Sylt Demo auf Sylt: Insulaner und Punks setzen Zeichen gegen rechts
Nach den rassistischen Vorfällen an Pfingsten hat Sylt am Wochenende ein Zeichen gegen rechts gesetzt: mit einer großen Demo vor dem Rathaus am Sonntag sowie kleineren Aktionen in der Innenstadt und in Kampen am Samstag.
Sylt hat am Wochenende mehrere deutliche Zeichen gegen Hass und rechte Hetze gesetzt, in Form von Demonstrationen und Mahnwachen. Höhepunkt war die große Demo der Sylter Initiative gegen rechts am Sonntagnachmittag vor dem Westerländer Rathaus, zu der mehrere hundert Menschen gekommen waren.
Wie rechts ist Sylt wirklich? Nela Riehl, Spitzenkandidatin der proeuropäischen Partei „Volt“, stellte der Insel am Sonntagnachmittag ein positives Zeugnis aus, als sie vor den geschätzt rund 400 Demonstrierenden stand, die sich auf dem Westerländer Rathausplatz zur Mahnwache gegen rechts versammelt hatten. „Das hier ist Sylt“, stellte die 38-jährige Hamburger Lehrerin mit Wurzeln in Deutschland und Ghana fest. „Nicht das, was wir in diesem Video gesehen haben.“
Sie sei froh, dass dieses Video veröffentlicht wurde, betonte sie. „Damit alle, die auf Partys und in Schützenvereinen rechtsradikale Parolen grölen, sich nicht mehr sicher fühlen können. Wir sehen euer Verhalten und lassen euch keinen geschützten Raum zur Äußerung eurer Menschenfeindlichkeit, auch nicht auf Partys in Kampen oder Ischgl.“
„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ – schockierend, wie salonfähig rechte Parolen wie diese inzwischen zu sein scheinen, meinte auch Maike Belbe. Als Mitglied der „Initiative Sylt gegen rechts“ hatte sie zu der Mahnwache am Sonntagnachmittag aufgerufen, um klarzumachen, dass die Grenze schon längst überschritten ist. Dass es sich bei den Personen, die in dem Video zu sehen sind, mitnichten um Sylter handelt, betonte neben der stellvertretenden Bürgermeisterin Katrin Kupfer (Grüne) auch Bürgervorsteher Andreas Dobrzinski (CDU). Sylt müsse immer herhalten für Schlagzeilen, man müsse aber aufpassen, dass Sylt seinen Ruf als gastfreundliche Insel nicht verliere.
Dobrzinskis Stellvertreter Peter Marnitz (SPD) ergänzte, wohlstandsverwahrloste Partygänger, die grölen, betrunken Auto fahren und in Schlägereien verwickelt sind – das alles sei zu Pfingsten auf Sylt nichts Neues. „Aber dass sie mit Sekt in der Hand Naziparolen grölen und niemand dabei eingreift, ist ein Zeichen für einen Gesinnungswechsel, der eine Gefahr für unser Vaterland darstellt.“
Schon drei weitere Male hatte die Initiative Sylt gegen rechts in diesem Jahr bereits zu Demonstrationen aufgerufen, niemals zuvor jedoch war die Beteiligung von Menschen, die eigens aus dem Rest des Bundeslandes angereist waren, so groß wie dieses Mal: Neben dem Bundesvorstand der Partei Volt, Mitgliedern des Bundesnetzwerkes gegen rechts und hier und da auch einigen vereinzelten Punks und Antifa-Mitgliedern waren auch die Berliner Musiker Bruneau und Mondmann gekommen, um im Anschluss an die Reden gegen rechts zu rappen.
Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte eine kleine Gruppe von Punks eine Mahnwache vor dem „Pony“ in Kampen abgehalten. Insgesamt vier Personen hatten dort von Samstagabend, ab 20.30 Uhr an, ausgeharrt, um ein Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit zu setzen. Zuvor waren sieben Punks am Samstagnachmittag mit Transparenten durch die Friedrichstraße gezogen, um gegen rechtes Gedankengut zu demonstrieren. Dabei war es später zu einem Eklat gekommen, als ein Passant den demonstrierenden Punks die Imitation eines Hitlergrußes gezeigt haben soll. Daraufhin wurden die Personalien eines Mannes aufgenommen. Am Sonntagmorgen waren einige wenige Punks auch noch vor das Hotel Severins nach Keitum gezogen, um dort gegen rechts zu demonstrieren.
Die Polizei sprach trotz der mehreren angemeldeten Veranstaltungen auf Sylt von einem friedlichen Wochenende ohne größere nennenswerte Zwischenfälle.