Brunnen Aurich sitzt auf dem Trockenen
Nur noch drei Brunnen gibt es in der Auricher Innenstadt. Und von denen sind noch nicht einmal alle in Betrieb.
Aurich - Nicht viel Glück hatte die Stadt Aurich mit dem Brunnen vor dem Rathaus. Erst 2013 wurde das Wasserspiel angelegt. In den vergangenen zehn Betriebsjahren war es mindestens zwei Jahre lang defekt. Auch derzeit läuft der Brunnen nur mit verminderter Wassermenge. Ein technischer Defekt ist schuld daran, dass der äußere Ring der Wasserdüsen nicht in Betrieb ist. Das sagt Stadtsprecher Johann Stromann auf Anfrage unserer Redaktion.
Denn wenn der Brunnen vollständig in Betrieb sei, gehe Wasser verloren. Bislang habe die Stadtentwässerung, die für die Brunnen zuständig sind, noch nicht herausfinden können, wo das Problem liege. Sobald es aber gefunden und behoben sei, so Stromann, werde der grade bei Kindern beliebte Brunnen auch wieder vollständig sprudeln.
Schon kurz nach der Inbetriebnahme des flächigen Brunnens im Jahr 2014 ging die Anlage für drei Tage außer Betrieb. Ein sogenannter Fehlerschutzschalter war damals ausgelöst worden. Das könne bereits durch eine Unregelmäßigkeit in der Stromversorgung geschehen, so die Stadtverwaltung damals. Deutlich länger dauerte die Unterbrechung ab Juli 2017. Starkregen hatte den Steuerraum überflutet. Die Reparatur zog sich hin. Erst im Frühjahr 2019 konnte die Brunnenanlage wieder in Betrieb genommen werden.
Waschpulver im Springbrunnen
Insbesondere an heißen Tagen wie in dieser Woche fällt es auf, wenn die Brunnen nicht funktionieren. Vor dem Rathaus versammeln sich seit Jahren bei Temperaturen über 20 Grad Familien. Kleine Kinder, aber auch Jugendliche und sogar Hunde schätzen die Abkühlung auf dem Georgswall.
Abgesehen davon, können solche sogenannten Hochstrahlbrunnen, bei denen eine oder mehrere Fontänen in die Luft schießen, spürbar das Mikroklima ändern. Ist der Brunnen vor dem Rathaus bei Hitze ausgeschaltet und die Sonne scheint auf die grauen Steinplatten, wird es heiß. Erst mit kühlenden Brunnen lässt sich das ändern. Nicht unwichtig in Zeiten des Klimawandels.
Doch in Aurich sind Brunnen rar gesät. Auf dem Marktplatz gibt es lediglich die Granitkugel, die vom Wasser so weit nach oben gedrückt wird, dass Kinder den feuchten Steinball mühelos drehen können. Einen Einfluss auf das Mikroklima auf dem Marktplatz hat die Kugel aber sicherlich nicht. Das sah anders aus vor dem Bau der Tiefgarage. Damals gab es noch einen „richtigen“ Brunnen auf dem Marktplatz. Laut Johann Stromann fiel die Entscheidung, diesen Brunnen trotz Tiefgarage nicht zu behalten, aber leicht. Denn allzu oft war Ziel von Vandalismus. Mehr als einmal wurde zum Beispiel von Unbekannten Waschpulver hineingekippt – mit einer bemerkenswerten Schaumentwicklung.
Wasserspiele auf dem Georgswall
Ein Streich, der heute so nicht mehr möglich ist. Denn das Wasser in den Brunnen enthält einen Zusatz, der die Schaumbildung unterdrückt. Das hat sich 2014 beim Rathausbrunnen bewährt. Damals hatte jemand versucht, einen Schaumteppich zu produzieren. Der Zusatzstoff hatte das aber verhindert.
Einen weiteren Brunnen gibt es in der Stadt. Dieser befindet sich in der Hafenstraße, gegenüber der Stadtbibliothek, und ist außer Betrieb. Das sei jedoch so nicht geplant, sagt Stromann. Er sei sich sicher, dass dort das Wasser in Kürze wieder fließen werde.
Mehr Brunnen gibt es in der Auricher Innenstadt nicht. Nicht mehr, muss es richtig heißen. Denn die etwas Älteren werden sich an die Wasserspiele auf dem Georgswall erinnern. Östlich und westlich des Rathauses gab es je drei Brunnen, die abends erleuchte wurden. Direkt am Rathaus befand sich ein großer Springbrunnen. „Irgendwann war der kaputt. Die Reparatur hätte 80.000 D-Mark kosten sollen“, erinnert sich Stromann. Daher habe die Stadt damals ein Blumenbeet daraus gemacht. Wegen Vandalismus seien schließlich auch die übrigen Brunnen abgebaut worden.
Ein Versuch, wenigstens wieder etwas mehr vom kühlen Nass in die Stadt zu bringen, ist wohl endgültig gescheitert. Dabei handelt es sich um das stilisierte Hafenbecken vor der Ostfriesischen Landschaft. Die Stadtverwaltung erarbeitet derzeit einen Plan, wie der Bürgermeister-Müller-Platz umgestaltet werden könnte. Dann werden die ungeliebten Becken, in denen schon lange kein Wasser mehr gestanden hat, wohl verschwinden.
Aus diesem Grund liegt ausgerechnet eine Kreisstadt an der Nordseeküste im Sommer zunehmend auf dem Trockenen.