Berlin/Kiel „Schrei nach Liebe“ – Daniel Günther geht auf dem CDU-Parteitag zu Ärzte-Song ab
Wegen freundlicher Worte über die Linke muss sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident auf dem CDU-Parteitag viel Kritik anhören. Umso kräftiger versucht er sich auf der After-Show-Party zurück in die Herzen der Christdemokraten zu tanzen.
„Wer arbeitet, kann auch feiern“, schreibt die frühere Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-Patientenbeauftragte Claudia Schmidtke – und postet auf ihrer Seite bei der Plattform „X“ ein bemerkenswertes Kurzvideo vom Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther auf der After-Show-Party des CDU-Bundesparteitags am Dienstagabend.
Günther hat auf dem Parteitag in Berlin wegen freundlicher Worte über die Linkspartei einiges an Kritik einstecken müssen. Nun tanzt er zusammen mit Berlins Kultursenator Joe Chialo wild auf der Bühne des Parteitagshotels „Estrel“ und heizt den CDU-Delegierten kräftig ein – ausgerechnet zum Song „Schrei nach Liebe“ der Berliner Punkrock-Band „Die Ärzte“.
Nein, es geht darin nicht um die Sehnsucht eines kritisierten Christdemokraten, sondern um einen gewalttätigen Neonazi, der sich nicht geliebt fühlt und daher rechtsradikal geworden ist. „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit“, singen die „Ärzte“, um den Besungenen im Refrain dann als „Arschloch“ zu beschimpfen. Günther singt es laut und springt kräftig in die Höhe.
Der Auftritt mit Chialo dürfte Günther wieder Pluspunkte bei den CDU-Delegierten eingebracht haben. Er fällt ja nicht zum ersten Mal durch eine volksnahe Musik- und Tanzeinlage auf: Während der „Kieler Woche“ im vergangenen Jahr grölte er im Festzelt unter anderem laut das Ballermann-Lied „Layla“ mit, in dem es um eine Prostituierte in einem Bordell geht. Dafür erntete er viel Kritik, nicht zuletzt vom grünen Koalitionspartner. Aber er bekam auch viel Zustimmung.
Die New-Wave-Band „Re-Flex“ hatte im Jahr 1983 mal ein One-Hit-Wonder mit dem Titel „The Politics of Dancing“ – die Politik des Tanzens. Daniel Günther macht sie gerade zu seinem Markenzeichen.