Cloppenburg  Schützenfest in Niedersachsen: Jugendliche grölen „Ausländer raus“ – Verein reagiert

Jakob Patzke, Mark Otten
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Von Jakob Patzke, Mark Otten
| 24.05.2024 19:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auf einem Video aus dem Landkreis Cloppenburg ist zu sehen, wie Jugendliche auf einem Schützenfest die Parole „Ausländer raus“ grölen. Foto: dpa/Andrea Warnecke
Auf einem Video aus dem Landkreis Cloppenburg ist zu sehen, wie Jugendliche auf einem Schützenfest die Parole „Ausländer raus“ grölen. Foto: dpa/Andrea Warnecke
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Ein Video, das Gäste des Kult-Club „Pony“ auf Sylt zeigt, wie sie die rassistische Parole „Ausländer raus“ grölen, sorgt bundesweit für Entsetzen. Kurz darauf tauchen Aufnahmen aus dem Landkreis Cloppenburg auf, die ähnliche Szenen zeigen.

Die deutsche Urlaubsinsel Sylt wird derzeit von einem Rassismus-Skandal erschüttert. Auslöser ist ein Video von Gästen des Clubs „Pony“, wie sie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ zur Melodie des Liedes „L‘amour Toujours“ vom DJ Gigi D‘Agostino grölen. Darüber hinaus ist zu sehen, wie sich ein Mann zwei Finger an die Lippen hält, um damit ein Hitler-Bärtchen anzudeuten, und dazu den Hitler-Gruß macht.

Nun ist laut Polizei im Landkreis Cloppenburg ein Video aufgetaucht, das ähnliche Szenen zeigt. Die Aufnahmen stammten demnach von einem Schützenfest im Ort Löningen. Zunächst hatte das Regionalmagazin „buten un binnen“ berichtet, dem das Video nach eigenen Angaben vorliegt. Die Aufnahmen seien, wie beim Fall auf Sylt, am vergangenen Pfingstwochenende entstanden sein.

Zu sehen sei eine Gruppe junger Menschen, die ebenfalls zur Melodie „L‘amour Toujours“ mutmaßlich volksverhetzende Parolen grölen. Mehrfach seien Sätze wie „Ausländer raus“ oder „Deutschland den Deutschen“ zu hören. Nach Angaben der Polizei Cloppenburg hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen.

„In einer weltoffenen und toleranten Gesellschaft, die gerade erst das 75-jährige Bestehen des Grundgesetzes gemeinsam gefeiert hat, ist ein solches Verhalten mit unserem Menschenbild nicht vereinbar.“, sagte Andreas Sagehorn, Präsident der Polizeidirektion Oldenburg.

Der Schützenverein Bunnen von 1844 e. V. distanzierte sich auf Instagram von dem Vorfall. Der Vorstand habe erst am Dienstag davon erfahren und verurteile rechtsradikale Parolen. Der Schützenverein sei vielfältig und jeder herzlich willkommen.

Aus Sicht der Expertin Pia Lamberty zeigt das Sylt-Video eine Normalisierung rechtsextremer Inhalte in der Gesellschaft. „Ohne dass es irgendeine Form von Widerspruch gibt, werden die sozialen Normen einfach gebrochen“, sagte die Co-Geschäftsführerin des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierungstendenzen und Verschwörungserzählungen im Netz untersucht. „Menschen können ohne Scheu in der Öffentlichkeit extreme Parolen äußern.“ 

Für die Cemas-Expertin verdeutlicht der Fall: „Rechtsextremismus ist nicht nur ein Problem, das man in Ostdeutschland sieht oder bei Menschen, die ein geringeres Einkommen haben, sondern auch bei höheren Schichten.“ Das Bedrohliche für Betroffene sei vor allem die strukturelle Macht, die diese Personen potenziell einmal ausüben könnten. Das Video zeige: „Rassismus geht auch von Menschen aus, die an Universitäten studiert haben oder in Managementpositionen stehen.“

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