auricher“ lautete das Motto der ersten Stadtfeste, die nur am Sonnabend stattfanden und einem Innenstadt-Markt glichen.

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