Osnabrück  Ein Anfang für mehr Bildungsgerechtigkeit ist gemacht, aber...

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 04.06.2024 15:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Kinder auf dem Schulhof: Rund 4000 Schulen in ärmeren Gegenden sollen über zehn Jahre von einer speziellen Förderung profitieren. Foto: dpa/Jens Büttner
Kinder auf dem Schulhof: Rund 4000 Schulen in ärmeren Gegenden sollen über zehn Jahre von einer speziellen Förderung profitieren. Foto: dpa/Jens Büttner
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Die Ampel hat sich im Koalitionsvertrag mehr Bildungsgerechtigkeit auf die Fahne geschrieben. Mit dem milliardenschweren Startchancen-Programm für Schulen ist endlich ein Anfang gemacht. Die Bildungsmisere als Ganzes bleibt dennoch eine Herausforderung.

Die schulischen Leistungen der Jugendlichen in Deutschland sind vor allem in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften in den vergangenen Jahren merklich gesunken. Auch soziale Kompetenzen – glaubt man Arbeitgebern, die händeringend Auszubildende suchen – lassen oft zu wünschen übrig.

Wenn das von Bund und Ländern nun auf den Weg gebrachte Startchancen-Programm hier für Besserung sorgen soll, so ist das nur zu begrüßen. Ob es tatsächlich liefert, was sich Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger und andere Bildungspolitiker der Ampel versprechen, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Dass die Politik endlich ein paar Milliarden Euro in die Hand nimmt, um bundesweit gezielt rund 4000 Schulen in ärmeren Gegenden mit vielen sozial benachteiligten Schülern und aus dem Migrationsmilieu zu stärken, ist überfällig.

Interessant: Reif für Europa – bei EU-Wahl kommt‘s erstmals auch auf Jugendliche an

Kaum irgendwo hängt Bildung so stark von der Herkunft und dem Elternhaus ab wie in Deutschland. Zudem ist Bildung der Schlüssel für Integration. Verbesserte Startchancen machen den Unterschied. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mahnt das schon lange an.

Das Startchancen-Programm setzt nun einen Schwerpunkt bei den Grundschulen, also am Beginn des Bildungsweges. Das ist ein richtiger Ansatz. Die Schulen können von dem Geld zusätzliche Sozialarbeiter oder Sprachpädagogen engagieren oder auch in die Schulinfrastruktur investieren, also dort tätig werden, wo sie der Schuh besonders drückt.

Bei allem Lob für den Vorstoß weisen kritische Stimmen darauf hin, dass die bis zu 20 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder das Paket über zehn Jahre kosten lassen, nicht ansatzweise ausreichen werden, um die Bildungskrise zu entschärfen. Dazu hat die Politik das Problem zu lange vor sich hergeschoben. Auch fehlende Lehrkräfte zaubert das Startchancen-Programm nicht aus dem Hut.

Immerhin: Ein Anfang für mehr Bildungsgerechtigkeit ist gemacht. Immer noch glauben viele Menschen an das Aufstiegsversprechen durch Bildung. Die Politik sollte sie nicht enttäuschen.

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