Osnabrück  Unsere Kurve: Fan-Interessengemeinschaft tagt an der Bremer Brücke

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 04.06.2024 20:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In den Farben getrennt, für die Interessen der Fans vereint: Die Mitglieder von „Unsere Kurve e.V.“ beim Empfang im Rathaus der Stadt Osnabrück am Rande des Bundestreffens. Foto: Thomas Osterfeld
In den Farben getrennt, für die Interessen der Fans vereint: Die Mitglieder von „Unsere Kurve e.V.“ beim Empfang im Rathaus der Stadt Osnabrück am Rande des Bundestreffens. Foto: Thomas Osterfeld
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Am Wochenende stieg in Osnabrück das halbjährliche Bundestreffen von „Unsere Kurve e.V.“, dem Zusammenschluss von Fußballfan-Organisationen von der Bundesliga bis zur Regionalliga. Thomas Kessen, Sprecher der Organisation und aufgewachsen in der Region, war als langjähriger Fan des VfL Osnabrück Gastgeber für über 30 Fanvertreter aus Deutschland in den Räumen der Bremer Brücke.

In den Debatten zum Einstieg eines Investors bei der Deutschen Fußball-Liga wurde er zum Gesicht des erfolgreichen Widerstands der Basis gegen die Mächtigen des Fußballs: Thomas Kessen aus der Fanabteilung des VfL Osnabrück, langjähriger Fan der Lila-Weißen und Sprecher des eingetragenen Vereins „Unsere Kurve“. Nun war Kessen Gastgeber für das halbjährliche Arbeitstreffen der Vertreterinnen und Vertreter von Fan- und Förderabteilungen, Fanclub-Dachverbänden und Interessensgemeinschaften aus den oberen vier Fußball-Ligen Deutschlands, das am Wochenende in den Räumen der Bremer Brücke stattfand. „Es war eine Mischung aus einer angenehmen Arbeitsatmosphäre, aber auch einem lockeren Beisammensein - ich bin platt, aber glücklich nach Hause gefahren“, bilanzierte Kessen das dreitägige Treffen, an dem über 30 Vereinsvertreter von Klubs von der 1. Bundesliga bis zur 4. Liga teilnahmen.

Eine große Bandbreite der Fußballwelt und auch an Themen, die in Osnabrück zur Sprache kamen. Es sei schon spannend, wenn in der Austauschrunde der Vertreter von Bayern München über Probleme der Fans referiere, erschwingliche Charterflüge für Europapokalspiele zu bekommen, während der Abgesandte des VfB Oldenburg von Kapriolen einiger niedersächsischer Verbandsfunktionäre bei fanunfreundlichen Spielansetzungen unter der Woche auf dem Land oder dem Versuch der Etablierung von Kollektivstrafen für sogenanntes Fan-Fehlverhalten auch in der Regionalliga referiere, berichtete Kessen. „Aber genau das macht es auch aus - so vielfältig ist die Fußballwelt“, sagt Kessen. Klar ist aber auch, dass bezüglich vieler Interessen Einigkeit zwischen den Fans der verschiedenen Klubs bestehe - und um sich dieser zu versichern und sie klar zu formulieren, haben die Mitglieder von Unsere Kurve das Bundestreffen in Osnabrück genutzt.

Erkennbar an den drei Kernthemen des Treffens: Die mögliche Positionierung zum Video Assistant Referee, den viele Fans eher ablehnen aufgrund der Verzögerungen, die das Instrument im Spielablauf verursacht sowie der Tatsache, dass er im Vergleich noch keine einheitlichen oder gar stets besseren Entscheidungen hervorbringt. „Wir haben das Thema diskutiert und überlegt, wie es aus Fansicht weitergehen kann“, berichtete Kessen auch mit Blick auf Strategiefragen, wie man künftig argumentiert und sich öffentlich positionieren will. Zum Thema Pyrotechnik und Gewalt will „Unsere Kurve“ demnächst einen Grundsatztext veröffentlichen, an dem unter anderem in Osnabrück gearbeitet worden ist. „Als Waffe lehnen wir Pyrotechnik natürlich ab, nicht aber als Stilmittel - und zum Thema Gewalt gilt es einfach mal festzuhalten, dass es die zuletzt viel zitierte Eskalationsspirale nicht existiert: Selbst Polizeizahlen zeigen, dass der Fußball in den letzten Jahren immer sicherer geworden ist und viele andere Gr0ßveranstaltungen weit mehr Gewaltprobleme haben“, so Kessen.

Diskutiert wurde zudem die Möglichkeit der Etablierung eines hauptamtlichen Mitarbeiters für Unsere Kurve, die abseits einiger nur partiell beschäftigter Minijobber in den letzten Jahren zu 100 Prozent ehrenamtlich getragen wird. „Wir haben diskutiert, ob wir das aus uns heraus können oder ob wir Geld von der DFL annehmen sollen, was sie uns dafür schon seit Längerem anbietet - dann aber würden sich einige moralische Folgefragen stellen und eigentlich wollen wir das lieber vermeiden“, erklärt Kessen. Der Punkt wird wieder auf der Tagesordnung stehen, wenn sich der Zusammenschluss abseits der monatlichen digitalen Treffen im kommenden Winter in Dresden und danach im Sommer in Dresden wieder trifft.

In Osnabrück genossen die Fanvertreter zur Ankunft am Freitag in der neuen Brückenschänke hinter der Nordribüne das Flair der Bremer Brücke und ließen sich bei einem kleinen Rundgang von Kessen mit Blick auf das abgenommene Dach der Ostkurve über den Stand beim Stadion der Lila-Weißen informieren. Am Samstag schauten zur Mittagspause Holger Elixmann und Christoph Determann aus dem VfL-Präsidium beim Treffen vor bei, am Abend nach der Tagung stand noch ein Empfang im Friedenssaal des Rathauses mit Sportbürgermeister Uwe Görtemöller an. Hierbei verfolgten viele Teilnehmer über ihre Handys die zeitgleich stattfindende DFB-Pokal-Auslosung - inklusive entsprechender Informationen und Frotzeleien über die Gegner, die etwa der Vertreter des Karlsruher SC über die nahen Sportfreunde Lotte als Herausforderer entgegen nahm.

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