Papenburg  Meyer Werft in finanzieller Not: Springt das Land jetzt ein?

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 11.06.2024 17:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitarbeiter der Meyer Werft bei einer Kundgebung Anfang Juni: Der Traditionsunternehmen steckt in einer existentiellen Krise. Foto: Imago/diebildwerft
Mitarbeiter der Meyer Werft bei einer Kundgebung Anfang Juni: Der Traditionsunternehmen steckt in einer existentiellen Krise. Foto: Imago/diebildwerft
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Trotz vieler Aufträge fehlt der Meyer Werft in Papenburg Geld. Offenbar erwägt das Land Niedersachsen, für das Krisenunternehmen zu bürgen. Aber auch tiefgreifende Maßnahmen durch den Staat scheinen nicht ausgeschlossen.

Müssen Staatshilfen her, um die Meyer Werft am Leben zu halten? Aktuell scheint es nicht anders zu funktionieren. Immerhin braucht das Unternehmen dringend Geld, damit am Traditionssitz in Papenburg auch künftig Schiffe gebaut werden können. Denn bis 2027 tut sich eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro auf. Die Lage ist so ernst, dass 440 der insgesamt 3300 Stellen gestrichen werden sollen.

Nun nimmt der Plan zur Rettung der Werft offenbar konkrete Züge an. Am Mittwoch trifft sich der Haushaltsausschuss im Landtag. Eine kurzfristige Erweiterung der Tagesordnung lässt aufhorchen. Betreff: „Bürgschaftsangelegenheit.“ Eine mögliche Unterstützung der öffentlichen Hand – in den vergangenen Wochen hatte die Meyer-Führung darüber intensiv mit Banken, Gewerkschaften, Bund und Land diskutiert. Aber wie könnte das Rettungsmodell aussehen?

Nach Informationen des Politikjournals „Rundblick“ geht es insgesamt um 1,8 Milliarden Euro an Krediten, die durch eine staatliche Bürgschaft abgesichert werden sollen. Das liegt auch an einer Besonderheit der Branche: Werften müssen bei Aufträgen stets in Vorleistung gehen, 80 Prozent der vereinbarten Kosten zahlen die Reedereien erst mit Übergabe der Schiffe. Überwiegend wird der Schiffsbau mit Bankkrediten finanziert.

„Die Meyer Werft braucht die Unterstützung von Land und Bund“, sagt Heiko Messerschmidt aus der Bezirksleitung der IG Metall Küste. „Ohne staatliche Bürgschaften wird es nicht gehen.“ In der Vergangenheit hatte es die bereits gegeben. Zuletzt bürgte die Landesregierung im Frühjahr 2023 mit 350 Millionen Euro für offene Schiffskredite.

Noch ist unklar, wer in der aktuellen Notlage für die Kredite einstehen wird. „Wir müssen abwarten, wie sich der Bund positioniert“, sagt Sebastian Lechner, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag. Es sei klar, dass Niedersachsen diese Aufgabe nicht alleine stemmen könne. Vom Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) erwartet er, das Thema zur „Chefsache“ zu machen, um „den Bund zur Unterstützung zu bewegen.“ Aber wird das reichen?

In Berlin, berichtet „Rundblick“, sei man bislang nicht zu einer Krisenhilfe bereit. Gefragt wäre also ausschließlich Rot-Grün in Hannover. Doch hier besteht der nächste Knackpunkt. Denn das Land hat für 2024 generelle Bürgschaftsmittel von 1,4 Milliarden Euro bereitgestellt. Sollten die für die Meyer Werft nicht ausreichen, müsste Finanzminister Gerald Heere (Grüne) zügig eine Anpassung des diesjährigen Haushaltsplans vorlegen. Spätestens im September bräuchte es die Zustimmung des Landtags. Bis dahin wollen offenbar auch die Banken Klarheit haben.

Es gibt allerdings auch ein deutlich einschneidenderes Szenario: So ist nicht ausgeschlossen, dass sich das Land in die Meyer Werft einkauft, um sie vor dem Untergang zu retten. Das wäre vor allem dann notwendig, wenn das Eigenkapital des Unternehmens nicht erhöht werden kann – etwa durch die Familie Meyer selbst oder durch einen Investor. Eine besondere Situation würde sich ergeben, wenn sich Niedersachsen mit 400 Millionen Euro beteiligen und das Eigenkapital der Werft zugleich niedriger liegen sollte – sie wäre dann mehrheitlich in Staatsbesitz.

Zumindest eine Beteiligung des Landes wäre wohl nachvollziehbar. Für die Wirtschaft im Emsland und Ostfriesland ist die Meyer Werft von enormer Bedeutung. Rechnet man die Zulieferer hinzu, hängen an dem Schiffsbauer rund 18.000 Arbeitsplätze.

Für Gewerkschafter Messerschmidt ist staatlicher Einkauf daher eine Option. „Dass solch ein Schritt funktionieren kann, sehen wir zum Beispiel bei Fincantieri in Italien“, sagt er. Der Schiffsbauer aus dem Süden gehört zu den größten Konkurrenten für die Meyer Werft. Auch wenn es dort finanziell nicht rund läuft, kommt die Werft leicht an Kredite. Der Eigentümer ist schließlich Italien.

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