Bauvorhaben  Planungsstopp für neue Sportstätte in Marienhafe gefordert

| | 08.05.2024 19:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf diesem Grünland am Tjücher Moortun in Marienhafe soll die neue Sportstätte entstehen und laut Verwaltung Mitte 2026 fertiggestellt sein. Foto: Thomas Dirks
Auf diesem Grünland am Tjücher Moortun in Marienhafe soll die neue Sportstätte entstehen und laut Verwaltung Mitte 2026 fertiggestellt sein. Foto: Thomas Dirks
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Gegner der geplanten Sportanlagen in Marienhafe sehen sich durch kritische Stellungnahmen bestätigt. Was ihrer Ansicht nach jetzt droht und wie es weitergehen könnte.

Brookmerland - Vor dem Hintergrund der schwerwiegenden Bedenken von Trägern öffentlicher Belange und Bürgern fordern BWG/SEB, BfB und CDU im Rat der Samtgemeinde Brookmerland, die Bauleitplanung für die zentrale Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe umgehend zu beenden. „Die Einwände bestätigen, dass man dieses Vorhaben sofort stoppen muss“, sagte Ida Bienhoff-Topp, Sprecherin der Ratsgruppe, am Mittwoch vor Pressevertretern.

Viele Bürger sähen dies genauso, hieß es. Der Bevölkerung sei nicht zu vermitteln, dass man sich eine teure Sportstätte auf der grünen Wiese leiste und für dringendere Aufgaben kein Geld zur Verfügung stehe, sagte CDU-Chef Harald Tammen. Allein in den kommenden Jahren würden jährlich 1,9 Millionen Euro für Straßensanierungen benötigt. Man wolle Straßen nicht auf Kosten der Sportler erneuern, betonte Tammen, sehe sich aber in der Auffassung bestätigt, dass eine moderne Sportanlage günstiger und schneller zu haben wäre, wenn das alte Sportzentrum in Upgant-Schott saniert würde.

Millionen Euro freiwillige Ausgaben

„Wir sprechen von Millionen Euro freiwilligen Ausgaben“, erinnerte BWG-Vorsitzende Karin Müller. Schon jetzt lägen die Kosten für die neue Sportstätte bei mehr als fünf Millionen Euro. Tendenz steigend. Der eigentlich für Sportstättensanierung bestimmte Zuschuss des Bundes bleibe bei 2,5 Millionen Euro. „Alles was drüber geht, muss die Samtgemeinde schultern“, erklärte Tammen.

Und da könnte nach Ansicht der Ratsgruppe noch einiges kommen: Schall- und Lichtschutz, Ausgleichsmaßnahmen. Schon die jetzt veröffentlichten Stellungnahmen von Behörden und Naturschützern aus der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung im Jahr 2022 seien alarmierend. Und das obwohl sie sich nur auf die damals lückenhaften Planungsunterlagen beziehen. Mit weiteren kritischen Eingaben sei zu rechnen, hieß es.

Zur Sportstätte äußerten sich Ida Bienhoff-Topp (BfB, von links), Karin Müller (BWG) und Harald Tammen. Foto: Thomas Dirks
Zur Sportstätte äußerten sich Ida Bienhoff-Topp (BfB, von links), Karin Müller (BWG) und Harald Tammen. Foto: Thomas Dirks

Auch nach ersten Änderungen, die vorgenommen wurden, sei Kritik berechtigt, so die Gruppe. „Es bleibt eine Notlösung, keine glückliche Lösung“, sagte Bienhoff-Topp. Auch wenn die Befürworter anderes behaupteten – die langgezogene Fläche am Moortun sei grundsätzlich für eine solche Sportstätte nicht geeignet. Wertvolle Fläche würde zerstört und viel Geld verschwendet. Abgesehen davon sei Ärger mit den Landwirten, die das angrenzende Areal bewirtschafteten und ebenfalls massive Bedenken formuliert haben, programmiert. Möglicherweise finde sich eine Lösung, beispielsweise in dem man ihnen anderen Flächen oder Geld anbiete, aber auch das bedeute zusätzliche Kosten.

Frage der Unterhaltung

Der frühere Vize-Verwaltungschef der Samtgemeinde Brookmerland, Harm Bents, laut Bienhoff-Topp „eine Stimme mit Gewicht“, bezweifele in seiner Eingabe, dass die Sportanlagen den von Fachverbänden vorgegebenen Normen entsprechen und Schüler die Anlage in der vorgesehenen Zeit und vor allem sicher erreichen könnten. Hinzu komme, dass nicht alle Teile der Anlage beleuchtet seien, der Trainings- und Sportbetrieb eben wegen der Störungen, die von ihm ausgehen, wahrscheinlich zeitlich begrenzt werde und nach Auskunft von Friesensportlern der ihnen zugedachte Bereich nicht ausreichend sei.

Auch die Frage der Unterhaltung sei offenbar noch immer nicht abschließend geklärt. Da werde einiges auf die Vereine zukommen. „Wir wissen nicht, ob all das den Sportlern so bewusst ist“, sagte Bienhoff-Topp.

Dieser aktuelle Plan zeigt die Aufteilung des an der Bundesstraße (ganz links) gelegenen neuen Sportzentrums am Tjücher Moortun in Marienhafe. Grafik: Büro „PS+ Elsner Heidbreder“
Dieser aktuelle Plan zeigt die Aufteilung des an der Bundesstraße (ganz links) gelegenen neuen Sportzentrums am Tjücher Moortun in Marienhafe. Grafik: Büro „PS+ Elsner Heidbreder“

Die neue Sportstätte bleibe umstritten und könne auch in der inzwischen abgespeckten Version nicht überzeugen. „Aus dem Mercedes ist ein Kleinwagen mit Lieferschwierigkeiten geworden“, stellte Tammen fest. Vor dem Hintergrund der im Lauf der letzten Jahre veränderten Voraussetzungen forderte er, die Sanierung des alten Sportzentrums in Upgant-Schott und Bau einer neuen Sportstätte in Marienhafe bezogen auf ihre Wirtschaftlichkeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zu vergleichen.

Nein zur Bauleitplanung

Sie könnten sich nicht vorstellen, dass der Landkreis den Bau der Sportanlagen in Marienhafe einfach so durchwinken werde, sagte Bienhoff-Topp. „Das wäre eine Überraschung, zumal der Landkreis in diesen Dingen als kritisch bekannt ist“, ergänzte Tammen.

Die Chancen der Gruppe, das Projekt über ein Nein zur Bauleitplanung noch zu verhindern, seien gering. „Wir haben die Mehrheit nicht“, sagte Bienhoff-Topp. Abgesehen davon, so mutmaßt sie, werde inzwischen selbst „von oberster Stelle“ alles getan, damit dieses Vorhaben nicht scheitere.

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