Sylt  Warum Schwangere im Sylt-Urlaub möglichst kein Kind bekommen sollten

Martina Kramer
|
Von Martina Kramer
| 12.06.2024 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Reizklima einer Insel kann bei Schwangeren zu Komplikationen führen. Foto: IMAGO/Cavan Images
Das Reizklima einer Insel kann bei Schwangeren zu Komplikationen führen. Foto: IMAGO/Cavan Images
Artikel teilen:

Erwarten Sie demnächst ein Kind und wollen Urlaub auf der Insel Sylt machen? Dann ist diese Reise mit einem gewissen Risiko behaftet. Wovor Hebammen warnen.

Die vier am Notruf für Sylt beteiligten Hebammen reagieren mit Bedauern auf die Einstellung der stationären gynäkologischen Versorgung in der Nordseeklinik in Westerland ab 1. Juli. „Die [...] beteiligten Gynäkologen haben in der Vergangenheit eine fachärztlich notwendige geburtshilfliche Versorgung im Bedarfsfall mit viel Hingabe und Engagement sichergestellt. Dafür gebührt ihnen Dank und Respekt“, betonen die Hebammen jetzt in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Die neue Situation bedeutet für schwangere Sylterinnen und Urlauberinnen, dass ab 1. Juli keine fachärztliche geburtshilfliche Versorgung in der Nordseeklinik geleistet werden kann. In dringenden Notfällen, die unter Umständen das Leben von Mutter und/oder Kind bedrohen, könnten die diensthabenden Ärzte der Klinik die Patientin mit den vorhandenen medizinischen Ressourcen lediglich stabilisieren. Aus diesem Grund müssten geburtshilfliche Notfälle möglichst zeitnah in eine geeignete Klinik auf dem Festland verlegt werden, betonen die Hebammen.

Die neue Situation stellt die Fachfrauen vor eine Herausforderung, die im Sinne der schwangeren Sylterinnen und auch Urlauberinnen gelöst werden muss. Um die Abläufe und Verfahrensweisen auf die veränderte Situation einzustellen, haben die Hebammen am 22. Mai ein Gespräch mit dem örtlichen Rettungsdienst (DRK Sylt), dem Rettungsdienst des Kreises Nordfriesland, der Rettungsleitstelle, der Asklepios Nordseeklinik Westerland und dem Kreis Nordfriesland geführt.

Darin sei die fachliche Begleitung von Patientinnen bei geburtshilflichen Notfällen bis zur Verlegung in eine geeignete Klinik auf dem Festland thematisiert worden, teilt Liane Friedrichsen, Koordinatorin der Geburtshilfe im Kreis Nordfriesland, mit. Der Austausch habe neue Erkenntnisse und Lösungsansätze zur gemeinsamen Zusammenarbeit gebracht, so Friedrichsen weiter.

Nach dem Wegfall der gynäkologischen Versorgung durch Belegärzte in der Nordseeklinik in Westerland bleibe es vorrangiges Ziel, möglichen gesundheitlichen Gefährdungen von Mutter und Kind während eines notfallmäßigen Geburtsvorgangs vorzubeugen, schildert die Koordinatorin. „Mit den Beteiligten arbeiten wir deshalb gemeinsam daran, die Betreuung und Versorgung von geburtshilflichen Einsätzen weiterhin fachlich hochwertig zu gewährleisten“, erklären die Notdienst-Hebammen. Die fehlende fachärztliche Versorgung ab dem 1. Juli erhöhe allerdings „die Wahrscheinlichkeit von gesundheitlich negativen Folgen bei eintretenden Komplikationen“, warnen die Frauen.

Die oberste Empfehlung des Hebammen-Notrufs an die werdenden Mütter lautet mehr denn je, ab zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eine der Boarding-Möglichkeiten der Geburtskliniken in Husum, Heide oder Flensburg in Anspruch zu nehmen.

Für schwangere Touristinnen haben die Hebammen folgende eindringliche Empfehlung: „Uns Hebammen liegt die Gesunderhaltung unserer Patientinnen während ihres Aufenthaltes auf der Insel Sylt sehr am Herzen. Daher bitten wir eindringlich darum, sich bei einer Schwangerschaft, insbesondere bei vorbestehenden Erkrankungen, vor einem Aufenthalt über die eingeschränkte medizinische Versorgung zu informieren.“

Oftmals werde der Aufenthalt auf einer Insel mit Reizklima nachhaltig unterschätzt: Das Klima und die Unternehmungen während eines Aufenthalts können bei einer Schwangerschaft „zu Komplikationen und schlimmen Konsequenzen führen“, erläutern die Fachfrauen. Schwangerschaftskomplikationen jeglicher Art oder beginnende Geburten erschweren eine notwendige zeitnahe Verlegung in eine geeignete Klinik auf dem Festland. Dadurch steige, so die Hebammen weiter, in nicht unerheblichen Maße die Wahrscheinlichkeit für dauerhafte gesundheitliche Einschränkungen, lebensbedrohliche Komplikationen oder sogar den Tod von Mutter und/oder Kind.

Der Rat der Hebammen lautet deshalb: „Ein erholsamer Aufenthalt auf der schönen Insel Sylt sollte im Interesse der eigenen Gesundheit und der Gesundheit des Kindes auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden.“

Ähnliche Artikel