Berlin  „Der bewegte Mann 2“: Ralf König sagt angedachte Schweiger-Fortsetzung ab

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 22.06.2024 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
„Der bewegte Mann 2“? Zum Jubiläum des Kino-Hits aus dem Jahr 1994 war eine Fortsetzung angedacht. Zu Til Schweiger und Katja Riemann fällt Ralf König, dem Autor der Vorlage, aber nichts mehr ein. Foto: Imago-images / United Archives
„Der bewegte Mann 2“? Zum Jubiläum des Kino-Hits aus dem Jahr 1994 war eine Fortsetzung angedacht. Zu Til Schweiger und Katja Riemann fällt Ralf König, dem Autor der Vorlage, aber nichts mehr ein. Foto: Imago-images / United Archives
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Vor 30 Jahren wurde „Der bewegte Mann“ mit Til Schweiger und Katja Riemann zum Kino-Hit. Einer Fortsetzung hat der Comic-Zeichner Ralf König allerdings eine Absage erteilt.

Comic-Zeichner Ralf König hat eine Fortsetzung des Kino-Hits „Der bewegte Mann“ abgesagt. „Ich hatte dazu keine zündende Idee und dann lieber nicht“, sagte König im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Angebot zum Jahrestag der Schweiger-Komödie habe er deshalb abgelehnt.

„Das war zum Filmjubiläum angedacht, aber mir fiel zu der Geschichte nichts mehr ein. Nicht mal als Comic wäre das interessant, und das nochmal mit Katja Riemann und Til Schweiger aufzubrühen … was sollte mit denen 30 Jahre später noch passieren?“

Ein Hardcore-Hetero unter Schwulen: Mit dieser Idee gelang Ralf König Ende der 1980er der Sprung aus der schwulen Nische in den Mainstream, erst auf dem Buchmarkt und dann auch im Film. Mit den Comics „Der bewegte Mann“ (1987) sowie der Fortsetzung „Pretty Baby“ (1988) wechselte der Zeichner, der bislang in kleineren Häusern veröffentlicht hatte, zum großen Publikumsverlag Rowohlt.

Auf dem Höhepunkt des deutschen Komödien-Booms nahmen sich dann Bernd Eichinger (Produktion) und Sönke Wortmann (Regie) der Geschichte an. Im Zentrum steht Til Schweiger, der als notorischer Fremdgeher bei seiner Freundin Katja Riemann rausfliegt – und in der Schwulen-WG von Joachim Król und Rufus Beck unterkommt. Bei den Männern kochen die Hormone hoch, bei Katja Riemann die Eifersucht: Betrügt ihr Freund sie jetzt auch noch mit Kerlen im Fummel?

„Der bewegte Mann“: Sehen Sie hier noch einmal den Trailer:

Sönke Wortmanns Verwechslungskomödie wurde zum Kino-Hit des Jahres 1994. Nur zwei US-Blockbuster waren noch erfolgreicher: Disneys „Der König der Löwen“ und Tom Hanks Oscar-Erfolg „Forrest Gump“. Die Verfilmung von Ralf Königs Comics wurde mit drei Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet und lockte 6,6 Millionen Zuschauern ins Kino. Damit hält „Der bewegte Mann“ sich bis heute in den Top 10 der erfolgreichsten deutschen Filme. Seine ikonischen Bilder – Joachim Król im Kleiderschrank-Versteck, Til Schweiger nackt auf dem Tisch, mit einer Überdosis Bullenzuchtmittel im Blut – haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

30 Jahre danach wäre „Der bewegte Mann 2“ auf einen stark veränderten Zeitgeist gestoßen. Was queere Themen angeht, stellt König einen „Generationenkonflikt in der Community“ fest. Als Beispiel nannte der 63-Jährige die Vielzahl der Regenbogen-Flaggen: „Die Regenbogen-Flagge sollte ursprünglich alle miteinbeziehen, aber mittlerweile kommt so viel diverse Symbolik dazu, dass man manchmal kaum noch den Regenbogen sieht. Dann wird’s kompliziert, und Flaggen sollten nicht kompliziert sein“, sagte König.

„Vor einigen Jahren stand ich vor einem Poster mit 73 Pride-Flaggen, also 73 verschiedene Identitäten: Genderfluid, Genderqueer, Bi-curious, Demi-Romantic, alles Mögliche! Ich war baff und hab zuhause nach all dem gegoogelt. Meistens läuft es auf bisexuell raus oder auf trans oder eher Mann oder eher Frau. Aber wenn ich sexuell auf Frauen stehe und mich nur in Männer mit Brille verliebe, dann gibt’s eine eigene Flagge.“

Einst als Stimme der schwulen Subkultur gefeiert, fühlt König sich heute missverstanden: „Beim Kölner CSD habe ich einmal auf einer Veranstaltung aus einem Comic gelesen. An einer Stelle fragt da eine Figur: ‚Wollen wir uns auftransen?‘ Daraufhin ist im Publikum eine Transperson aufgestanden und hat sich beschwert, der Begriff sei völlig deplatziert. Das passt nicht für Tunten, die sich nur Frauenkleider anziehen und ihren Spaß haben. Alle guckten erstaunt und am erstauntesten war ich. Da habe ich begriffen, dass Wörter sich ändern.“

Dass junge Schwule ihn nicht mehr kennen, halte er für „normal“, sagte der 63-Jährige. „Ich fände es nur spannend, wenn aus deren Reihen mal ein Cartoonist oder eine Comiczeichnerin käme, das alles schreit doch nach Satire. Aber die Talente haben wahrscheinlich keine Lust auf Shitstorm. Man ringt immerzu um Begriffe und sagt am Ende doch das Falsche. Ironie wird nicht mehr verstanden, das ist schlecht für eine Gesellschaft.“ 

Zu dieser Stimmung trage auch Social Media bei: „Instagram und Facebook erziehen uns allmählich zur amerikanischen Prüderie. Es gibt heute mehr Tabus als früher“, sagte der Zeichner. Er brauche die Sozialen Netzwerke, um sein Publikum zu erreichen. Wegen der Online-Veröffentlichung vermeide er inzwischen die Darstellung von Erektionen. Mehr noch: „Das betrifft nicht nur die Bilder. Es geht auch um die Sprache“, sagte er. „Eine meiner Figuren ist die homophobe Edeltraut. Wenn die ihren Bruder beleidigt, hagelt es Wörter wie ‚Schwuchtel‘. Bei Facebook gilt das als ‚Hassrede‘. Wie soll man als Comiczeichner damit umgehen, wenn Satire und Ironie nicht verstanden wird?“

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