Hamburg HSV nach Saisonabschluss: Viele offene Baustellen – aber auf die Fans ist Verlass
Der Hamburger SV schenkt den treuen Fans mit dem 4:1 gegen Nürnberg noch einmal einen Sieg und kann sogar noch neue Rekorde feiern. Dennoch verlief die Zweitliga-Saison enttäuschend und es bleiben einige Baustellen, das weiß auch Sportvorstand Jonas Boldt.
Wenn sich der HSV auf eines in dieser Saison in der 2. Fußball-Bundesliga verlassen konnte, dann auf seine treuen Fans. Auch zum letzten bedeutungslosen Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (4:1) pilgerten wieder 57.000 Zuschauer in das ausverkaufte Volksparkstadion, auch wenn nicht alle Dauerkartenbesitzer auf ihren Plätzen saßen. Insgesamt kamen im Schnitt zu den 17 Heimspielen 55.906 Zuschauer – das ist neuer Vereinsrekord und wurde nicht einmal in den Bundesliga-Jahren geschafft.
Die Baustellen, die sich nach dem sechsten vergeblichen Anlauf, in die Bundesliga zurückzukehren, angehäuft haben, sind groß. Auf und neben dem Platz. Sportlich schaffte es auch Trainer Steffen Baumgart nicht, den HSV in der entscheidenden Saisonphase zu stabilisieren und zumindest den Relegationsplatz zu halten. „Das Ergebnis, das nehmen wir gerne mit und damit gehen wir jetzt erst mal in den Urlaub rein“, sagte er nach der Partie gegen Nürnberg, betonte jedoch: „Wir wissen aber auch, dass wir über die ganze Saison einfach zu viel liegen gelassen haben. Das ist uns bewusst.“ Auch Torwart Matheo Raab wusste den versöhnlichen Saisonabschluss richtig einzuschätzen. „Wir haben unser Ziel nicht erreicht. Das ist nicht unser Anspruch. Das ist nicht gut gewesen. Ich glaube, das weiß jeder, dass der vierte Platz nicht unser Ziel war.“
Ein bisschen zu feiern, hatten die Fans und vor allem Stürmer Robert Glatzel dann zum Schluss aber sogar doch noch. Mit seinem Elfmetertor zum 4:1-Endstand schraubte Glatzel, der zuvor schon zweimal getroffen hatte, sein Torkonto auf 22 und holte sich die Torjägerkanone. Diese Auszeichnung muss er sich jedoch mit dem Düsseldorfer Tzolis (traf auch dreimal) und dem Berliner Tabakovic teilen.
„Seit drei Jahren wollte ich diese Trophäe gewinnen. Dass es geklappt hat, auch noch für so einen tollen Verein, macht mich sehr glücklich.“ Glatzel trifft seit drei Jahren verlässlich für den HSV und hat sich mit seinen konstant guten Leistungen immer wieder auch für Bundesliga-Clubs interessant gemacht. Ob der gebürtige Münchner auch in der kommenden Saison das HSV-Trikot trägt, ließ Glatzel noch offen. Der 30-jährige Stürmer hat eine Ausstiegsklausel in Höhe von 2,5 Millionen Euro.
Die Personalie Glatzel steht bei Sportvorstand Jonas Boldt ganz sicher weit vorne bei den Planungen für die neue Saison. Aber ob Boldt selbst auch in sein sechstes Jahr gehen darf, ist noch nicht sicher. Fünfmal schaffte er es nicht, den HSV wieder in die Bundesliga zu bringen. Laut Medienberichten ist die Mehrheit im Aufsichtsrat für einen Verbleib – auch mangels Alternativen. Der 42-Jährige ist seit Längerem in der Kritik. Es wurden mehrere Namen als Alternativen gehandelt, darunter so illustre wie Oliver Bierhoff, Jörg Schmadtke, Felix Magath oder auch Ex-Bayern-Sportchef Hasan Salihamidzic.
Boldt gab sich gewohnt selbstbewusst, aber auch selbstkritisch. „Wenn man unsere Saison sieht, dann gibt es sicher keinen Bereich, wo man nicht auch genauer hinschauen sollte. Wir waren in keinem Bereich richtig top, das fängt ganz oben an und zieht sich durch andere Bereiche.“ Boldt sei mit dem Aufsichtsrat in einem regelmäßigen Austausch und glaubt an seine eigene Weiterbeschäftigung. „Davon gehe ich aus. Ich habe einen Vertrag über die Saison hinaus. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Ich denke, es ist immer entscheidend, dass die Bausteine nacheinander bewertet werden.“
Auch Trainer Baumgart gab er noch einmal Rückendeckung: „Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass der Trainer hier ist und habe einen sehr guten Austausch mit ihm“, erklärte Boldt. „Weder er noch ich sind zufrieden. Deshalb werden wir jetzt alles in Ruhe besprechen und das Gesamte übereinander legen.“
Einer dieser Bausteine für die neue Saison wäre wohl gerne auch der immer noch wegen Doping gesperrte Mario Vuskovic. An das Schicksal des kroatischen Verteidigers erinnerten die HSV-Spieler vor und nach dem Spiel. Gemeinsam wärmte sich die Spieler in „Team Mario“-Shirts auf und nach dem Sieg zeigte sich das Team vor der Nordkurve mit einem Plakat mit der Nummer 44 (Vuskovic‘ Trikotnummer).
Auf Instagram teilte er mit: „Die Unterstützung all meiner Fans, Freunde und Familie bedeutet mir die Welt. Ich bin sehr optimistisch nach der Anhörung diese Woche in Lausanne. Wir sollten eine Entscheidung bis Juli haben, also hoffe ich, dass ich in der nächsten Saison wieder für den HSV auf dem Platz stehen werde“. Gebrauchen könnte Baumgart den sehr talentierten 22-jährigen Kroaten auf jeden Fall.
Dann geht der ehemalige Bundesliga-Dino in seine bereits siebte Zweitliga-Saison und ist dann im Fußball-Unterhaus das neue Fossil. Dass die treuen Fans dann auch wieder in Scharen ins Volkspark-Stadion pilgern, ist wohl so gut wie sicher. Mit welchem Personal der HSV startet, ist noch völlig unklar.