Medizinische Versorgung Auricher Ärzte kritisieren neues Lauterbach-Gesetz
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will bessere Bedingungen für Hausärzte schaffen. Das neue Gesetz ist nach Ansicht von Auricher Ärzten nur ein erster Schritt.
Aurich/Berlin - Mehr Geld für Ärzte, weniger Wartezeit für Patienten und kein Ärztemangel mehr auf dem Land: Das verspricht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit seinem neuen Gesetzentwurf für die ambulante Versorgung. Bei Hausärzten sollen die Obergrenzen bei der Vergütung aufgehoben werden. Mehrarbeit würde sich dann lohnen. Das Kalkül: Ärzte könnten länger arbeiten und so mehr Patienten behandeln.
Das Kabinett hat den Gesetzentwurf am Mittwoch gebilligt. Der große Wurf, um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern, ist es aber nicht. Das sehen die hiesigen Vertreter von Kassenärztlicher Vereinigung und Ärztekammer jedenfalls so.
Streichung von Obergrenzen wird begrüßt
Dr. Jörg Weißmann ist Vorsitzender der Bezirksstelle Aurich der Ärztekammer Niedersachsen. Es habe im Vorfeld des Gesetzes einen regen Austausch über die beabsichtigten Neuregelungen gegeben, so Weißmann auf Anfrage unserer Zeitung. „Enttäuscht sind wir Hausärzte darüber, dass der Bonus in Höhe von 30 Euro für Versicherte, die an einer hausarztzentrierten Versorgung (HZV) teilnehmen, gestrichen wurde.“ Anfang Mai erst habe sich der Deutsche Ärztetag in Mainz für eine Stärkung der primärärztlichen Versorgung nach dem HZV-Modell ausgesprochen. Da hätten die Ärzte sich mehr Unterstützung seitens der Politik gewünscht.
Die Ärztekammer begrüße dagegen die Streichung von Obergrenzen bei der Vergütung hausärztlicher Leistungen und die angekündigte Vorhaltepauschale für Hausarztpraxen. Ein Fortschritt sei auch die geplante Einführung einer quartalsübergreifenden Versorgungspauschale für die Behandlung von chronisch kranken Patienten, die keine intensive Betreuung benötigen.
Kassenärzte fordern mehr Geld für alle Ärzte
All diese Neuerungen machen laut Weißmann allerdings keinen so großen Unterschied, wenn es darum geht, für Hausarztpraxen Nachfolger zu finden. Eine größere Hoffnung sei da vielleicht die Landarztquote, die Medizinstudierende verpflichtet, später nach Studium und Facharztausbildung in der hausärztlichen Versorgung tätig zu sein. Aber auch durch diese Quote gebe es keine zusätzlichen Studienplätze. Wenn also Studienplätze für Hausärzte reserviert würden, würden in anderen Fachbereichen Mediziner fehlen. „Es fehlt insgesamt, auch in Krankenhäusern und im öffentlichen Gesundheitsdienst, an Ärzten.“ Das sei ein großes Problem, das nur durch die Schaffung von zusätzlichen Studienplätzen gelöst werden könne.
Geschäftsführer der Auricher Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) ist Dieter Krott. Die Entbudgetierung sei von der KVN lange gefordert worden. „Aus diesem Grund freuen wir uns sehr darüber.“ Es sei eine wichtige und richtige Entscheidung. Es ist nach Ansicht von Krott aber nur der erste Schritt. Wünschenswert sei die Entbudgetierung für alle Arztgruppen.
Aber auch das alleine werde nicht reichen, um die Tätigkeit in der ambulanten ärztlichen Versorgung gesamt attraktiver zu gestalten. Dazu gehörten der Bürokratieabbau in den Praxen, der Wegfall von Regressrisiken und eine funktionierende Telematik-Infrastruktur. Das alles seien Punkte, die es noch zu klären gelte, so Krott.