Immobilienmarkt Forderung nach Auricher Sozialwohnungen
Hunderte Wohnungen fehlen in der Stadt Aurich bis 2030. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist knapp. In der Stadtpolitik wird daher immer lauter über eine eigene Wohnungsbaugesellschaft nachgedacht.
Aurich - Eine überraschende Wende nahm die Sitzung des Auricher Finanzausschusses am Mittwoch. Eigentlich sollte nur der Verkauf eines alten Hauses beschlossen werden. Doch plötzlich stand die Politik kurz davor, eine städtische Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, um eigene Sozialwohnungen bauen zu können. Aber der Reihe nach.
Die Stadt Aurich verfügt über eine ganze Reihe von Wohngebäuden, die in den vergangenen Jahren oft nicht gut gepflegt worden sind und nun deswegen teilweise leer stehen. Zu sehen ist das zum Beispiel im Schlehdornweg und im Hohegaster Weg. Ein weiteres Häuschen befindet sich in der Brunsstraße 11, in der Nähe des alten Wasserturms der Stadt. Das Haus steht leer und ist laut Kämmerin Katja Lorenz im jetzigen Zustand auch nicht mehr zu vermieten. Denn Schimmel habe sich ausgebreitet, Salpeter ist in den Mauern zu finden. Eine Sanierung ist laut Lorenz nur zu Neubaukosten möglich und würde sich frühestens nach 70 Jahren durch Mieteinnahmen amortisieren.
Kämmerin: Erlös in Wohnungsbau investieren
Da sei es besser, das Haus an einen Investor zu verkaufen. Das so eingenommene Geld könne die Stadt dann lieber wieder in Wohnungsbau investieren, so Lorenz. Eine Bemerkung, bei der Hendrik Siebolds (Linke) sofort hellhörig wurde. Ja, man könnte ja einen Topf bilden. „Aber wir bauen ja nicht.“ Ein Verweis auf die alte Forderung unter anderem der Linkspartei, in Aurich eine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. Auch die Grünen haben ein solches Unternehmen bereits mehrfach gefordert.
Mit einer solchen Gesellschaft könnten dann echte, geförderte Sozialwohnungen errichtet werden. Denn preiswerter Wohnraum fehlt in Aurich. Ein Konzept, das Siebolds bereits mehrfach dem Rat vorgerechnet hat in den vergangenen Jahren. Durchsetzen konnte seine Fraktion sich damit bislang allerdings nicht.
Stadt besitzt 150 Wohnungen
Das sah am Mittwoch plötzlich anders aus. Denn nun kam auch aus der SPD Zustimmung zu einer Wohnungsbaugesellschaft, um Sozialwohnungen zu errichten. Das hörte Siebolds gerne und rief zur Tat. „Mit Euch haben wir die Mehrheit. Eine Wohnungsbaugesellschaft können wir noch vor den Sommerferien beschließen.“ Die Antwort gab SPD-Ratsfrau Erika Biermann: „Das können wir gerne machen.“
Zwei Ratssitzungen gibt es noch vor den Sommerferien. Vielleicht wird die Stadt Aurich tatsächlich demnächst echte Sozialwohnungen bauen. Bereits jetzt gehören der Stadt laut Katja Lorenz 150 Wohnungen. Wann immer eine frei werde, würde die Stadt die betreffende Wohnung als Sozialwohnung bei der N-Bank anmelden. Ein Prozess, der aber eher schleppend vorangeht. Denn angemeldet werden können nur leerstehende Wohnungen. „Und wir können die Leute ja nicht vor die Tür setzen“, so Lorenz. Daher seien bislang nur zwei der 150 Wohnungen in Sozialwohnungen mit gedeckelter Miete verwandelt worden.