Sicherheit beim Schwimmen  In die Freude auf Freibad-Saison mischt sich Angst vor Pöblern

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 13.05.2024 18:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Auricher „De Baalje“ ist für die Freibadsaison gerüstet. Foto: Archiv/Ortgies
Das Auricher „De Baalje“ ist für die Freibadsaison gerüstet. Foto: Archiv/Ortgies
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Im vergangenen Jahr kam es im Auricher „De Baalje“ mehrfach zu Übergriffen auf das Personal. Die Stadt sieht sich indessen in diesem Jahr gut gerüstet.

Aurich - Am vergangenen Sonnabend ist das Freibad im Auricher Familien- und Freizeitbad „De Baalje“ eröffnet worden. Die Freude auf die neue Outdoor-Saison ist groß. Doch in die Erwartung mischt sich auch Sorge. Der ein oder andere mag an Übergriffe denken, die im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht haben. Mindestens dreimal musste die Polizei anrücken, um bei Konflikten zwischen dem Personal und pöbelnden Gästen im Bad zu intervenieren. In einem Fall wurde sogar ein Mitarbeiter verletzt. Es gab mehrere einjährige Hausverbote für eine Gruppe von Besuchern.

Wie will die Stadt als Betreiberin des „De Baalje“ verhindern, dass sich ähnliche Zwischenfälle wiederholen? Gibt es verstärkte Sicherheitskontrollen? Und: Wie kann man ein Präventivkonzept umsetzen, ohne aus dem Freizeitbad einen Hochsicherheitstrakt zu machen? Diese Fragen hat die Redaktion an Katja Lorenz gerichtet. Die Fachbereichsleitern in der Auricher Verwaltung ist für das „De Baalje“ zuständig. Betriebsleiter Martin Schmidt wollte sich nicht zu dem Sachverhalt äußern. Stadtsprecher Johann Stromann sagte, dass die Mitarbeiter ein Verhaltenstraining durchlaufen hätten. Im Kern handele es sich um Deeskalationsschulungen. Personen, die dafür ausgebildet seien, hätten dem Personal beigebacht, wie in Konfliktsituationen zu reagieren ist. Überdies seien zwei Security-Mitarbeiter eingestellt worden. Bei Bedarf könne man weitere professionelle Unterstützung in kritischen Augenblicken anfordern.

Mitarbeiter wurde bedroht

Im vergangenen Jahr waren vor allen Dingen bei den Gästen wilde Spekulationen darüber aufgeflammt, woran sich die Konflikte entzündet hatten. Dem Vernehmen nach waren es ganz unterschiedliche Situationen. Bei dem Einsatz am Sonntag, 27. August 2023, hatten drei Männer am Nachmittag einen Mitarbeiter bedroht. Vorher hatten sich die alkoholisierten Badegäste verbal aggressiv verhalten.

Der Mitarbeiter habe sie aufgefordert, das Haus zu verlassen, so eine Sprecherin der Polizei. Weil das Trio sich geweigert habe, sei die Polizei alarmiert worden. Die Beamten hätten zwei Strafanzeigen aufgenommen. Grund des Eklats: Die Männer hatten sich nach einer entsprechenden Aufforderung eines Mitarbeiters des De Baalje geweigert, in der Innensauna ihre Badehosen auszuziehen. Die Situation war dann so weit eskaliert, dass einer aus der Gruppe gedroht hatte, er werde sich zu wehren wissen. Angeblich hatte er gesagt, er werde den Angestellten auf den Saunaofen setzen.

Sohn fotografierte im Bad

Auch bei den Zwischenfällen im Juli hatten Mitarbeiter des „De Baalje“ Probleme, ihre Autorität durchzusetzen: Am Sonntag, 23. Juli, kam es zu einer Beleidigung. Konkret hatte der erwachsene Sohn einer Familie im Schwimmbad fotografiert. Ein Mitarbeiter hatte den Mann darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Verhalten gegen die Hausordnung verstoße. Der Angesprochene hielt sich aber nicht daran und machte mit seinem Smartphone weiter Bilder.

Am Freitag, 28. Juli 2023, habe eine Gruppe Männer sich ebenfalls nicht an die Baderegeln gehalten, bestätigte Stadtsprecher Johann Stromann. Wiederholt seien sie seitlich vom Beckenrand ins Wasser gesprungen und hätten dadurch andere Personen in ihrer Bewegungsfreiheit beeinträchtigt. Einer aus der Gruppe sei durch besonders hartnäckiges und aggressives Verhalten aufgefallen. Auf eine erneute Ermahnung reagierte der Badegast aggressiv: Er schlug den Mitarbeiter und verletzte ihn am Hals.

Hausordnung in verschiedenen Sprachen

Wiederholt war bei den Auseinandersetzungen die Rede davon, dass es zu Kommunikationsproblemen mit den Gästen gekommen sei. Das „De Baalje“ hat daraus bereits im vergangenen Jahr Konsequenzen gezogen: Die Hausordnung wurde in deutscher, französischer, englischer, russischer, arabischer, ukrainischer und türkischer Sprache direkt am Eingang aufgehängt. Gleich der erste Punkt heißt: „Den Anweisungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist unbedingt zu folgen.“

Zu Pöbeleien kam es im vergangenen Jahr in etlichen deutschen Städten vermehrt. Am 16. August 2023 gab es zur Gewalt in in nordrhein-westfälischen Schwimmbädern eine Kleine Anfrage der AfD. Die Abgeordneten verweisen unter anderem auf Vorfälle im Berliner Columbiabad, wo Mitarbeiter in einem

Brandbrief an die Geschäftsführung der Berliner Badebetriebe festgehalten hatten, dass verbale Attacken und Spucken regelmäßig vorkämen. Mitarbeiter würden terrorisiert, bedroht und angegriffen. Zweimal habe das Bad nach Tumulten an der Wasserrutsche geräumt werden müssen. Auch in Nordrhein-Westfalen sei es zu vermehrten Vorfällen in Schwimmbädern gekommen, etwa in Mönchengladbach, Bonn und Leverkusen. Die Gewerkschaft der Polizei habe sich für strengere Einlasskontrollen in Schwimmbädern ausgesprochen.

Die Antwort des zuständigen Ministeriumssprechers war eher dürftig. Demnach konnte er nicht sagen, wie häufig externes Sicherheitspersonal angefragt worden sei. Auch über etwaige Hausverbote gebe es keine Statistik. „Sofern Berechtigte Hausverbote erteilen, werden diese der Polizei Nordrhein-Westfalen in der

Regel nicht mitgeteilt“, hieß es in der Antwort.

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