Kampen auf Sylt Nie wieder ist Jetzt: Sylt muss klare Kante zeigen
Im Pony-Club in Kampen auf Sylt haben Gäste rassistische Parolen gegrölt. Dass die Betreiber nicht eingegriffen haben, hat einen mehr als bitteren Nachgeschmack.
In gut zwei Wochen ist Europawahl. Dann werden rund 350 Millionen Wahlberechtigte, darunter erstmals Millionen Jugendliche ab 16 Jahren, ihre Stimme abgeben. Darunter auch die jungen Menschen, die an Pfingsten im Club Pony in Kampen auf Sylt Nazi-Parolen gegrölt, sich dabei auch noch gefilmt und ihr menschenfeindliches Gedankengut – protzend, mit Rosé- und Champagnergläsern in der Hand – im Internet präsentiert haben. Eine Aktion, die mit nichts zu entschuldigen ist und spürbare Konsequenzen haben muss.
Die Reaktion der Betreiber des Kampener Clubs kam noch in der Nacht zu Freitag, hinterlässt aber dennoch einen bitteren Nachgeschmack. Das laute und hörbare Grölen von Nazi-Parolen hätte schon an Pfingsten direkt und umgehend unterbunden werden müssen. Mit der Aussage, dies nicht mitbekommen zu haben, machen sich die Betreiber unglaubwürdig und nähren den in den sozialen Medien verbreiteten Vorwurf, dass es für die gut betuchte Klientel in Kampen offenbar keine Regeln gibt.
Schuldig gemacht haben sich in diesem Fall aber auch die umstehenden Menschen, die im Takt nicht nur zu Musik, sondern auch zum Gegröle wippten und sogar das Andeuten des Hitlergrußes duldeten. Die Ankündigung eines „Hausverbots für diese Nazis“ kann nicht über den Eindruck hinwegtrösten, dass Rassismus und Diskriminierung in diesem Moment stillschweigend von Anwesenden akzeptiert worden sind.
Und genau das darf nicht sein. „Nie wieder ist jetzt“ sollte nicht nur eine Floskel sein. Es ist wichtiger denn je, dass wir uns trauen laut zu werden, wenn um uns herum Rassismus, Diskriminierung und Faschismus ohne jegliche Scham ausgelebt und zum „Spaßfaktor“ auf Partys werden. Sylt muss jetzt klare Kante zeigen und deutlich machen, dass Menschen mit rechtsextremem Gedankengut nicht willkommen sind.