Papenburg  Meyer Werft: Das Land Niedersachsen wird vorerst nicht in Krisen-Unternehmen einsteigen

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 12.06.2024 18:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bis eine Entscheidung um die Zukunft der Werft getroffen ist, könnten nach unseren Informationen mehrere Monate vergehen. Foto: dpa/Lars Penning
Bis eine Entscheidung um die Zukunft der Werft getroffen ist, könnten nach unseren Informationen mehrere Monate vergehen. Foto: dpa/Lars Penning
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Nach Informationen unserer Redaktion plant das Land Niedersachsen aktuell keine Beteiligung an der Meyer Werft. Doch die Politik will dem Unternehmen in Papenburg anderweitig helfen.

Das Land Niedersachsen wird vorerst offenbar nicht bei der Meyer Werft einsteigen. Das auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte Unternehmen mit Sitz in Papenburg befindet sich in starker wirtschaftlicher Schieflage, Hunderte Jobs sollen gestrichen werden. Die prekäre Situation war am Mittwoch auch Thema im Haushaltsausschuss des niedersächsischen Landtags.

Hinter verschlossenen Türen wurde über mögliche staatliche Hilfen für die Werft diskutiert, im Ausschuss zu Gast: Landesfinanzminister Gerald Heere (Grüne). Nach Informationen unserer Redaktion wurde während der Sitzung deutlich: Das Land kann sich einen dauerhaften Einstieg in das Papenburger Unternehmen nicht leisten.

Stattdessen wird offenbar eine andere Lösung favorisiert: Private Investoren könnten das Eigenkapital der Werft aufstocken. Von 400 Millionen Euro ist die Rede.

Dem Vernehmen nach will das Land aber mit einer Bürgschaft helfen, damit das Unternehmen seine laufenden Schiffsverträge absichern kann. Im Raum stehen insgesamt 1,8 Milliarden Euro an Bankkrediten, die verbürgt werden müssen.

Doch für wie viel soll das Land bürgen? Im Ausschuss soll es um 900 Millionen Euro gegangen sein. Der Rest müsste also vom Bund kommen. Doch von Teilnehmern ist zu hören, dass Berlin bislang nicht mitspielt. Die Bundesregierung hat offenbar kein Interesse, den Betrieb im Nordwesten von Deutschland zu stützen.

Bis eine Entscheidung getroffen ist, könnten nach unseren Informationen mehrere Monate vergehen. Unter anderem müsste die EU-Kommission einer möglichen Bürgschaft zustimmen. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Niedersachsen wollte die Pläne nicht bestätigen, dementierte sie aber auch nicht.

Das Traditionsunternehmen in Papenburg hat finanziell Schlagseite. Unterm Strich fehlen der Meyer Werft 2,7 Milliarden Euro bis 2027. Die Gründe dafür liegen in den Folgen der Pandemie, gestiegenen Materialkosten, aber auch das Management hat Fehler gemacht. Erschwerend kommt die besondere Art der Finanzierung im Schiffsbau hinzu: Werften müssen größtenteils in Vorleistung gehen, 80 Prozent der vereinbaren Kosten zahlen die Reedereien erst bei Übergabe der Schiffe.

Was klar ist: Die Meyer Werft muss schnellstmöglich an Mittel rankommen. Wie Thomas Gelder, Chef der IG Metall Papenburg der „Ostfriesen Zeitung“ am Mittwoch sagte, sei die Finanzierung des Konzerns wahrscheinlich bis September gesichert. Dem Gewerkschafter zufolge laufe derzeit eine Begutachtung durch eine externe Beratungsfirma. Sie soll überprüfen, ob der Weiterbetrieb der Meyer Werft überhaupt zukunftsfähig ist.

Krisen sind für die Meyer Werft indes nichts ungewohntes, ebenso wenig wie staatliche Hilfe: Erst im vergangenen Jahr sprang das Land Niedersachsen als Bürge ein. Der feine Unterschied zu heute: Damals ging es „nur“ um 350 Millionen Euro.

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