Walsrode/Wildeshausen  Werteunion um Hans-Georg Maaßen will Landesverband für Niedersachsen gründen

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 20.06.2024 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Spricht bei einer Kundgebung in Chemnitz: Hans-Georg Maaßen, Bundesvorsitzender der Werteunion. Die Gruppierung will nun einen Landesverband für Niedersachsen gründen. Foto: dpa/Heiko Rebsch
Spricht bei einer Kundgebung in Chemnitz: Hans-Georg Maaßen, Bundesvorsitzender der Werteunion. Die Gruppierung will nun einen Landesverband für Niedersachsen gründen. Foto: dpa/Heiko Rebsch
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Die Werteunion wirbt um Mitglieder, denen die AfD zu radikal ist. Ihre führenden Köpfe in Niedersachsen bringen Erfahrungen aus der Kommunalpolitik mit. Zur Gründungsversammlung wird auch Bundesvorsitzender Maaßen erwartet.

Die Werteunion des früheren Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen will einen Landesverband in Niedersachsen ins Leben rufen. Die Gründungsversammlung ist nach Informationen unserer Redaktion an diesem Sonntag in Walsrode geplant. In Niedersachsen hat die Werteunion nach Angaben eines Parteisprechers weniger als 100 Mitglieder.

Einer der führenden Köpfe der Werteunion in Niedersachsen ist der Osnabrücker Mediziner Dr. Steffen Grüner. Er ist öffentlich in vielfältiger Weise, etwa als Vorsitzender von BOB („Bund Osnabrücker Bürger“), aktiv – und gilt in der Friedensstadt als umstritten. Grüner ist seit Mai 2020 Leiter der Osnabrücker Bezirksstelle der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN). Bei seiner Kandidatur für die Kammerversammlung erhielt er aber Gegenwind aus den Reihen der Berufskollegen, weil er in sozialen Medien gegen Migranten gehetzt haben soll. Grüner ist Vorsitzender des Fördervereins der Werteunion und als neuer Vorsitzender des Landesverbands im Gespräch.

Stellvertreter ist Frank Stöver aus Wildeshausen (Landkreis Oldenburg). Der 55-jährige Landwirt war von 2012 bis 2021 Ratsherr; erst für die CDU und später für die CDW („Christlich Demokratische Wählergemeinschaft Wildeshausen“). Stöver ist nach eigenen Angaben seit 2020 Mitglied des Werteunion-Fördervereins. Er sagt, die Werteunion dulde „keine Extremisten“ in der Partei. Das aufwendige Aufnahmeverfahren könne bis zu 15 Monate dauern.

Die Werteunion wirbt nach eigenen Angaben um Menschen, denen die CDU zu wenig konservativ und die AfD zu radikal sei. Die Partei hatte sich im Februar bundesweit rund um Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen gegründet. Der 61-jährige Jurist sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung am Dienstag in Chemnitz, er wolle einen Wahlkampf ohne Radikalität und Extremismus führen. Inzwischen wird er allerdings selbst vom Verfassungsschutz als rechtsextrem beobachtet. Das empfindet der Wildeshauser Stöver als „unfair“.

Inhaltlich setzt die Werteunion auf eine strengere Einwanderungspolitik und Themen wie Energiekrise und Deindustrialisierung. Im Wahlkampf für die Landtagswahl im September in Thüringen sagt sie zudem dem Lehrermangel den Kampf an. „Man hat verpasst, über Jahre junge Leute in Thüringen zu halten“, erklärte der Thüringer Spitzenkandidat und Landeschef Albert Weiler. Er war bei der Landratswahl im Saale-Holzland-Kreis (Ostthüringen) Ende Mai mit knapp 14 Prozent im ersten Wahlgang ausgeschieden.

In Walsrode will sich die Werteunion weniger mit Inhalten, sondern zunächst mit Regularien befassen. So sollen eine Satzung verabschiedet und der neue Vorstand gewählt werden, erklärt Stöver. Zur Gründungsversammlung wird auch Bundesvorsitzender Maaßen erwartet. Bei der Europawahl hatte die Wertunion übrigens noch nicht kandidiert.

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