Güby  Nach Nazi-Skandal auf Sylt: Auch „Ausländer raus“-Gesänge in Elite-Internat in SH?

Jonas Bargmann
|
Von Jonas Bargmann
| 27.05.2024 12:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In den vergangenen Tagen sorgte ein Video, das auf Sylt aufgenommen wurde, für einen Medienrummel. Partygäste sangen „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ Einen ähnlichen Vorfall soll es nun auch im Internat Louisenlund in Güby gegeben haben. Foto: Joshua Hirschfeld
In den vergangenen Tagen sorgte ein Video, das auf Sylt aufgenommen wurde, für einen Medienrummel. Partygäste sangen „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ Einen ähnlichen Vorfall soll es nun auch im Internat Louisenlund in Güby gegeben haben. Foto: Joshua Hirschfeld
Artikel teilen:

Nach den Nazi-Gesängen auf Sylt soll das Lied „L‘Amour toujours“ wohl auch im Internat Louisenlund im schleswig-holsteinischen Landkreis Rendsburg-Eckernförde umgedichtet worden sein.

Es sollte eine Party werden wie so viele zuvor. Beim Schülerhaus des Internats Louisenlund in Güby – eine wöchentliche Disco der Schüler – wurde am vergangenen Donnerstag ausgelassen gefeiert. Dann erklang der Song „L‘amour toujours“ von Gigi D‘Agostino, ein bekannter Partysong aus den 1990er-Jahren.

Offenbar haben sich dabei in Louisenlund ähnliche Szenen abgespielt wie an Pfingsten im „Pony“ auf Sylt. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Mehrere Schüler sollen den Song umgetextet und statt des Originaltextes „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ gesungen haben.

Die Schule habe umgehend Konsequenzen gezogen, heißt es. Wie ein Insider, der anonym bleiben möchte, unserer Redaktion berichtet, brachen Lehrer die Schülerdisco daraufhin vorzeitig ab. In einer internen Nachricht einer der Betreuerinnen ans Schulkollegium heißt es: „Enttäuschend ist, dass sich scheinbar wirklich viele Schüler dem Gesang angeschlossen haben und der Rest nichts dagegen gesagt oder getan hat.“

Die Schüler sollen mit Verständnis auf den vorzeitigen Abbruch der Party reagiert haben. „Die wenigen gestellten Schüler versicherten, dass der Gesang unüberlegt und nicht ernst gemeint gewesen wäre“, heißt es weiter. Pikant: Viele Schülerinnen und Schüler sollen laut der Mitteilung regelmäßig in der Pony-Bar auf Sylt feiern und waren möglicherweise auch dort an den Nazi-Gesängen beteiligt. Der Vorfall in Louisenlund müsse auf jeden Fall aufgearbeitet werden, heißt es in dem Schreiben weiter.

Die Aufbereitung läuft. Die Internatsleitung will sich am Nachmittag zu den Vorwürfen äußern. Aber nicht nur das Internat ermittelt, auch die Polizei. Auf Nachfrage bei der zuständigen Polizeidirektion Neumünster erklärt Sprecher Kai Kröger, dass die Polizei durch die Medien von dem Vorfall erfahren habe und die Informationen sammeln und prüfen werde.

Das Internat in Güby ist gerade bei den wohlhabenderen Familien beliebt. Familien müssen im Jahr rund 50.000 Euro Schulgeld zahlen. Kosten wie Taschengeld, Lehrbücher, Ausflüge oder Theaterbesuche sind darin nicht einkalkuliert und kommen noch obendrauf. Gerade bei zahlungskräftigen Hamburger Familien scheint das Internat eine geschätzte Adresse zu sein. In knapp anderthalb Stunden ist die Strecke aus der Hansestadt nach Güby (circa 120 Kilometer) zu bewältigen.

+++++ Dieser Artikel wird noch aktualisiert +++++

Ähnliche Artikel