Berlin  Verlauf von Einsamkeit: Junge Erwachsene und Rentner leiden allein

Jessica Chen
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Von Jessica Chen
| 09.05.2024 20:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Weltweit fühlen sich viele Menschen einsam. Welche Faktoren diese Isolation bedingen und in welchen Lebensabschnitten unbedingt auf sich selbst und Mitmenschen geachtet werden muss.

In welcher Lebensphase fühlen sich Menschen am zugehörigsten? Die Betrachtung neun internationaler Langzeitstudien ergibt ein Muster, wie sich Einsamkeit im Laufe des Erwachsenenlebens verteilt.

Unter anderem wurden Daten aus Deutschland, Schweden, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten ausgewertet. Analysiert wurden Menschen zwischen 13 und 103 Jahren. Die Ergebnisse geben Grund zur Besorgnis.

Im Vergleich von über 20 Ländern können Gemeinsamkeiten im Verlauf der Einsamkeit entdeckt werden. Junge Erwachsene und ältere Menschen fühlen sich in allen Ländern am häufigsten allein. Insbesondere Frauen sind vermehrt von dem Gefühl betroffen, fasst die aktuelle Studie der Northwestern University zusammen.

Die Einsamkeitskurve ähnelt einer U–Form: Von der Pubertät an fühlen sich Menschen einsam, bis das Gefühl im mittleren Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf ein Tief sinkt. Ab Mitte 60 steigt die Kurve, teilweise steil, wieder an.

Auch wenn die Forschung eine zunehmende Einsamkeit durch die Pandemie aufzeigt, wird durch diese Studie deutlich, dass schon vor dem Lockdown Einsamkeit ein kollektives Problem war.

Forscher Tomiko Yoneda begründet die Einsamkeit in den jungen Jahren damit, dass am Anfang des Erwachsenenlebens große Veränderungen anstünden. Der Auszug aus dem Elternhaus, die Wahl einer Ausbildung und die Navigation von alten und neuen Beziehungen seien Umbruchphasen, in denen Kontakte verloren gehen können.

Auch Behinderungen, Scheidungen, Verwitwung, Rauchen und chronische Krankheiten stehen in einem direkten Zusammenhang mit besonders schwerer Einsamkeit.

Entscheidend für das Einsamkeitsempfinden im Alter sei unter anderem die Wohnsituation: Jeder dritte hochaltrige Mensch in einem Heim sei von Einsamkeit betroffen, während der Anteil einsamer Personen in Privathaushalten 9,5 Prozent beträgt, führt die Krankenkasse aus.

Die mittlere Lebensphase ist häufig mit Aufgaben für andere geprägt. Die Altersexpertin Eileen Graham erklärt, dass Erwachsene zu dieser Zeit häufig viele Beziehungen pflegen müssten. Das sind beispielsweise die Interaktionen mit Arbeitskollegen, die Pflege von Beziehungen und das Kümmern um Kinder und Eltern. Kinder seien ein gutes Beispiel für die verringerte Einsamkeit: Als Elternteil lerne man meist die Eltern der befreundeten Kinder kennen.

Yoneda ergänzt, dass Erwachsene im mittleren Alter fest in ihren aufgebauten Systemen verwurzelten seien. Auch wenn die Wissenschaftler Grund zur Annahme haben, dass die Ehe weniger einsam mache, sei es trotzdem im Alter wichtig, bedeutsame Kontakte gegen das chronische Gefühl von Einsamkeit aufzubauen.

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