Washington Videos sollen körperlichen Verfall bei Joe Biden zeigen – wird er noch ersetzt?
Trumps Wahlkampfteam schlachtet das Alter seines Konkurrenten im Präsidentschaftswahlkampf in jeglicher Form aus. Nun tauchen Videos auf, die zeigen, wie Biden regungslos und erstarrt wirkt. Sollte er wegen seines Alters noch aufgeben, müsste ihn dazu offenbar eine Gruppe von Top-Demokraten überreden.
Joe Biden wirkte am Samstag bei einer Spendengala in Los Angeles einen Moment lang wie erstarrt. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama griff nach der Hand des 81-Jährigen, um ihn von der Bühne zu führen. Es blieb nicht der einzige Vorfall, der in diesen Tagen erhebliche Zweifel am Gesundheitszustand des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers aufkommen lässt.
Von Medien wie der „New York Post“ und auf einem offiziellen Account der Republikaner in einem Onlinenetzwerk sind mehrere Videoclips veröffentlicht worden, in denen Biden verwirrt wirkt.
In einem der Videos, über das sich auch der frühere US-Präsident Donald Trump lustig machte, scheint sich der 81-jährige Präsident während einer Fallschirmsprungvorführung beim G7-Gipfel in Italien desorientiert von den anderen Staats- und Regierungschefs wegzubewegen.
Der Sender NBC hatte die Behauptungen entkräftet. Auf einer online gestellten eigenen Aufnahme des Senders aus einem anderen Blickwinkel war zu sehen, wie Biden mit den Fallschirmspringern nur ein paar Meter entfernt interagierte.
Laut der Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, wurden die Aufnahmen jedoch irreführend bearbeitet. Biden habe sich vielmehr bewegt, um den Fallschirmspringern mit einer Geste viel Glück zu wünschen. „Dies wurde umfassend überprüft (...), auch von konservativen Medien“, betonte die Sprecherin. „Wenn man das Video ein wenig länger laufen lässt, sieht man (...) was passiert ist.“
Ein weiterer in rechten Medien und in republikanischen Kreisen kursierender Clip zeigte Biden per Nahaufnahme im Weißen Haus. Darauf ist der Präsident während eines Konzerts zu sehen, wie er still dasteht, während führende Politiker aus aller Welt in seiner Nähe tanzten. Bidens Gegner wollen darin einen Zustand geistiger Verwirrung erkennen. Bei der Juneteenth-Feier im Weißen Haus legte schließlich Philonise Floyd, der Bruder des verstorbenen George Floyd seinen Arm um den Präsidenten, um ihm zu helfen.
„Der Präsident stand da und hörte der Musik zu, aber er hat nicht getanzt“, sagte Jean-Pierre dazu. „Ich wusste nicht, dass es ein Gesundheitsproblem ist, nicht zu tanzen“, fügte sie hinzu.
Die von den oppositionellen Republikanern verbreiteten Videos seien „billige Fälschungen“, kritisierte das Weiße Haus. Die Aufnahmen, die angeblich den geistigen und körperlichen Verfall von Biden zeigten, seien irreführend geschnitten und manipuliert, sagte Jean-Pierre am Montag vor Journalisten. Die Clips seien „billige Fälschungen“. „Das sagt alles darüber aus, wie verzweifelt die Republikaner sind“, sagte Jean-Pierre.
Das Alter Bidens ist inzwischen einer der Hauptangriffspunkte in Trumps Kampagne vor der Präsidentschaftswahl im November. Fast täglich verschickt Trumps Team Videos, auf denen Biden stolpert oder stottert, erschöpft oder desorientiert wirkt. Mit seinen 78 Jahren ist der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner jedoch nur drei Jahre jünger als sein Konkurrent Biden.
Im Gegensatz zu Trump muss sich Biden als Staatsoberhaupt regelmäßig medizinischen Tests unterziehen, deren Ergebnisse veröffentlicht werden.
Dennoch sorgen sich die Wähler um Bidens Gesundheit angesichts seines fortgeschrittenen Alters. Die durchschnittlichen Zustimmungswerte des Präsidenten erreichten zuletzt neue Tiefwerte, wie Meinungsforscher Nate Silver von der Webseite FiveThirtyEight feststellte, berichtete die britische „DailyMail“.
Die Zeitung mutmaßte, dass eine geschlossene Front von Top-Demokraten nötig sei, um Biden noch zum Aufgeben zu bewegen. Dies könnte akuter werden, sollte der Präsident bei der ersten Konfrontation mit Trump stolpern oder sollten seine Umfragewerte weiter abrauschen.
Die „DailyMail“ zitierte einen demokratischen Strategen, der nicht namentlich benannt wurde, der meinte: „Die einzigen, die ihn zum Rücktritt zwingen könnten, wären Barack Obama, Bill Clinton, Nancy Pelosi und Chuck Schumer“. Es reiche jedoch nicht nur einer von ihnen aus, sondern, alle vier müssten gemeinsam auf Biden einreden.
Eine Sprecherin von Pelosi bekräftigte gegenüber der „DailyMail“ die Unterstützung der Demokratin für Biden. Pelosi habe „volles Vertrauen“ hieß es.
Als möglich erscheint indes auch, dass Biden auf stur schalten und seine Präsidentschaftskandidatur bis zum Ende durchziehen könnte, auch wenn die Demokraten nicht mehr fest hinter ihm stehen. Für Allan Lichtman als mächtiges Wahl-Orakel, der mit seinen Prognosen immer richtig lag, steht bereits fest, wer neuer US-Präsident wird.