ADFC findet Haar in der Suppe  Doch nicht alles toll in der Fockenbollwerkstraße?

Marion Luppen
|
Von Marion Luppen
| 09.06.2024 11:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Radfahrer haben auf der Fockenbollwerkstraße deutlich mehr Platz als früher. Fotos: Ortgies
Radfahrer haben auf der Fockenbollwerkstraße deutlich mehr Platz als früher. Fotos: Ortgies
Artikel teilen:

Auf der umgebauten Fockenbollwerkstraße in Aurich haben Fußgänger und Radfahrer viel mehr Platz als früher. Der ADFC ist dennoch nicht zufrieden.

Aurich - Fast zwei Jahre lang war die Fockenbollwerkstraße, eine der meistbefahrenen Straßen Aurichs, eine Großbaustelle. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Das Land Niedersachsen und die Stadt Aurich haben die Straße von Grund auf erneuern lassen. Rad- und Gehwege, Parkstreifen und Regenwasserkanal wurden neu gebaut. Radfahrer und Fußgänger haben jetzt deutlich mehr Platz. Außerdem hat die rund 600 Meter lange Straße, die Teil der L 34 ist, nun am östlichen Ende (Richtung Krankenhaus) einen Kreisverkehr.

Seit dem 8. Mai 2024 ist die Straße wieder für den Durchgangsverkehr freigegeben. Die Erleichterung ist so groß, dass die Gewerbetreibenden und die Stadt feiern wollen. Sie laden für Sonnabend, 15. Juni 2024, zu einem Straßenfest ein. Und doch ist nicht alles perfekt. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Aurich weist darauf hin, dass Radfahrer und Fußgänger noch immer improvisieren müssen. „Ja, man kann da jetzt fahren“, schreibt Albert Herresthal vom Vorstand des ADFC-Kreisverbandes Aurich, „aber im Hinblick auf den Fuß- und Radverkehr gibt es noch jede Menge Provisorien und ein Schilderwirrwarr.“

Querungen nicht nutzbar

So seien die Querungen für Radfahrer noch nicht nutzbar. Man komme an die Auslöser der Ampeln mit dem Rad nicht heran, kritisiert Herresthal. Aufstellflächen seien unklar. Die Gehwege seien trotz des fertiggestellten Radfahrstreifens immer noch mit dem Hinweis „Radfahrer frei“ versehen.

Drücken nützt nichts: Die provisorische Fußgängerampel am vorderen Ende der Straße war vorübergehend außer Betrieb.
Drücken nützt nichts: Die provisorische Fußgängerampel am vorderen Ende der Straße war vorübergehend außer Betrieb.

Die Redaktion hat sich die Situation an Ort und Stelle angeschaut. Die neuen Radwege werden vielfach genutzt. Radfahrer fühlen sich offensichtlich wohl. Viele von ihnen sind sehr flott unterwegs. Trotz der verwirrenden Schilder kommt niemand auf die Idee, mit dem Rad den Gehweg zu benutzen. Die gravierendste Einschränkung betrifft Fußgänger: Die von der Ostertorkreuzung aus gesehen erste provisorische Fußgängerampel ist außer Betrieb. Sie blinkt orange. An dieser Stelle muss man also auf gut Glück die Straße überqueren. Mittlerweile ist dieser Fehler allerdings behoben. Die Ampel funktioniert wieder.

Provisorien „kein Beinbruch“

Herresthal räumt ein, dass vorübergehende Provisorien „kein Beinbruch“ seien. „Andererseits wollen wir am 15. Juni ja die Fertigstellung feiern und da wäre es natürlich schön, wenn man sich mit den Restarbeiten nun nicht mehr so lange Zeit ließe. Sonst würde es so wirken, als käme es beim Fuß- und Radverkehr nicht so darauf an – was natürlich niemand unterstellt.“

Wir haben bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr nachgefragt. Pressesprecher Johannes Booken räumt ein, dass noch nicht alles fertig sei. Das werde auch nicht bis zum Straßenfest am 15. Juni gelingen, fügt er hinzu. Nach mehreren Streiktagen im Baugewerbe werde momentan „mit Hochdruck daran gearbeitet, die Maßnahme auch im Bereich der Geh- und Radwege schnellstmöglich fertigzustellen“.

In den Ferien soll es vorangehen

Aufgrund von „massiven Lieferengpässen“ sei es nicht möglich gewesen, die Ampeln zeitgleich zur Freigabe der Fahrbahn zu installieren. „Bis die neuen Ampelanlagen betriebsbereit sind, bleiben die mobilen Ampeln als sichere Querung weiter eingeschaltet“, schreibt Booken. „Die aktuelle Planung sieht vor, die Maßnahme, und damit auch die Restarbeiten, während der Sommerferien abzuschließen.“ Die Sommerferien gehen vom 24. Juni bis zum 2. August 2024.

Behördenleiter Frank Buchholz hatte bei der Freigabe im Mai gesagt, dass noch einige Restarbeiten an Geh- und Radwegen, am Kreisverkehr sowie an der Wallinghausener und der Egelser Straße zu erledigen seien. Für den Asphalteinbau und die Markierungsarbeiten in der Egelser Straße werde noch einmal eine mehrtägige Vollsperrung erforderlich sein. Kleinere Tagesbaustellen seien noch für den Einbau der Bushaltestellen und der zwei Fußgängerampeln notwendig, so Buchholz damals.

„Das ist schon toll geworden“

Unabhängig davon habe die Landesbehörde bereits viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, erklärt Pressesprecher Booken. „Diese Rückmeldungen zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger schnell erkannt haben, dass durch die Sanierung der Fockenbollwerkstraße dem Radverkehr mehr Platz sowie mehr Komfort und Sicherheit geboten wird.“

Das Schild „Radfahrer frei“ ist in diesem Fall sinnlos. Ein gut ausgebauter Radfahrstreifen verläuft direkt neben dem Gehweg.
Das Schild „Radfahrer frei“ ist in diesem Fall sinnlos. Ein gut ausgebauter Radfahrstreifen verläuft direkt neben dem Gehweg.

Auch Thomas Baier ist voll des Lobes. Er betreibt an der Fockenbollwerkstraße einen Biomarkt und hat wie viele Gewerbetreibende während des Umbaus mit Umsatzeinbußen gekämpft. Nun ist die Freude umso größer, wie der Geschäftsmann im Gespräch mit der Redaktion betont. „Wir sind nicht nur happy, wir sind euphorisch.“

Die neuen Radwege seien sehr gut gelungen, findet Baier. „Man rauscht da durch. Man hat einen schönen Asphalt drunter.“ Und die Streifen seien breit genug zum Überholen, was insbesondere für schnelle E-Bikes wichtig sei. „Das ist schon toll geworden“, findet der Geschäftsinhaber. Wenn die letzten Restarbeiten in den Sommerferien erledigt würden, sei das völlig okay.

Ähnliche Artikel