Gefahr für Igel  Schwerste Verletzungen durch Mähroboter und Rasentrimmer

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 28.06.2024 07:09 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieser kleine Kerl wird auf einer Pflegestelle betreut und erholt sich von der schweren Schnittverletzung, die vermutlich durch einen Rasentrimmer entstanden ist. Foto: Gettkowski
Dieser kleine Kerl wird auf einer Pflegestelle betreut und erholt sich von der schweren Schnittverletzung, die vermutlich durch einen Rasentrimmer entstanden ist. Foto: Gettkowski
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Rasentrimmer und Mähroboter erleichtern Gartenbesitzern die Arbeit, sind aber für Igel lebensgefährlich. Imke Sindern päppelt verletzte Tiere auf und gibt Tipps, die Igeln das Leben retten können.

Landkreis Leer - Rasentrimmer und Mähroboter erleichtern Gartenbesitzern die Arbeit. Was viele nicht wissen: Die Geräte können Igeln schwerste Verletzungen zufügen. Imke Sindern betreibt seit 15 Jahren in Wilhelmshaven eine Igelstation. Landauf, landab haben die Pflegestellen immer häufiger mit Opfern solcher Mähunfälle zu tun. Die passieren den Gärtnern aber nicht absichtlich, sondern meist aus Unwissenheit.

„Igel fliehen nicht vor Gefahr, sondern rollen sich zusammen“, erklärt Imke Sindern. Gegen die Klingen der Mäher haben die Stacheln jedoch keine Chance. „Ich habe schon viele Igel bekommen, denen ein Bein abgetrennt wurde oder die große klaffende Wunden hatten.“ Die Tierärztin Dr. Nele Seybold hat besonders im Sommer mit solchen Patienten zu tun. „Wenn 90 Prozent der Haut fehlen, bleibt einem aber nichts anderes übrig, als das Tier von den Qualen zu erlösen.“ Wenn man ein paar Dinge beherzigt, kann man den stacheligen Gartenbewohnern viel Schmerz und Leid ersparen.

Imke Sindern betreibt seit 15 Jahren eine Igelstation in Wilhelmshaven. Diesen kleinen Igel konnte sie gesundpflegen. Foto: Privat
Imke Sindern betreibt seit 15 Jahren eine Igelstation in Wilhelmshaven. Diesen kleinen Igel konnte sie gesundpflegen. Foto: Privat

Tipps für Igelsicherheit

1. Mähroboter nur tagsüber einsetzen

„Wenn man unbedingt einen Mähroboter einsetzen möchte, sollte man ihn ausschließlich tagsüber laufen lassen“, rät die Igelexpertin. Igel sind hauptsächlich in der Dämmerung und nachts unterwegs und während dieser Zeit besonders gefährdet.

2. Kontrollgang vor dem Trimmen

Wer eine Motorsense oder einen Rasentrimmer einsetzen will, um hohes Gras zu mähen, sollte die unübersichtlichen Stellen vorher kontrollieren. „Denn Igel suchen sich im Garten gerne geschützte Ecken zum Schlafen“, sagt Imke Sindern.

3. Vorsicht mit Spaten und Forke

Beim Umschichten von Komposthaufen oder Laubschichten insbesondere unter Sträuchern und Büschen ist Vorsicht geboten. Solche Bereiche werden von Igeln als Schlafplätze oder zum Überwintern genutzt. Also lieber nicht mit der Forke in die Haufen stechen, sondern lieber schichtweise abtragen.

Pflegestellen sind überlastet

Wer trotz aller Vorsicht bei der Gartenarbeit ein Tier verletzt, hat es schwer, Hilfe zu finden. Einige Igelstationen haben so viel mit durch Ungeziefer entkräfteten Igeln oder den Opfern von Mähunfällen zu tun, dass sie keine Tiere mehr aufnehmen. Das gilt auch für die Wildtierauffangstation in Rastede. „Wir betreuen aktuell 2000 Tiere, das Personal wird knapper“, sagt Klaus Meyer, Leiter der Station. Für Igel gebe es inzwischen spezielle Stationen. „Wenn jemand einen verletzten Igel abgeben will, verweisen wir den Verein Pro Igel, der sich dann um eine Pflegestelle kümmert.“

Dieser Igel hat eine große klaffende Wunde, die ihm vermutlich durch einen Rasentrimmer zugefügt wurde. Foto: Gettkowski
Dieser Igel hat eine große klaffende Wunde, die ihm vermutlich durch einen Rasentrimmer zugefügt wurde. Foto: Gettkowski

Auch Imke Sindern hat im Laufe der Zeit immer mehr Tiere betreut. „Als ich 2010 angefangen habe, war es im Winter 40 Tiere“, blickt sie zurück. Sechs Jahre später seien es schon 300 gewesen. In den zurückliegenden Jahren wurde ein Netzwerk an Pflegestellen aufgebaut. „Die Arbeit wird dadurch auf viele Schultern verteilt.“ Sie motiviert Tierfreunde aber auch dazu, sich selbst zu engagieren. „Wenn mir jemand ein geschwächtes Jungtier bringt, das nur ein bisschen Gewicht zulegen muss und dann ausgewildert werden kann, können die Finder das Tier auch selber ganz einfach betreuen“, erzählt sie. Gerade Familien hätten mitunter viel Freude daran. „Auf diese Art sind einige Pflegestellen entstanden, die jedes Jahr einen oder mehrere Igel aufnehmen.“

In einer Pflegestelle wird dieser verletzte Igel gesundgepflegt. Foto: Gettkowski
In einer Pflegestelle wird dieser verletzte Igel gesundgepflegt. Foto: Gettkowski

Mitunter hat Imke Sindern auch mit kuriosen Fällen zu tun. „Kürzlich habe ich aus Horsten bei Friedeburg einen betrunkenen Igel bekommen.“ Das Tier sei nach einer Feier auf dem Rücken liegend auf dem Festplatz gefunden worden. Der vermeintlich „kranke“ Igel habe ein paar Tage zur Ausnüchterung in der Igelstation verbracht und sei dann wieder zu seinem gewohnten Umfeld in Horsten gebracht worden.

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