Freiheitsmarsch Auf den Spuren der Friesischen Freiheit
Knapp 600 Wanderer machten bei der sechsten Ausgabe des Freiheitsmarsches mit. Für die nahe Zukunft hat der Veranstalter große Pläne.
Aurich - Die Rucksäcke sind geschnürt, kurz wird noch das Schuhwerk überprüft, ein schneller Blick auf die Uhr und dann geht es los auf die 23 Kilometer lange Wanderstrecke rund um Aurich. Im Startbereich im Ellernfeld-Stadion dröhnt das Lied „You´ll never walk alone“ aus den Boxen – wie passend.
Am Sonnabend und am Sonntag haben wohl mehr als 600 Wanderer beim sechsten Ostfriesischen Freiheitsmarsch mitgemacht. Mit dieser Ausbeute ist der Organisator Andreas Epple vom MTV Aurich mehr als zufrieden. „Das sind gute Zahlen. Wir haben Wandersportler aus dem ganzen Bundesgebiet. Aus Regensburg, dem Saarland, aber auch aus den Niederlanden. Eine Familie läuft sogar virtuell in Luxemburg mit“, erzählt Epple. Ganz nach dem Motto „Möge das Wandern uns vereinen“ hat der Marsch auf den Pfaden der ostfriesischen Geschichte damit sogar einen internationalen Anstrich.
Aufnahme in internationale Organisation angestrebt
Der passionierte Wanderer verwendet bewusst den Begriff Sport. „Der Wandersport wird immer noch nicht richtig ernst genommen. Aber einen Marsch über 42 Kilometer zu schaffen, ist schon eine Leistung. Dafür muss man trainieren“, sagt Epple. 2019 hatte Epple gemeinsam mit dem TV, der Ostfriesischen Landschaft und der Ostfriesischen Brandkasse den Freiheitsmarsch zum ersten Mal veranstaltet. Seit dem 9. Jahrhundert besaßen die Ostfriesen einen Sonderstatus im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen. Die „Friesische Freiheit“ war im Mittelalter ein einzigartiges Modell im Gegensatz zur feudalen Herrschaft im übrigen Europa. Daran wollen Epple und seine Mitstreiter erinnern. Deshalb führt die Wanderstrecke auch in diesem Jahr zur Erinnerungsstätte Upstalsboom in Rahe.
Mittlerweile ist der Marsch ein fester Programmpunkt im Jahreskalender der Stadt Aurich. Wenn es nach Epple geht, könnte der Freiheitsmarsch bald in ganz anderen Dimensionen ablaufen. Der Auricher plant die Bewerbung für eine Aufnahme in die IML Walking Association. In der Tschechischen Republik muss Epple demnächst in Brünn die Organisation überzeugen. Mitgliedsstaaten sind unter anderem die Niederlande, Schweiz, Irland oder Japan. Deutschland ist bislang nur mit Fulda als Austragungsort mit dabei. Zwei Städte aus einem Land sind möglich, sie müssen laut Epple aber mindestens 500 Kilometer auseinanderliegen. „Das passt bei Aurich und Fulda“, sagt Epple. Frühestens 2026 könnte die Aufnahme gelingen, dann könnte es voll werden in Aurich. „Dann kommen hier noch ganz andere Leute her“, sagt Epple. Im niederländischen Nijmegen kamen kürzlich 42 000 Wandersportler. So viele sollen es in Aurich natürlich nicht werden, aber die Tausender-Marke könnte dann locker geknackt werden.
Besonderes Wanderpaar aus NRW
Der diesjährige Freiheitsmarsch hat wieder ganz besondere Teilnehmer zu bieten, erzählt Epple. Aus Nordrhein-Westfalen machen zwei Sportler mit, der eine blind, der andere taub. „Das sind erfahrene und gut trainierte Wandersportler, die haben sich gefunden und machen überall mit“, sagt Epple. In Aurich geht das Team beim Wander-Marathon über 42 Kilometer an den Start.
Der Start- und Zielort im Ellernfeld-Stadion wird einmalig bleiben im kommenden Jahr geht es wieder zurück ans Große Sett. Für die tapferen Wanderern, die bei der diesjährigen Ausgabe auch mit dem schlechten Wetter zu kämpfen hatten, gab es Medaillen in den verschiedenen Kategorien. Wanderer, die zum sechsten Mal mit dabei sind, dürfen sich auf einen Pin freuen.
Die Wanderer kommen nach und nach erschöpft, aber glücklich im Ziel an. Auf dem großen Transparent dürfen sich alle Durchläufer verewigen.