Osnabrück  Äußerst sehenswert: Münchener „Polizeiruf 110: Funkensommer“ mit Johanna Wokalek

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 24.05.2024 19:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit dem Brandermittler Hanno Senoner (Golo Euler, links) wollen die Mordermittler Dennis Eden (Stephan Zinner) und Cris Blohm (Johanna Wokalek) die Brandstiftung mit Todesfolge in der Niederlassung der Unternehmerfamilie Hechtle aufklären. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de. „Polizeiruf 110: Funkensommer“. Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr. Foto: © BR/Sappralot Productions GmbH/Alexander Fischerkoesen
Mit dem Brandermittler Hanno Senoner (Golo Euler, links) wollen die Mordermittler Dennis Eden (Stephan Zinner) und Cris Blohm (Johanna Wokalek) die Brandstiftung mit Todesfolge in der Niederlassung der Unternehmerfamilie Hechtle aufklären. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de. „Polizeiruf 110: Funkensommer“. Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr. Foto: © BR/Sappralot Productions GmbH/Alexander Fischerkoesen
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Der Münchener „Polizeiruf 110: Funkensommer“ mit Johanna Wokalek über einen „heißen Abriss“ mit Todesfolge beendet die Sonntagskrimi-Saison 2023/24. Lesen Sie hier, wieso die Dreharbeiten sogar die echte Polizei auf den Plan riefen.

Nach dem Brand eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes wird in den Trümmern eine bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche gefunden. Die Eigentümer des Gebäudes, Angehörige der einflussreichen Münchener Familie Hechtle, warten bereits seit zehn Jahren auf eine Abrissgenehmigung. Der Verdacht eines „heißen Abrisses“ mit Todesfolge liegt da natürlich nahe.

Aber die Spurensicherung erweist sich als schwierig. Nicht nur, weil Kriminalhauptkommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek) erst einmal mit Schwung in das wichtigste Beweisstück, einen billigen Gasheizkörper aus dem Baumarkt, stolpert. Auch der pedantische Brandermittler Hanno Senoner (Golo Euler) erweist sich als Problem. Zumindest aus der Sicht von Blohms Kollegen Dennis Eden (Stephan Zinner). Der kann Senoner, diesen „Schönling“ und „Hurensohn“, der sich nackt für einen Feuerwehrkalender ablichten ließ, nicht ansatzweise ausstehen.

Als es dann auch noch zwischen der Kommissarin und dem Brandermittler im zwischenmenschlichen Bereich funkt, wird Edens Impulskontrolle auf eine harte Probe gestellt. Zu allem Überfluss steht ausgerechnet Staatsanwältin Dr. Sertl (Jessica Kosmalla) den Ermittlungen im Wege. Unverhohlen spricht sie sogar eine Warnung aus, gegen die Hechtles zu ermitteln. Was die mit ihrer Autoverleih-Firma doch schon alles für München getan haben! Aber Blohm wäre nicht Blohm, wenn sie sich von so einer Warnung einschüchtern ließe. Nur leider lässt sich bei den Hechtles außer dysfunktionalen Familienstrukturen nicht viel finden. Als dann auch noch ein wichtiger Zeuge bei einem zweiten Feuer ums Leben kommt, ist guter Rat teuer.

Drehbuchautor und Regisseur Alexander Adolph stellt nicht nur die Ermittler, sondern auch die Zuschauer vor ein reizvolles Rätsel, das sich aus zahlreichen Spuren und Fragen zusammensetzt. Wieso lässt sich Blohm auf eine Affäre mit dem Brandermittler ein? Weshalb hängt der sich außerhalb seines eigentlichen Aufgabenbereichs so vehement in diesen Fall rein? Und warum ist der Staatsanwältin so sehr daran gelegen, die elitäre Familie der Autoverleiher vor Ermittlungen zu schützen?

Adolph gelingt mit „Polizeiruf 110: Funkensommer“ ein äußerst sehenswerter Krimi, der nicht nur mit falschen Fährten bei der Tätersuche, sondern auch raffiniert mit längst abgegriffenen Mustern des Genres spielt. Wie bitte? Die Kommissarin hat ein Verhältnis mit einer Person, die ebenfalls irgendwie in den Fall involviert ist? Kennt man doch, oder? Darüber hinaus lebt der Film von faszinierenden, teils fremdartig anmutenden Bildern (Kamera: Alexander Fischerkoesen) der nächtlichen Großstadt. Und von einem großartigen Ensemble, das bis in die Nebenrollen mit unter anderem Gerhard Wittmann als Wachmann Busch herausragend besetzt ist.

Herausragende Arbeit haben ganz offensichtlich auch die Tricktechniker bei der Herstellung der Brandleiche geleistet. Dafür bekam die Filmcrew dann sogar Besuch von der echten Polizei, wie Produzent Hamid Baroua in einem Pressestatement verrät. Der betriebseigene Drucker sei kaputt gewesen, weshalb die Fotos der verkohlten Leiche schnell in einem Laden um die Ecke ausgedruckt werden mussten. Die Fotos kamen einem nicht eingeweihten Mitarbeiter dann aber dermaßen verdächtig vor, dass der die Polizei rief, die dann erst einmal den armen Außenrequisiteur festgenommen hat. Irgendwie hat sich die Geschichte aber dann doch noch aufgelöst.

Mit „Funkensommer“ gehen die beliebten ARD-Sonntagskrimis „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ nun endgültig in eine sehr lange Sommerpause, die voraussichtlich mindestens bis zum Ende der Olympischen Sommerspiele Mitte August dauern wird. Bis dahin gibt es neben Sport immerhin ein paar Wiederholungen.

„Polizeiruf 110: Funkensommer“. Das Erste, Sonntag, 26. Mai, 20.15 Uhr und in der ARD Mediathek.

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