Sylt  Erster Skandal-Sänger von Sylt meldet sich zu Wort – neuer Fall in Erlangen

Mark Otten
|
Von Mark Otten
| 26.05.2024 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rassistisches Gegröle auf Sylt - Club Pony Foto: dpa/Lea Sarah Albert
Rassistisches Gegröle auf Sylt - Club Pony Foto: dpa/Lea Sarah Albert
Artikel teilen:

Im Skandal-Video aus dem Sylter „Pony“-Club singt er „Ausländer raus“, reckt dabei den rechten Arm in die Luft und simuliert mit seinen Fingern einen „Hitler-Bart“. Nun hat der Mann laut einem Medienbericht eine Stellungnahme abgegeben.

Moritz N. ist einer der Männer, die deutlich in dem Clip zu sehen sind, der seit Tagen für bundesweite Empörung sorgt. Darin trägt er den Pulli locker über den Schultern, die Sonnenbrille im kurzen Haar – und zeigt öffentlich den Hitlergruß, samt angedeutem Hitler-Schnurrbart.

In einer Stellungnahme teilte der Mann laut „Bild“ mit: „Ich will mich öffentlich und aufrichtig entschuldigen für das, was passiert ist. Alle, die wir damit vielleicht verletzt haben, bitte ich um Entschuldigung.“

Sein Verhalten könne er sich nicht erklären – er sei betrunken gewesen. Er schäme sich für einen „ganz schlimmen Fehler“. Außerdem habe er sich der Polizei gestellt und werde die rechtlichen Konsequenzen tragen, so der junge Mann.

Staatsanwaltschaft, Polizei und der Staatsschutz haben die Ermittlungen aufgenommen. Die „Pony“-Betreiber haben unter anderem gegen Moritz N. Strafanzeige gestellt.

Moritz N. gibt an, er sei weltoffen und tolerant erzogen worden, habe außerdem selbst viele Freunde mit Migrationshintergrund. „Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen, die das jetzt lesen, mir nicht abnehmen, dass es mir unendlich leidtut.“

N.s Arbeitgeber, die Werbeagentur-Gruppe Serviceplan Group, erklärte bereits am Freitagabend auf Instagram, sie habe den Mitarbeiter fristlos entlassen. Auch eine im Video sichtbare Frau hat ihre Anstellung bei einer Influencerin mit Migrationshintergrund verloren.

Laut Moritz N. würden auch Familie und Freunde des Gefilmten angefeindet. Dazu schreibt Moritz N. laut Bild: „Das war mein Fehler, für den auch nur ich geradestehen sollte, und nicht meine Freunde und Verwandte, die nicht dabei waren. Deshalb meine Bitte: Seid böse mit mir, aber nicht mit meinen Freunden und Verwandten.“ 

Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) nannte die Video-Szenen verstörend und absolut inakzeptabel. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte er, Deutschland habe es geschafft, zu einer starken Demokratie zu werden, die auf Respekt und Pluralität gebaut sei. „Das zu schützen, ist unsere Aufgabe.“

Der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz fragte: „Was geht eigentlich in den Köpfen dieser Leute vor, das ist doch auch mit Alkoholkonsum nicht mehr zu erklären.“

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte am Wochenende, menschenfeindliche Ideologie sei inzwischen ganz offensichtlich „Teil der Popkultur“. Und sie sei in Milieus salonfähig, denen klar sein müsse, dass Ausländer maßgeblich zum Wohlstand beitrügen.

Auch der Club Rotes Kliff im Nobelort Kampen berichtete von einem „Rassismus-Vorfall“ zu Pfingsten. Die betroffenen Personen seien des Clubs verwiesen worden und hätten jetzt Hausverbot, schrieben die Betreiber am Freitag auf Instagram.

Doch Sylt ist kein Einzelfall. Schon in den vergangenen Monaten gab es immer wieder Vorfälle, bei denen zu dem Lied Nazi-Parolen gerufen wurden – etwa in Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. In der Oberpfalz ermittelte die Polizei nach einem möglichen Vorfall bei einem Faschingszug im Februar. 

In Erlangen skandierten – wie auf Sylt – zwei Männer auf der Bergkirchweih rassistische Parolen zum Lied „L‘amour toujours“. Wie die Polizei am Samstag mitteilte, bekamen die Verdächtigen im Alter von 21 und 26 Jahren am Freitagabend ein Betretungsverbot – der Staatsschutz leitete Ermittlungen ein.

Pia Lamberty ist Co-Geschäftsführerin des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierungstendenzen und Verschwörungserzählungen im Netz untersucht. Für die Expertin zeigt das Sylt-Video eine Normalisierung rechtsextremer Inhalte in der Gesellschaft. Und: „Rechtsextremismus ist nicht nur ein Problem, das man in Ostdeutschland sieht oder bei Menschen, die ein geringeres Einkommen haben, sondern auch bei höheren Schichten.“

(Mit Material von dpa.)

Ähnliche Artikel