Realschule Aurich  Kein Fahrstuhl – dafür aber ein Neubau

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 27.06.2024 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Erster Spatenstich: Sven Fehrenbach (Firma Kerker, von links), Sven Bünting, Matthias Steinhoff (beide Büro 3Ing), Elke Seehusen (Hochbauamt), Brigitte Weber (Schulamt), Bürgermeister Horst Feddermann, Schulleiterin Kathrin Peters, Ratsherr Volker Rudolph, Ratsfrau Erika Biermann und Stadtplaner Mirko Wento beginnen den Neubau für die Realschule Aurich. Foto: Romuald Banik
Erster Spatenstich: Sven Fehrenbach (Firma Kerker, von links), Sven Bünting, Matthias Steinhoff (beide Büro 3Ing), Elke Seehusen (Hochbauamt), Brigitte Weber (Schulamt), Bürgermeister Horst Feddermann, Schulleiterin Kathrin Peters, Ratsherr Volker Rudolph, Ratsfrau Erika Biermann und Stadtplaner Mirko Wento beginnen den Neubau für die Realschule Aurich. Foto: Romuald Banik
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Barrierefrei gelangt man nicht in die Aula der Realschule Aurich. Es fehlt ein Fahrstuhl. Wann dieser kommt, ist ungewiss. Dafür gibt es nun aber einen Neubau.

Aurich - Jedes Jahr findet in der Realschule Aurich ein Konzert der Bläserklassen statt. Ein Ereignis, das sich auch Rolf Schecker im vorigen, wie auch in diesem Jahr nicht entgehen lassen wollte. Denn sein Enkel steht mit auf der Bühne. Das Problem dabei: Rolf Schecker ist auf den Rollstuhl angewiesen. Und das Konzert der Bläserklassen findet in der Aula der Realschule im ersten Obergeschoss statt. Ein Raum, der nicht barrierefrei zugänglich ist. Denn einen Fahrstuhl gibt es dort nicht. Nur dank vieler helfender Hände, so Schecker, sei es ihm in beiden Jahren gelungen, in die Aula zu gelangen.

Das Hauptgebäude mit der Aula stammt aus dem Jahr 1967. Foto: Romuald Banik
Das Hauptgebäude mit der Aula stammt aus dem Jahr 1967. Foto: Romuald Banik

Schulleiterin Kathrin Peters kennt die Problematik. „Wir bitten seit Ewigkeiten um einen Fahrstuhl oder einen Treppenlift, damit die Aula für jeden erreichbar ist“, sagt sie auf Anfrage unserer Redaktion. Es sei unangenehm, wenn Eltern, Großeltern oder Geschwister mit Gehbehinderungen nicht barrierefrei in die Aula gelangen könnten. „Da kann ich die Wut der betroffenen Personen gut nachvollziehen.“

Keine externen Nutzer in der Aula

Acht Jahre schon bittet die Realschule um einen Aufzug zur Aula. Nun könnte Bewegung in die Sache kommen, wie Stadtsprecher Johann Stromann auf ON-Anfrage sagt. Denn in der Verwaltung werde der Aufzug bereits geplant. Es müssten nur noch für das kommende Jahr die nötigen Mittel im Haushalt bereitgestellt werden von der Politik, dann könne der Einbau erfolgen.

Stromann gibt jedoch zu bedenken, dass es sich bei dem Gebäudeteil mit der Aula um ein Bestandsgebäude aus dem Jahr 1967 handele. Die Aula sei früher auch extern für Theateraufführungen genutzt worden. Jetzt allerdings sei das nicht mehr der Fall. Nur die Realschule selbst nutze den großen Saal noch für interne Zwecke. Öffentliche Aufführungen mit Besuchern kämen nicht häufig vor.

Schülerzahlen bleiben hoch

Nicht ganz so lange musste hingegen auf den Neubau gewartet werden für die Realschule, die aus allen Nähten platzt. Im Jahr 2019 gab es erste Überlegungen dazu. Am Mittwoch erfolgte nun der erste Spatenstich für das Projekt, das laut Bürgermeister Horst Feddermann 3,8 Millionen Euro kosten soll. Beim Beschluss über den Bau vor zwei Jahren war die Verwaltung noch von 4,5 Millionen Euro inklusive der Ausstattung der Räume ausgegangen. Ursprünglich war ein Anbau an die bestehenden Gebäude geplant worden. Stattdessen wird es nun auf dem Schulhof ein freistehendes Gebäude geben. Zwei Kunsträume samt Lager, zwei PC-Räume samt Techniklager, Biologie und Naturwissenschaften inklusive einem Sammlungsraum und zwei Technikräume sollen entstehen. Der Bereich des Schulhofes, der dafür geopfert werden muss, sei bei den Schülern aber ohnehin nicht sehr beliebt gewesen, so Kathrin Peters vor zwei Jahren.

Schulleiterin Kathrin Peters freut sich auf den Neubau für die Realschule. Foto: Romuald Banik
Schulleiterin Kathrin Peters freut sich auf den Neubau für die Realschule. Foto: Romuald Banik

Jetzt freut sie sich, dass es endlich losgehe mit dem Bau. Denn die Schülerzahlen seien nach wie vor dramatisch. Zwar habe die Stadt eine Fünfzügigkeit für die Realschule beschlossen und damit allen Kindern den Zugang verwehrt, die nicht aus der Stadt Aurich kommen. Aber dennoch seien alle Jahrgänge sechszügig. „Bis auf einen. Der hat sieben Klassen“, so Peters. Es seien aber alles Auricher Kinder, die seit dem Beschluss in der Realschule eingeschult würden.

Neubau soll im Herbst 2025 fertig sein

Bürgermeister Horst Feddermann bedauert, dass vor allem Kinder aus Südbrookmerland nicht mehr aufgenommen werden. „Wir können aber nicht mehr Schüler versorgen.“ Weitere An- und Neubauten seien auf dem Schulgelände an der Esenser Straße nun nicht mehr möglich. Vielleicht gebe es in Zukunft weniger Schülerzahlen, dann könne man auch wieder Jugendliche aus Südbrookmerland in der Realschule Aurich unterbringen.

Die Schule war vom Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau vor zehn Jahren bereits abgeschrieben worden. Er empfahl damals, die Realschule zu schließen, weil es in Aurich zu viele weiterführende Schulen gebe. Die Anmeldezahlen habe ihn in den kommenden Jahren widerlegt. Feddermann ist dementsprechend überzeugt, dass diese Schulform weiterhin gebraucht werde. „Die kann man nicht ausblenden.“

Einziehen können die Realschüler in den Neubau erst im Herbst kommenden Jahres. Dann werden auch die Container abgebaut, in denen nun fünf Klassen untergebracht sind.

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