Energiewende in Aurich Wärmepumpe statt Gas – warum die Umrüstung nun teurer wird
Mit einer Wärmepumpe wird kein Gas benötigt. Viele Hausbesitzer rüsten daher ihre Heizung um, auch der Auricher Johann Damm. Doch nun nimmt die EWE Geld für die Stilllegung der Gasleitungen – warum?
Aurich - Zur Energiewende möchte der Auricher Johann Damm etwas beitragen. Aus diesem Grund hat er sich entschlossen, sein Haus mit einer Wärmepumpe auszurüsten. Den Gasanschluss des Oldenburger Energieversorgers EWE braucht er dann nicht mehr. Eine Stilllegung des Anschlusses ist auch möglich. Allerdings stellt der Netzbetreiber dafür Kosten in Höhe von knapp 1000 Euro in Rechnung. „Ich hab das Gefühl, dass der Versorger künftige Ex-Kunden noch bestrafen möchte“, sagt Damm im ON-Gespräch. Es könne nicht im Sinne der von der Bundesregierung gewünschten Energiewende sein, solche Preise zu verlangen.
In der Tat war die Stilllegung eines Gasanschlusses bis Ende vorigen Jahres bei der EWE noch kostenlos möglich, wie Unternehmenssprecher Volker Diebels bestätigt. Die Umrüstung auf Wärmepumpen habe aber derart zugenommen, dass nun Geld für die Stilllegung genommen werden müsse.
Keinen Unterschied festgestellt
Johann Damm hat für sein Haus, Baujahr 1968, eine Wärmemengenberechnung durchführen lassen. Das Ergebnis: Für sein Gebäude benötigt der Auricher eine Wärmepumpe mit einer Leistung zwischen sieben und zehn Kilowatt. Damit komme er dann auf eine Vorlauftemperatur von 50 Grad für den Heizkreislauf.
„Das reicht völlig aus“, sagt Johann Damm im Gespräch mit dieser Zeitung. Bereits im vorigen Jahr habe er seine Gasheizung dementsprechend gedrosselt, um es auszuprobieren. „Wir haben keinen Unterschied festgestellt.“ Bei Temperaturen von bis zu acht Grad unter dem Gefrierpunkt soll die Wärmepumpe funktionieren. Daher fiel die Entscheidung leicht: In diesem Jahr soll der Wechsel erfolgen.
Enormer Preisanstieg bei Stilllegung
Schon im vorigen Jahr hatte Damm sich beim Oldenburger Energieversorger EWE erkundigt, was es kosten solle, den Gasanschluss stillzulegen. Es seien 250 Euro, so lautete damals die Antwort. In diesem Jahr jedoch ist der Preis gestiegen: Genau 965,09 Euro verlangt die EWE seit Januar für die Stilllegung.
Die Auskunft vom letzten Jahr sei falsch, so EWE-Sprecher Diebels. Denn bis Ende 2023 habe die EWE gar nichts dafür verlangt, einen Gasanschluss dauerhaft stillzulegen. Das aber könne die EWE finanziell nicht mehr alleine übernehmen. Denn es würden immer mehr Wärmepumpen auch in Altbauten installiert. Im vorigen Jahr sei das im gesamten EWE-Gebiet eine Zahl im mittleren vierstelligen Bereich gewesen. In diesem Jahr, so Diebels, werde eine Verdopplung erwartet.
Dabei gebe es zwei Möglichkeiten, die Arbeiten, die bei einer Stilllegung anfielen, zu finanzieren: Entweder stelle man das dem jeweiligen Kunden in Rechnung, oder man lege die Kosten über die Netzentgelte um. Dann würden alle EWE-Kunden dafür zahlen, dass einige ihre Gasanschlüsse stilllegen ließen. Daher habe die EWE sich für das Verursacherprinzip entschieden.
Bei Alternative werden jährliche Kosten fällig
Volker Diebels weist darauf hin, dass andere Netzbetreiber in Deutschland Preise von bis zu 3000 Euro für diese Dienstleistung nehmen würden. Es gebe auch Betreiber, die gar keine Gebühren verlangten. „Aber dann müssen die Kunden die Monteure auch selbst bezahlen.“
Eine Alternative zur kompletten Stilllegung, bei der die Zuleitungen im Erdboden komplett entfernt werden, ist die vorübergehende Pausierung des Gasanschlusses. Dabei würde lediglich der Zähler entfernt und die Hausanschlussleitung verschlossen. Dafür würden jährlich Gebühren in Höhe von 67 Euro fällig. Denn die EWE müsste diesen pausierten Anschluss weiterhin jährlich auf Sicherheit überprüfen.
Ein Weg, für den sich Johann Damm nun wahrscheinlich auch entscheiden wird. Aus der Sicht des Verbrauchers, der etwas für die Energiewende unternehmen möchte, empfindet er beide Kostenarten jedoch als unerträglich. Denn immerhin investiere er keine kleine Summe in die Unabhängigkeit seines Wohnhauses von fossilen Energieträgern wie Erdgas.