Berlin E-Autos oder E-Fuels für Diesel & Benziner? Beides bitte!
Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) kämpft weiter für den Hochlauf von sogenannten E-Fuels, mit denen Verbrenner betankt werden können. Am Dienstag hatte er zum zweiten E-Fuels-Treffen nach Berlin geladen. Ist das angesichts der Fortschritte der E-Mobilität nicht grober Unfug?
China überschwemmt den europäischen Markt mit seinen Elektroautos. Der US-Autobauer Ford startet in Köln die Stromer-Serienproduktion und stellt dafür die Fiesta-Fertigung ein. Citroën aus Frankreich kündigt für kommendes Jahr seinen batterieelektrischen C3 für unter 20.000 Euro an. Und was macht Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP)? Er schmiedet in Berlin an seiner E-Fuels-Allianz, um den Verbrenner-Motor zu retten.
Klingt irgendwie gaga. Aber Vorsicht: Was auf den ersten Blick wie eine rückwärtsgewandte Verkehrspolitik aussieht, das hat seine Berechtigung.
Zwar wird der E-Mobilität die Zukunft gehören, daran haben auch Deutschlands Auto-Bosse keine Zweifel. Es gibt eine große Herausforderung bei Rohstoffen und Reichweiten. Die Fortschritte sind freilich so groß, und das Potenzial zur CO₂-Einsparung ist so wichtig, dass der Anteil der Akku-Autos weltweit stetig wachsen und der Anteil der klassischen Verbrenner stetig kleiner werden wird. Auch VW, Mercedes, Audi und Co. sind ja längst dabei, ihre Flotten umzustellen.
Die Offensive der E-Mobiliät bedeutet allerdings nicht, dass alle anderen Antriebsarten über Nacht verschwinden oder Alternativen wie Wasserstoff oder eben synthetische, aus erneuerbaren Energien und abgeschiedenem CO₂ produzierte Kraftstoffe keine wichtige Rolle spielen könnten. Zumal für den gigantischen Bestand an Diesel- und Benzinfahrzeugen, der auch bei Einführung des EU-Verbrennerverbotes global nur sehr, sehr langsam schwinden dürfte.
Und deswegen hat Wissing völlig recht, wenn er sich für den Hochlauf der E-Fuels-Produktion einsetzt. Das ist mühsam. Denn es braucht internationale Standards. Es braucht enorme Anschub-Investitionen aus der Wirtschaft. Es braucht Hersteller. Und es braucht Abnehmer. All das muss auch noch gleichzeitig entstehen. Und ob‘s am Ende klappt, steht nirgendwo geschrieben.
Die Arbeit an verschiedenen Lösungen, und seien sie nur für den Übergang, erscheint trotzdem klüger, als alles auf eine einzige Karte zu setzen – und der Wirtschaft und den Autofahrern keine Wahl zu lassen.