Papenburg/Hannover Ohne Aufsichtsrat keine Rettung: Wie Lies die Meyer Werft retten will
Die Meyer Werft muss eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro füllen. Minister Lies spricht von einer „existenziellen Krise“. Das Land will helfen – doch es gibt Bedingungen.
Rückenwind für die finanziell schwer angeschlagene Meyer Werft: Vertreter aller Fraktionen im niedersächsischen Landtag haben zugesagt, dem Traditionsunternehmen aus der Krise zu helfen. Das Land werde alles dafür tun, um gemeinsam mit dem Bund Lösungen zu finden für eine zukunftsfähige Werft und sichere Arbeitsplätze, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) in der „Aktuellen Stunde“ des Landtags am Dienstag. „Das setzt aber auch voraus, dass es kein Weiter so gibt.“
Lies zufolge müsse sich das Unternehmen neu aufstellen. Meyer sei ein international tätiger Konzern und müsse auch entsprechende Strukturen haben. Dazu gehöre ein mitbestimmender Aufsichtsrat. Was nicht gehe, sei die pauschale Vorgabe, 440 Stellen abzubauen und womöglich durch Werkvertragsbeschäftigte ersetzen zu wollen. Insgesamt hat Meyer in Papenburg 3300 Beschäftigte; hinzukommen 10.000 Jobs bei Zulieferbetrieben.
CDU-Oppositionsführer Sebastian Lechner rief Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf, die Rettung der Werft zur Chefsache zu machen. Benötigt werde ein Konzept, das „am besten für die nächsten Jahrzehnte“ trage. „Jetzt ist es Ihre Aufgabe, Herr Ministerpräsident, Bund und EU ins Boot zu holen“, sagte er. Nico Bloem (SPD), einst Schiffbauer und Betriebsratsvorsitzender der Werft, gab sich in der Debatte kämpferisch: Das Land werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Aus Sicht der Grünen-Abgeordneten Sina Beckmann aus Jever müsse bei einer möglichen Landesbeteiligung auch über Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit gesprochen werden.
Trotz voller Auftragsbücher muss die Werft bis Ende 2027 eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro füllen. Dabei geht es Lies zufolge um eine Erhöhung des Eigenkapitals um 400 Millionen Euro sowie Bürgschaften. Der Wirtschaftsminister sprach von einer „existenziellen Krise“. Bereits am Wochenende hatte Lies gesagt, das Unternehmen müsse unter anderem seinen Firmensitz aus Luxemburg zurück nach Deutschland verlegen.
Eine Delegation von Beschäftigten mit Betriebsratschef Andreas Hensen an der Spitze verfolgte die Debatte im Landtag und traf sich dann mit Weil und Abgeordneten zu einem vertraulichen Gespräch. „Wir haben heute viel Zuspruch erhalten“, sagte Hensen unserer Redaktion. Thomas Gelder, Bevollmächtigter der IG Metall, erklärte: „Das war heute mehr als nur eine aktuelle Stunde. Das war eine Solidaritätsbekundung und ein klares Zeichen, wie ich das noch nicht erlebt habe.“
Für diesen Mittwoch ist eine Gesprächsrunde im Wirtschaftsministerium mit Vertretern aus der Region geplant. Zuvor wollten Betriebsrat und Vertrauensleute mit Sanierer Ralf Schmitz über weitere Maßnahmen beraten. Ein Stellenabbau soll möglich verhindert werden, erklärte Hensen.