Ehrung Geteiltes Echo auf Hannes-Flesner-Platz in Leezdorf
Die Idee von Leezdorfer Politikern, den plattdeutschen Liedermacher zu ehren, stößt auf Zustimmung. Es gibt aber auch Kritik.
Leezdorf - Auf ein geteiltes Echo ist der Vorschlag gestoßen, den Dorfplatz der Gemeinde Leezdorf nach dem bekannten plattdeutschen Liedermacher und Journalisten Hannes Flesner zu benennen. Das haben die Leezdorfer Ratsmitglieder Heidi Schmidt und Heinrich Ubben, die seit Kurzem die neue Ratsfraktion „Moin, Frau Schmidt“ bilden, vorgeschlagen (wir berichteten bereits am Mittwoch).
Flesner, der ab den frühen 1970er Jahren als „fröhlicher Ostfriese“ mit seinen plattdeutschen „Schgangsongs“ überregionale Popularität erlangte und auch als Autor, Schauspieler und Filmemacher tätig war, wurde in Aurich geboren und verbrachte viele Lebensjahre außerhalb Ostfrieslands. Zuletzt lebte er in Leezdorf, wo er am 12. Juli 1984 im Alter von nur 55 Jahren auch starb. Beerdigt ist Hannes Flesner auf dem Friedhof in Osteel.
Den Dorfplatz nach ihm zu benennen, sei eine „nette Idee“, die sie nicht gleich ablehnen wolle, mit der sich die SPD/Grüne-Ratsgruppe aber nicht so recht anfreunden könne, sagte Leezdorfs Bürgermeisterin Gisela Riesebeck (SPD). Man habe den Eindruck, dass Flesner mit Leezdorf „nicht so viel am Hut“ gehabt habe. Sie könne sich daran erinnern, dass Flesner „mit seinem goldenen Ami-Schlitten mit Hamburger Kennzeichen“ nur an Wochenenden nach Leezdorf kam. Es müsse daher zunächst geprüft werden, wie hoch seine Identifikation mit dem Ort überhaupt gewesen sei, forderte die Bürgermeisterin.
Dorfplatz soll neutral bleiben
Allenfalls vielleicht eine Straße, nicht aber der Dorfplatz sollte nach Flesner benannt werden. Der solle auch weiterhin „neutral und generationsübergreifend“ Dorfplatz heißen. Denn: „Von den Jugendlichen kennt Hannes Flesner heute keiner mehr“, glaubt Riesebeck zu wissen. Auch wenn das alles klang, als sei der Vorschlag von Ubben und der abtrünnigen Genossin Schmidt und damit von den Falschen gekommen, betonte Riesebeck mehrfach: „Mit Ubben und Schmidt hat das nichts zu tun.“
Andere sehen das offenbar entspannter. Von einer „generell guten Idee“ sprach der Sprecher der BWG/CDU-Gruppe im Rat, Marion Toben. „Ich finde das persönlich nicht schlecht und wäre dafür“, sagte er auf Anfrage. Flesners Bezug zu Leezdorf sei gegeben, die Gemeinde könnte touristisch von einer Vermarktung profitieren, so Toben.
Lob für den Vorstoß, Flesner in Leezdorf späte Anerkennung zu Teil werden zu lassen, kommt auch von Experten: „Die Idee ist absolut zu begrüßen und gerechtfertigt“, sagte Arno Ulrich, Sprecher des Auricher Freundeskreises Hannes Flesner, der sich jährlich an dessen Geburtstag Anfang Dezember in der Gaststätte Kukelorum in Aurich-Rahe trifft, um an das Werk Flesners zu erinnern und es erreicht hat, dass am 12. Juli, dem 40. Todestag Flesners, ein bislang namenloser Abschnitt des Treckwegs am Ems-Jade-Kanal als „Hannes-Flesner-Padd“ benannt wird. Hannes Flesner habe auch in Leezdorf Spuren hinterlassen. „Ich begrüße die Initiative dort daher sehr“, sagte Ulrichs. Diese sei gerechtfertigt, da neben Älteren auch viele Jüngere, die Flesner persönlich nicht gekannt haben, dessen Lieder schätzten und auch textsicher mitsingen könnten. Er freue sich über jeden Ort, der das Gedenken an Flesner lebendig halte, sagte Ulrichs.
Biograf: Leezdorf war Flesners‘ Kreativzelle
Ähnlich äußerte sich Flesner-Biograf Werner Jürgens. „Leezdorf war Flesners‘ Kreativzelle“, sagte der Journalist und Buchautor den ON. Flesner sei berufsbedingt viel unterwegs gewesen, aber immer gerne nach Leezdorf zurückgekehrt, wo er seit Anfang der 1970er Jahre gelebt und gearbeitet habe. „Das war sein Rückzugsort. Da hat er viel komponiert und getextet“, berichtet Jürgens. Flesners Verbundenheit zum Brookmerland spiegele sich in vielen seiner Lieder. So besang er seinen Leezdorfer Nachbarn Johann Iken und seinen Leezdorfer Mitarbeiter Lübbo „Patent“ Kuske.
Zudem erinnert Jürgens daran, dass ein Jahr nach Flesners Tod dessen bis daher unveröffentlichte Theaterstück mit dem Titel „Opa lätt de Puppen danzen“ von der Theatergruppe des Leezdorfer Heimatvereins uraufgeführt wurde. Eine Verbindung Flesners zu Leezdorf sei eindeutig gegebenen. Und: „Flesner war und ist angesagt“, bestätigt auch Jürgens. Er hoffe, dass die Leezdorfer so einstimmig entschieden wie die Auricher Ortsräte bei der Benennung des Treckwegs. „Da gab es keine zwei Meinungen“, berichtete Jürgens.
Unterdessen teilte Heinrich Ubben mit, dass das „Happy Trio G.H.G. mit Hilde“ angeboten habe, die musikalische Begleitung bei dem Rahmenprogramm zu übernehmen, wenn der Dorfplatz Hannes-Flesner-Platz getauft werde.