Indigenat, Ubbo-Emmius-Medaille und Upstalsboom-Siegel Ostfriesische Landschaft verleiht hohe Auszeichnungen
Beim „Oll‘ Mai“ wurden jetzt drei Männer ausgezeichnet, die sich um Ostfriesland verdient gemacht haben. Es sind: Herbert Müller, Dr. Paul Weßels und Tom Bohmfalk.
Bensersiel - Ein Künstler, ein Historiker und ein Sportpädagoge sind am Sonnabend im Strandportal Bensersiel beim diesjährigen „Oll‘ Mai“ von der Ostfriesischen Landschaft für ihre besonderen Verdienste um die Region geehrt worden.
Über eine Ubbo-Emmius-Medaille durfte sich der Maler Herbert Müller aus Fehnhusen freuen. Das Indigenat wurde dem jüngst in den Ruhestand verabschiedeten langjährigen Leiter der Landschaftsbibliothek, Dr. Paul Weßels, verliehen. Der Vorsitzende des Ostfriesischen Turn- und Sportfördervereins, Tom Bohmfalk, bekam ein Upstalsboom-Siegel.
Herbert Müller
Herbert Müller ist gebürtiger Norder und aufgewachsen am Stadtrand in der Westermarsch – mit, wie er immer zu sagen pflegt, „damals noch freier Sicht auf die Krummhörn“. Ähnlich wie bei anderen Malern haben Landschaft und Licht auch bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht von ungefähr widmet er sich deshalb gern der Landschaftsmalerei.
Kitschige Heimatidylle wird man in den Bildern von Herbert Müller jedoch vergeblich suchen. Es ist eher die raue Ästhetik von Wind und Wetter, die ihm am Herzen liegt.
Ein zweiter Schwerpunkt, der dem Maler auch überregional Anerkennung gebracht hat, ist sein Interesse an zeitgeschichtlichen Themen – und hier speziell seine Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Konzentrationslager in Engerhafe. Als er Ende der 1980er Jahre mit einer Schulklasse Näheres über die Hintergründe in Erfahrung bringen wollte, stieß er zunächst auf eine Mauer des Schweigens.
Die Bedeutung der Auszeichnungen
Das Ostfriesische Indigenat und die Ubbo-Emmius-Medaille sind die höchsten Auszeichnungen der Ostfriesischen Landschaft. Die Verleihung des Indigenats benutzt die Landschaft als Auszeichnung für Nichtostfriesen, die sich um Ostfriesland in besonderer Weise verdient gemacht haben. Die Ubbo-Emmius-Medaille wird seit 1967 an Ostfriesen als Anerkennung für besonders herausragende Verdienste um Ostfriesland verliehen. Das Upstalsboom-Siegel wird für lokal begrenzte und fachspezifische Verdienste um Geschichte, Kunst, Kultur oder Bildung verliehen.
Heute existiert in Engerhafe eine Gedenkstätte. Und die Gräueltaten, die die Nazis dort verübt haben, sind nicht zuletzt dank diverser Kohlezeichnungen, die der Maler auf Basis von Zeitzeugenaussagen skizziert hat, als mahnende Erinnerung für die Nachwelt dokumentiert.
Dr. Paul Weßels
Dr. Paul Weßels stammt aus dem Münsterland. Er hat sich bereits lange bevor er 2008 Chef der Landschaftsbibliothek wurde mit der Regionalgeschichte Ostfrieslands beschäftigt. In den 1990er Jahren verfasste Weßels Chroniken über die Gemeinden Holtland und Hesel. Seine Dissertation an der Universität Oldenburg hatte das Kloster Barthe zum Thema.
Nach der wissenschaftlichen Betreuung des Ziegeleimuseums in Midlum wechselte er als Referent ans damalige Auricher Staatsarchiv, wo er sich um den Aufbau einer Ortsdatenbank für Ostfriesland kümmerte.
Während seiner Zeit als Leiter der Landschaftsbibliothek beteiligte sich Dr. Weßels an Projekten in Oldenburg, dem Emsland und Groningen, war Mitglied der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen sowie der Fachgruppe Geschichte des Niedersächsischen Heimatbundes.
Zu den Initiativen, die er mit auf den Weg gebracht hat, gehören unter anderem der alljährliche „Tag der ostfriesischen Geschichte“, ein Arbeitskreis zur Flurnamenforschung, und der seit 2009 ebenfalls einmal im Jahr vergebene „Schülerpreis für ostfriesische Geschichte und Kultur“.
Tom Bohmfalk
Tom Bohmfalk ist gebürtiger Hesse, mittlerweile aber seit etlichen Jahrzehnten fest in Ostfriesland verwurzelt. Nach seiner Einstellung in den Schuldienst in den 1990er Jahren in Bingum übernahm er zahlreiche Ehrenämter, so zum Beispiel die Leitung der Jugendbildungsstätte auf Baltrum. Darüber hinaus engagierte er sich auf unterschiedlichsten Ebenen für die Förderung des Turnsports.
Die breite Öffentlichkeit kennt Tom Bohmfalk vor allem als Mitinitiator und Organisator der Ostfriesischen Turnshow, die ursprünglich im Jahr 2004 als Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Tsunami-Opfer im Indischen Ozean entstand. Daraus entwickelte sich ein inzwischen fest etabliertes Event, mit dem nach wie vor regelmäßig Geld für gemeinnützige Zwecke gesammelt wird.