Prozess in Aurich  Jahrelang wurde er drangsaliert – dann schlug er zurück

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 04.07.2024 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein junger Mann erhebt in der gestellten Szene die geballte Faust. Foto: DPA
Ein junger Mann erhebt in der gestellten Szene die geballte Faust. Foto: DPA
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Immer wieder wurde ein heute 19-Jähriger von einem Jugendlichen beleidigt, verprügelt. Eines Tages platzte ihm der Kragen. Zusammen mit Kumpels schlug er zurück. Nun standen sie in Aurich vor Gericht.

Aurich - Sie waren im Caro zufällig aufeinandergetroffen und aneinandergeraten: Vor dem Amtsgericht in Aurich mussten sich am Mittwoch drei junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie hatten auf einen alten Kontrahenten eingeschlagen, der dabei leicht verletzt worden war. Das Verfahren wurde unter Auflagen vorläufig eingestellt, die Angeklagten von Jugendrichter Simon Breuker verwarnt. Darüber hinaus muss der 19-jährige Initiator des Streits 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten sowie ein Beratungsgespräch zur Berufsorientierung absolvieren. Sein 18-jähriger Mitstreiter muss 500 Euro an einen gemeinnützigen Verein zahlen, ein 16-Jähriger kam mit 35 Sozialstunden davon.

Angeklagte geständig und voller Reue

Die jungen Männer hatten in der Verhandlung kleinlaut eingeräumt, im Januar dieses Jahres im Caro auf einen gleichaltrigen Widersacher getroffen zu sein, mit dem der 19-Jährige bereits seit gut zwei Jahren im Clinch liegt. Bei dessen Anblick sei es in ihm „direkt hochgekocht“, berichtete der Angeklagte. Seit Jahren sei er von dem Mann und seinen Kumpanen beleidigt und verprügelt worden, sobald man aufeinandergetroffen sei, nie habe er sich gewehrt. Monatelang habe er Angst gehabt, nach draußen zu gehen. An besagtem Tag habe er „Rache nehmen wollen“, nachdem sein altbekannter Gegner ihn „mit tödlichem Blick“ angesehen und seine Freunde angepöbelt habe. Ihm sei „der Kragen geplatzt“ und er habe mit der Faust zugeschlagen, den Kopf seines Kontrahenten jedoch verfehlt. Es sei zu einer Rangelei gekommen, bei der seine beiden Freunde ihm beigesprungen seien. Erklärtes, aber wohl verfehltes Ziel der Attacke sei es gewesen, den Dauerstreit ein für alle Mal zu beenden. Ein schlechter Weg, wie er reumütig eingestand.

Übereinstimmend lobten Staatsanwalt und Richter die Einsicht der Angeklagten. Es sei selten bei Menschen ihres Alters, dass sie für ihre Verfehlungen die Verantwortung übernähmen. Weil alle drei nicht vorbestraft sind, stellte Richter Breuker das Verfahren schließlich ein.

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