Frankfurt  Für Deutschland ist bei dieser Heim-EM nichts mehr unmöglich

Malte Goltsche
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Von Malte Goltsche
| 23.06.2024 23:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das gesamte Team jubelt nach dem Ausgleich von Niclas Füllkrug gegen die Schweiz. Foto: dpa/Christian Charisius
Das gesamte Team jubelt nach dem Ausgleich von Niclas Füllkrug gegen die Schweiz. Foto: dpa/Christian Charisius
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Vor gar nicht allzu langer Zeit war Fußball-Deutschland schockiert von seiner Nationalmannschaft. Nach dem Unentschieden im dritten EM-Gruppenspiel gegen die Schweiz (1:1) ist alles anders - vor allem wegen der Art und Weise. Ein Kommentar.

Ziemlich genau vor einem Jahr war Fußball-Deutschland in Sorge. Die Nationalelf kroch zu einem 3:3 gegen die Ukraine, verlor gegen Polen (0:1), gegen Kolumbien (0:2) und zum Tiefpunkt - und Ende von Hansi Flick als Bundestrainer - mit 1:4 gegen Japan. Wie sollte das nur werden im EM-Sommer 2024? Das dritte Turnier-Vorrunden-Aus in Serie in trister Stimmung schien wahrscheinlicher als ein halbwegs brauchbares Ergebnis. Und dann gab es erst vor sieben Monaten Niederlagen gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) - und erste Zweifel an Julian Nagelsmann.

Das alles ist Geschichte. Drei Spiele und sieben Punkte in der Gruppenphase - der letzte davon auf dramatische Art und Weise geholt - haben dieses Land vollends hinter dieser Nationalmannschaft versammelt, dafür muss man sich nur den Jubel nach dem späten 1:1 durch Niclas Füllkrug gegen die Schweiz anschauen und -hören. War das der „Polen-Moment“ für dieses viel beschworene Sommermärchen?

Was 2006 noch die Autofahnen waren, sind heutzutage die Trikots - ob weiß, ob pink oder im Retro-Look - und alle sehen fantastisch aus. Denn ist es nicht allein die Leistung, mit der der DFB das Land für sein Team begeistert. Nein, der Verband hat auch endlich abseits des Platzes mal wieder viele Dinge richtig gemacht: Mit schlauen Marketing-Kampagnen, die diese wunderbare Vielfalt der Mannschaft und des Landes beschwören, mit Social-Media-Inhalten, die nahbar und authentisch wirken und so auch die junge Generation „anzünden“, wie Toni Kroos es ausdrückte.

Aber natürlich hilft das alles nichts, wenn man sportlich untergeht. Dass das Gegenteil der Fall ist - auch wenn die Schweiz den DFB ins Wanken brachte - daran hat Bundestrainer Nagelsmann einen großen Anteil. Die Taktik betont die Stärken der Spieler, die Kaderzusammenstellung selbst war clever, genauso wie die klare Linie bei der Rollenverteilung. Wer vermisst zum Beispiel aktuell Mats Hummels? Dazu kommuniziert Nagelsmann selbstbewusst. Das war schon immer so - aber die Brust mit dem Adler drauf wird momentan mit jedem Tag breiter.

Dieses Vertrauen in die eigene Qualität überträgt sich auf die Mannschaft. Aus einer Truppe, in der jeder sein eigenes Süppchen kochte, ist ein geschlossenes Team geworden - auch hier sei nochmal auf den Jubel nach Füllkrugs Ausgleich hingewiesen. Das Land kann sich mit dieser Mannschaft wieder identifizieren - im Stadion und außerhalb. Das macht diese EM wohl schon jetzt zu einem Erfolg für den DFB, es sei denn es gibt im Achtelfinale eine böse Überraschung.

Der Grundstein dafür, dass es noch viel weiter gehen kann, ist jedoch gelegt. Die Fans träumen bereits von der Final-Fahrt nach Berlin. Unmöglich ist die Erfüllung dieses Traums für diese Mannschaft nicht mehr.

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