Politische Bildung „Omas“ in Auricher Schulen nicht erwünscht
Bald ist Europawahl. Daher wollten einige „Omas gegen Rechts“ in Schulen mit Jugendlichen ins Gespräch kommen. Aus dem Treffen wurde aber nichts.
Aurich - Klare Kante zeigen die „Omas gegen Rechts“ bereits in ihrem Namen. Sie wollen den anhaltenden Zulauf zu rechtsextremen Parteien wie der AfD stoppen. Die Zeit vor der Europawahl am 9. Juni ist daher auch für die „Omas gegen Rechts“ eine Phase mit vielen Terminen und Auftritten.
Einer jedoch kann nicht wie geplant stattfinden, wie ein Mitglied der bunten Truppe, zu der auch der ein oder andere Opa gehört, unserer Redaktion mitteilte. Ein Teil der Auricher „Omas“ habe einen Politik-Kurs der IGS Aurich besuchen wollen, um sich mit den jungen Erstwählern zu unterhalten. Das sei aber nicht gestattet worden.
Realschulleiterin kann Zögern verstehen
Begründet wurden die Auricher „Omas gegen Rechts“ von Bettina Hoppe und Margret Tobiassen. Letztere wird von ihrem Mann Bernd unterstützt, der als einer der „Opas“ bei der Truppe dabei ist. „Die Schulleitung hat wohl Bedenken wegen der gebotenen politischen Neutralität der Lehrer“, so Bernd Tobiassen im Gespräch mit unserer Zeitung. Da gebe es noch Gesprächsbedarf. Es habe auch nur ein Angebot anlässlich der Europawahl sein sollen. „Ein Teil von uns hat großes Interesse daran, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Das gelte auch nach der Europawahl noch, so Tobiassen.
Eine Anfrage bei der IGS Aurich blieb unbeantwortet. Das Zögern der Schule können aber Kathrin Peters, Leiterin der Realschule Aurich, und Rüdiger Musolf, Leiter des Gymnasiums Ulricianum, nachvollziehen. „Ich persönlich finde die Omas gegen Rechts gut und ihre Ansichten richtig“, sagt Kathrin Peters. Ein Besuchsrecht in der Schule hält sie aber für problematisch, weil der „Gegenseite“ dieses Recht auch eingeräumt werden müsste. Und das würde sie auch nicht wollen.
Verweis auf viel Material zur politischen Bildung
Das Landesschulgesetz sehe die Erziehung von Schülern zu mündigen Staatsbürgern vor. „Das bedeutet eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen politischen Meinungen.“
Peters verweist auf einen Erlass, der den Besuch von Politikern in Schulen regelt. „Zu uns kommen demokratisch gewählte Abgeordnete ins Haus und halten sich dabei immer sehr neutral und fair gegenüber den anderen Parteien.“ Trotzdem sei es wichtig, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufzuzeigen, wofür die Parteien so stehen. Schule müsse die Jugendlichen, die bei der Europawahl erstmals schon mit 16 wählen dürfen, vorbereiten. Dafür gebe es viel Material und Möglichkeiten auf den Seiten der „Zentrale für politische Bildung“ und im Wahlomat für Schüler. „Trotzdem sehe ich es als Verpflichtung der Schulen an, auf rechtsextreme Auffassungen, volksverhetzende und rassistische Parolen einzugehen und immer wieder auf die deutsche Geschichte hinzuweisen. Auch in diesem Bereich hat Schule einen Erziehungsauftrag“, so Peters.
Leiter des Gymnasiums: „Das ist mir zu plakativ“
Auf einen weiterführenden Erlass bezieht sich Rüdiger Musolf. Er trägt den Titel „Stärkung der Demokratiebildung“ an Schulen und ist vom Mai 2021. Die dort genannten Beispiele zur demokratischen Bildung würden vom Ulricianum umgesetzt, so Musolf. Dazu gehörten außerschulische Lernorte, der Besuch von Mandatsträgern in der Schule sowie Kontakte zu anderen Einrichtungen zur politischen Bildung. „Die Schüler haben eine große Auswahl, politische Bildung zu erfahren“, so Musolf.
Bei den „Omas gegen Rechts“ allerdings handele es sich weder um Mandatsträger noch um einen eingetragenen Verein. Bernd Tobiassen selbst nennt die Gruppe einen „wilden Haufen, der die Demokratie erhalten will“. Musolf formuliert es enger. „Die Omas wollen eine politische Meinung verbreiten.“ Das würden sie ja bereits im Namen tragen. Und das sei ihm zu pauschal. „Was ist ‚rechts‘?“, fragt der Schulleiter. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit habe man mit dem Begriff die CDU gemeint. „Das ist mir zu plakativ.“
Er wolle nicht ausschließen, die „Omas gegen Rechts“ gemeinsam mit AfD-Vertretern zu einer Diskussion einzuladen. Es bestehe aber bei einer Einladung nur an die „Omas“ die Gefahr, dass andere, radikale, Gruppen dieses Recht auch für sich einfordern würden. „Ich stelle das Ansinnen der ‚Omas gegen Rechts‘ nicht in Frage“, betont Musolf. Schule sei kein wertneutraler Ort. Lehrer müssten eine Position zu Grundgesetz, Rechtsstaat und Demokratie beziehen. Das könne aber nicht geschehen, indem man eher lockere Gruppierungen wie die „Omas gegen Rechts“ in die Schulen einlade.
Die „Omas gegen Rechts“ lassen sich davon nicht entmutigen. Man wolle weiter versuchen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, so Tobiassen, wenngleich das in den Schulen vor der Europawahl nicht mehr klappen dürfte.